Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen

AJM, Friday, 26.09.2003, 11:09 (vor 8168 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von Silke am 25. September 2003 21:31:10:

Wir Lehrerinnen sehnen uns in der Tat nach dem männlichen Gegenpart, der für eine ausgewogenere Erziehung von Schülerinnen und Schülern sorgen könnte.<

Guten Morgen,

ich bin zwar kein Lehrer (das ist auch besser für alle Beteiligten :-)), habe aber aufgrund der Tatsache, der Sohn eines (inzwischen pensionierten) Schulleiters zu sein, einen sehr guten Einblick in die Veränderungen des Bildungswesens der letzten 25 Jahre. Wenn Du, wie oben zitiert, von einer ausgewogenen Erziehung sprichst, dann heißt das doch letztendlich, daß die Erziehung jetzt einseitig, frauen- bzw. mädchenbezogen ist. Und genau dies wird ja allenthalben in diesem Forum kritisiert.

Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen, denn es gibt. m.E. einen sehr großen Irrtum in unserer Gesellschaft. Daß nämlich die Schule einen Erziehungsauftrag hat. Nun gut, dank jahrzehntelanger femisistischer und post-68-Indoktrination hat die Schule heute defacto den Status eines Ersatzelternhauses (warum, wissen wir alle). Eigentlich ist die Schule ein Ort, an dem Wissen vermittelt werden soll, Grundlagen und Denkansätze, logisches Kombinieren und auch Toleranz gegenüber Mitmenschen (nicht jeder ist gleich). Um das alles zu erreichen, ist eine Vorraussetzung elementar: Disziplin! Leider wird durch das Elternhaus, bewußt oder unbewußt, auf eine solche Tugenden (ebenso wie Ordnung, Ehrgeiz oder Fleiß) kein gesteigerten Wert gelegt. Die Folgen sind bekannt: Von 45 Minuten Unterrichtszeit kann sich mit Glück 10 Minuten dem Stoff gewidment werden. Der Rest geht für andere "Erziehungsaufgaben" drauf.

Diese Art der Unterrichtsgestaltung ist aber nun durch die Kultusministerien (hier in Hamburg seit langem in femnistischer Hand) durchaus gewollt und erwünscht. Alles vor dem (offiziell) Hintergrund, daß die Kinderinnen und Jugendlichinnen frei entfalten können und in ihren Entwicklung nicht gestört werden.

Das Kollegiem der Schule meines Vaters bestand früher etwa 50:50 aus Männlein und Weiblein. Heute sind von 27 Lehrkräften noch 3 männlich. Und die gehen in den nächsten 3 Jahren alle in Pension. Hinzu kommt, daß die Schule in einem Stadtteil liegt, die einen hahen Ausländeranteil hat, was dazu führt, daß manche Klassen zu 70% aus nichtdeutschen Schülern besteht (aber das ist eine anderes Thema). Was aber wichtig ist, daß sich die Lehrerinnen gegen die Schüler von heute kaum noch durchsetzen können. Disziplinarmaßnahmen gibt es eine mehr (es könnte den Schüler ja in seiner Entwicklung nachhaltig stören, wenn man ihm aufzeigt, daß sein Verhalten nicht erwünscht ist). Zu meiner Zeit lag (Jahrgang 1964) die durchschnittliche Klassenstärke bei 32 Schülern. Heute (an dieser Schule) grad noch 15 Schüler. Und trotzdem ist ein ruhiger und sinnvollen Ablauf des Unterrichts aus o.g. nicht möglich.

Ihr Lehrerinnen wünscht Euch vielleicht einen männlichen Gegenpart, in den Kultusministerien (zumindest in den SPD und/oder grün-dominierten) wird es leider nicht so gesehen. Ich möchte den Lehrerinnen vor Ort nicht einmal unterstellen, daß sie sich absichtlich so verhalten, wie es derzeit gang und gäbe ist, nämlich daß Mädchen eher bevorzugt werden. Instinktiv jedoch wird eher Partei Mädchen ergriffen (nenn es wie Du willst: Emotionale Intelligenz (eigentlich ein Paradoxon), Mutterinstinkt, wasweißich). Die Ergebnisse zeigen nun einmal deutlich, daß Jungen weniger gefördert werden und entsprechende schlechtere Schulabschlüsse ablegen. Und daß geht proportional einher mit der steigenden Anzahl von Lehrerinnen und feministischem Denken in den zuständigen Gremien.

Gruß

AJM


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