Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das frauenfeindlichste Land Europas

Lars, Wednesday, 30.07.2003, 21:52 (vor 8225 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:

Wie bei jeder Polemik liegt auch dieser in gewisser Weise eine wahre Begebenheit zu Grunde: Gutausgebildete Frauen Ende 20 stehen jetzt vor der unerfreulichen Alternative Familie ODER Karriere? Und das könnte der Ausgangspunkt für ein unerwartetes, neues Aufflackern des vergessen geglaubten Geschlechterkampfes sein.

Die feministischen Forderungen sollten zunächst differenziert betrachtet werden:

- Die Forderung nach einem besseren Angebot an Kindergärten und Ganztagsschulen ist erstmal ok. (Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)

- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her! Die Frage, wie man die erwerbswilligen Mütter bei der Kinderbetreuung entlastet - die für die kleine Gruppe der wildentschlossenen Karrierefrauen natürlich im Vordergrund steht -, wird aus dieser volkswirtschaftlichen Perspektive also völlig überlagert durch die Frage, wie die immer selteneren Vollzeiterwerbsstellen so aufgesplittet werden, daß möglichst für jeden und jede ein Teilzeitjob rauskommt, von dem er / sie vernünftig leben kann. Wenn dieses Problem gelöst wird, stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ja sowieso nicht mehr.

Meine These:
Das Thema der der Zukunft ist nicht mehr:
Frauenförderung + Ganztagsschule&Kindergärten (*)

sondern:
Arbeitszeitverkürzung + Teilzeit-und-Jobsharing-Modelle

________

(*) Diese Vorstellung macht nur Sinn vor dem Hintergrund:

- a) ... der Vollbeschäftigungs-Ära bis 1975

- b) ... des Planwirtschaftssystem im Osten (deren Problem war ja nicht der Mangel an ArbeitsPLÄTZEN, sondern vielmehr die ineffiziente Produktion und daher der Mangel an ArbeitsKRÄFTEN.)


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