Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 30. Juli 2003 20:01:18:
Hallo Anabasis
>(Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)
Das interessiert keinen deutschen Mutterschaftskreuz-Richter. Die deutsche Mutter muß 12 Jahre nicht arbeiten, wenn der Ex zahlt,...
Wie Du ganz richtig anfuegst, 'wenn der Ex zahlt'. Nur verdient dieser normalerweise nach vollzogener Scheidung nicht mehr sondern weniger Geld als vor der Scheidung (schlechtere Steuerklasse); gleichzeitig muessen neu zwei Haushalte finanziert werden, wo vorher nur einer war. Wenn die Familie vor der Scheidung schon nicht auf Rosen gebettet war, ist sie es nach der Scheidung noch viel weniger. Also bleibt der geschiedenen Frau in der Praxis meist doch nichts anderes, als ihr Pensum an Erwerbstaetigkeit auszuweiten. Die Maer, dass eine Frau nach der dritten Scheidung finanziell ausgesorgt habe, ansonsten habe sie etwas faschl gemacht, trifft eben nur selten zu.
Andererseits gibt es selbstverstaendlich viele Miststuecke unter den Exen, die den Vater mittels der Kinder als Unterhaltsgeiseln ausnehmen wie eine Weihnachtsgans; ich habe lange genug in den entsprechenden Unterhaltsforen und in der Newsgroup de.soc.familie.vaeter gelurkt, um das zu wissen.
Wie wir inzwischen nicht mehr nur aus amerikanischen Untersuchungen wissen, besteht ein statistischer (kausaler?) Zusammenhang zwischen Umgangshaeufigkeit und Unterhaltszahlungsmoral. Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt auch in Deutschland mal die Umgangssituationen von Vaetern etwas genauer unter die Lupe nehmen; moeglicherweise entpuppt sich dann die in so manchem Beispiel traenenreich beklagte schlechte Zahlungsmoral des Vaters als Nebenwirkung einer gezielten Vaterausgrenzung durch die Mutter.
Und genau solche Spielchen lassen zuviele verantwortungslos urteilende Gerichte und ideologisch agierende Jugendaemter viel zu oft durchgehen. Hier herrscht leider eine bedenkliche muetterzentrierte Einseitigkeit bei der Realitaetswahrnehmung vor.
Ausserdem waere es ziemlich aufschlussreich, die durch Ehescheidungen ausgeloesten volkswirtschaftlichen Sekundaerschaeden und Vermoegensvernichtungen zu ermitteln, die beispielsweise durch Liquidierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Eigenheimen entstehen, um Unterhaltsverpflichtungen zu begleichen. Moeglicherweise wuerden diese Zahlen ausreichen, um Ehewillige auf die Gefahren der Ehe explizit hinzuweisen; so aehnlich, wie sie auf jedem Zigarettenpaeckchen oder Beipackzettel fuer Medikamente stehen: 'Die Ehe kann Ihre physische und psychische Gesundheit schaedigen und Sie in den finanziellen Ruin treiben' oder 'Zu Risiken und Nebenwirkungen der Ehe lesen Sie das Eherecht und fragen Sie ihren Scheidungsanwalt oder -richter'.
...auch wenn sie für jedes Kind drei Kindergartenplätze hat und die Personalvermittler ihre Gartenpforte belagern.
Naja, in dieser beneidenswerten Lage sind wohl die wenigsten Alleinerziehenden.
>- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her! [/i]
Es fehlt nicht an Arbeit in unserem Land.
Das ist korrekt.
Nur ist unser Land totreguliert und die Pfründenwärter verhindern, dass die Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein die Aufhebung der Flächentarifverträge würde es vielen Betrieben ermöglichen, mit den Neumitgliedern der EU im Osten zu konkurrieren.
Da ist was wahres dran. Aber diese Regulierungen sind indirekt Schuld des Waehlers, denn sie haben die Politiker gewaehlt. Und solange eine Mehrheit glaubt von diesen Regulierungen zu profitieren, wird sich daran auch nichts aendern.
Tarifvertraege halte ich nicht fuer das eigentliche Problem; sie wurden schliesslich von den Tarifpartnern ausgehandelt. Das Aushandeln ist ein dauernder Prozess und haelt auch heute noch an, und momentan muessen die Gewerkschaften ziemlich starke Konzessionen machen. Diese Vertraege regulieren sich, je nach Wirtschaftslage, selbsttaetig.
Sicher wäre auch eine Steuerentlastung hilfreich -...
Ich bezweifle, dass kurzfristig eine Steuerentlastung angesichts des massiven Budgetdefizits moeglich ist. Laengerfristig waere das wohl eher moeglich, dann muessten parallel dazu allerdings auch sukzessive die Ausgaben der oeffentlichen Hand eingeschraenkt werden, damit die Staatsquote nicht in die Hoehe schnellt und noch mehr Bussbescheide aus Bruessel kommen. Ob die Buerger die Streichung und Redimensionierung von staatlich gewaehrten Verguenstigungen und Subventionen so ohne weiteres hinzunehmen bereit sind, steht auf einem anderen Blatt.
...je weniger Steuern dieser Staat einnimmt, um so weniger Kampflesbenprogramme kann er bezahlen...
Waere natuerlich toll, wenn ueberfluessige feministische Pfruende endlich liquidiert wuerden. Leider hocken nicht wenige feminismusfreundliche Politiker an Schluesselpositionen und schanzen denen Foerdermittel zu; die Prioritaeten werden eben nicht immer vernuenftig gesetzt.
