Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Boys Day: eigene Erfahrungen?

Bruno, Tuesday, 23.09.2003, 17:17 (vor 8171 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:

Diese Anfrage habe ich gefunden und leite sie mal weiter:
Betreff: Girls Day 2004 - und die Jungs?
Hallo,
am 22.04.2004 findet wieder der weltweite (?) "Girls-Day" statt. Keine
Frage, eine sinnvolle und richtige Investition in die Zukunft unserer
Mädchen. Schade nur, dass es keine ähnliche Aktion für unsere Jungs gibt...
Ich suche Menschen, die Anregungen oder sogar Erfahrungen haben, mit
Alternativprogrammen zum "Girls-Day" für Jungs.
Herzliche Grüße
Uwe Bergmeier
Rückmeldungen bitte an: Uwe.Bergmeier@gmx.de

Hallo Odin,

sehr gute Frage. Ich habe mich damit beschäftigt und beschäftige mich auch weiterhin damit. Ich möchte ausführlich darauf eingehen und auch darlegen, was man tun könnte.

Zunächst einmal Grundlegendes:

Eine Parallelveranstaltung zum Girls-Day (nennen wir sie Boys-Day; in den USA, von woher es der Girls-Day wurde dieser schon länger in den Girls- and Boys-Day erweitert; dort hat man offenbar schon gemerkt, dass die Jugend mehr als nur 50% der Jugendlichen umfasst) hätte nur Sinn, wenn sie die Intension des Girls-Days ergänzt. Also während den Mädchen Technikberufe vorgestellt würden, sollten die Jungen Sozial- und Erziehungsberufe vorgestellt bekommen. Diese Vorstellung ist eigentlich ganz logisch und müsste auch auf Zustimmung der Jugend-, Bildungs- und Arbeitsmarkrpolitik bekommen. Warum:

1. Auch die Jungen haben berechtigte Zukunftsängste (männliche Jugendarbeitslosenquote höher als die weibliche) und durch die Einseitigkeit dieser Veranstaltung wird den Jungen demonstriert, dass man sich für ihre Probleme bestenfalls nachrangig interessiert.

2. Eine Integration der Jungen in Sozial- und Erziehungsberufe würde der Empfehlung des Forum Bildung von 2001 entsprechen, in dem führende bildungspolitische Verantwortliche von Bund Ländern, Wissenschaft und Sozialpartnern kar dargelegt haben, dass es dringend notwendig wäre, den Anteil von Männern im Erziehungsbereich zu erhöhen.

3. Eine Erhöhung des Männeranteils in Erzioehungsberufen würde deren soziale Kompetenz in der Erziehungsarbeit und damit auch in der bereitschaft auch im Privaten mehr Erziehungsarbeit zu übernehemn, erhöhen.

Also alles Argumente, die ja den Femis eigentlich gefallen müssten. Trotzdem wird eine solche Parallelveransatltung abgelehnt. Das Kompetenzzentrum Frauen in Technnologie und Informationsgesellschaft, das Koordinator des Girls-Days ist, legt dar, dass alle Veranstalter gegen die Ausweitung des Girls-Days sind. Insbesondere die Industier würde sich vehement dagegen aussprechen. Deshalb sei auch schon beschlossen, in den nächsten beiden Jahren den Girls-Day wieder nur einseitig durchzuführen. Warum?

Das ist die große Frage. Meine persönliche Meinung ist, dass niemand den männlichen Erzieher wirklich will. Die Industrie nicht, weil sie Männer möchte, die sich nur um ihren Beruf kümmern und nicht um die Familie, die Politik nicht, weil sie in Wirklichkeit nicht mehr Väter in der Erziehung möchte, sondern Familien, in denen Mütter und Väter gleichzeitig arbeiten, denn dann kann man beide steuerlich belangen. Warum die Gewerkschaften das nicht wollen, weiß ich nicht, aber ich habe den Eindruck, dass die Frauenressorts dort gegen alles sind, was auch nur annähernd Männern helfen könnte, egal warum. Und die Sozialpartner (z.B. Caritas, Diakonie, Wohlfahrtsverbände) halten sich raus. Ich habe dort mehrfach um Mithilfe bei einem Boys-Day gebettelt. Keine Antwort. Die gleichen Verbände, die billige Zivis gerne nehmen zeigen keinerlei Hilfsbereitschaft, wenn es darum geht, Männer für den Sozial- und Erziehungsbereich zu gewinnen. Und das, obwohl alle den Pflegepersonalnotstand beklagen. Einzige Ausnahme, war das Deutsche Rote Kreuz, das zwar ohne konkrete Festlegung des Umfanmges der Veranstaltung natürlich nicht pauschal seine Unterstützung zusagen konnte, das eine solche Veranstaltung jedoch ausdrücklich begrüßt hat.

Was kann man tun?

Nun, das Kompetnzzentrum hat dargelegt, dass es auch deshalb kein Handlungsbedarf sieht, weil es bisher nur sehrwenige negative Äußerungen zu der Art der Durchführung gab. Dies ist ein klarer Appell an uns. Da können wir zeigen, was wir drauf haben.

Deshalb meine Vorschläge:

Bei der nächsten Durchführung des Girls-Days sollten sich möglichst viele bei den Ministerien (Bildungsministerium, Frauenministerium) und beim Kompetenzzentrum über deren Einseitigkeit beschweren. Zudem sollten Leserbriefe an Zeitungen geschrieben werden mit der Beschwerde über die Einseitigkeit der Durchführung. An diesem Tag im April 2004 wird es ja wieder genug Pressemeldungen dazu geben. Nur wenn wir gemeinsam durch eine solche konzertierte Aktion im April nächsten Jahres zeigen, dass es sehr wohl Beschwerden über die Ausgrenzung der Jungen gibt, haben wir Erfolg.

Beispiele für einen Girls- and Boys-Day in Deutschland ist unter http://www.region-des-lernens.de/holzminden/girls_and_boys_day_2003.pdf zu finden.

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

Gruß

Bruno


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