...und um so mehr Investitionskapital können die Betriebe aufbauen.
Wobei sich hier die Frage stellt, ob nicht dieses Investitionskapital wieder ins Ausland abwandert. Zu Garfields Ausfuehrungen gibt es eigentlich wenig zu sagen. Sinkendes Einkommen bei nicht analog sinkenden Lebenshaltungskosten bedeutet nun mal auch einen Rueckgang des Konsums, was sich neben dem Steueraufkommen direkt auch die Profite der im hiesigen Markt agierenden Unternehmen auswirkt und diese wiederum veranlasst, den europaeischen Markt links liegen zu lassen. Wie die 68er richtig feststellten, sind wir auf Gedeih und Verderb auf Wirtschaftswachstum angewiesen. Leider ist es sehr schwierig auf einem bereits hohen wirtschaftlichen Niveau noch ein Wachstum zu erzielen. Laender wie China oder jene in Osteuropa sind auf einem tiefen Niveau und koennen deshalb die naechsten Jahre und Jahrzehnte traumhafte Wachstumsraten vorweisen, bis sie sich Nordamerika, Japan und Westmitteleuropa angeglichen haben; die westlichen Unternehmen wollen da verstaendlicherweise dabei sein.
Wo aber sind unsere Staerken? Ganz eindeutig im Hochtechnologiebereich. Deshalb ist es ein eigentlicher Suendenfall, wenn Naturwissenschaften und Technik an Schulen zugunsten von Geistes- und Sozialwissenschaften vernachlaessigt werden. Es ist naemlich aeusserst unwahrscheinlich, dass sich psychologische oder sozialwissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Weltmarkt gewinnbringend verkaufen lassen.
Bei neuen komplexen Technologien und/oder High-Tech-Produkten sieht das aber ganz anders aus: diese erzielen meistens eine hohe Wertschoepfung bei gleichzeitig ebenfalls hohen Investitionen an Geld und Know how von Menschen; also etwas, das sich Schwellenlaender wie China (noch) nicht leisten koennen. Leider findet man gerade in Europa eine weit verbreitete Angst, ja sogar Feindlichkeit gegenueber neuen Technologien. Zu allen Zeiten waren neue Technologien mit Risiken behaftet, keine Frage. Aber wenn Europa nicht wieder etwas mehr Risikobereitschaft zeigt, verbaut es sich den Weg in die Zukunft selber. Andere Laender haben naemlich diesen Mut zum Risiko sehr wohl; neue Technologien werden also so oder so entwickelt. Mit seiner Verweigerungstaktik wird Europa die technologische Entwicklung somit nicht verzoegern oder gar aufhalten koennen; es wird lediglich technologisch ins Hintertreffen geraten.
Gruss
Maesi
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Frank,
30.07.2003, 17:30
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas -
Garfield,
30.07.2003, 17:46
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Frank, 30.07.2003, 18:14
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Jolanda, 30.07.2003, 18:04
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Leserbrief an die taz - a.reger, 30.07.2003, 18:28
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Lars,
30.07.2003, 21:52
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas -
Anabasis,
30.07.2003, 23:01
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Garfield,
31.07.2003, 12:50
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Dieter,
31.07.2003, 18:30
- Streit-Thema Flächentarifvertrag - Lars, 31.07.2003, 19:16
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Garfield,
31.07.2003, 22:58
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Anabasis,
01.08.2003, 00:47
- ot: starlet - hotstepper, 01.08.2003, 01:18
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Garfield,
01.08.2003, 13:14
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Anabasis,
03.08.2003, 13:17
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04.08.2003, 14:44
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Manfred,
05.08.2003, 00:59
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Manfred,
05.08.2003, 00:59
- Der Marsch in eine andere Republik - Lars, 05.08.2003, 00:51
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Garfield,
04.08.2003, 14:44
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Anabasis,
03.08.2003, 13:17
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Anabasis,
01.08.2003, 00:47
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Manfred, 01.08.2003, 02:14
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31.07.2003, 12:50
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Maesi, 06.08.2003, 22:29
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Anabasis,
30.07.2003, 23:01
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief -
Bruno,
31.07.2003, 00:37
- Klasse, Bruno! (n/t) - Frank, 31.07.2003, 12:24
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief - Odin, 01.08.2003, 23:44
- "NOTARZT !" -
pit b.,
31.07.2003, 02:42
- Re: "NOTARZT !" -
Odin,
01.08.2003, 23:46
- Re: "NOTARZT !" -
Ferdi,
02.08.2003, 00:10
- Re: "NOTARZT !" -
Jörg ,
02.08.2003, 00:23
- Sorry! Geht in Ordnung. (o.T.) - Ferdi, 02.08.2003, 00:43
- Re: "NOTARZT !" -
Jörg ,
02.08.2003, 00:23
- Re: "NOTARZT !" -
Ferdi,
02.08.2003, 00:10
- Re: "NOTARZT !" -
Odin,
01.08.2003, 23:46
- Frage - Andreas (der andere), 31.07.2003, 14:00
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas -
Maesi,
06.08.2003, 22:00
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Rüdiger, 07.08.2003, 19:19
- Re: Das frauenfeindlichste Land Europas -
Garfield,
30.07.2003, 17:46