Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Kampf um die öffentliche Meinung!

Garfield, Thursday, 05.06.2003, 18:49 (vor 8280 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Kampf um die öffentliche Meinung! von Nick am 05. Juni 2003 13:50:13:

Hallo Nick!

Ich sehe das Ganze gar nicht als Kampf der Männer gegen die Frauen an. Denn so manches Gesetz, das als radikalfeministische Keule gegen Männer ausgedacht und eingeführt wurde, trifft jetzt auch Frauen. Selbst von den Nachteilen, die Männer im Unterhalts- und Sorge-Recht haben, ist auch so manche Frau betroffen. Z.B. wenn sie mit ihrem Einkommen den Unterhalt für die Ex ihres Partners mit finanzieren muß. Oder wenn sie das Theater mitmachen muß, das die Ex womöglich um das Sorge- und Besuchs-Recht für die Kinder veranstaltet.

Der Radikalfeminismus an sich ist auch gar kein Problem. Schlimm ist aber, daß durch die Möglichkeiten der modernen Medien und vor allem durch die Verantwortungslosigkeit vieler Medienmacher heute viel einfacher Scheinwelten und weltfremde Dogmen aufgebaut werden können als in früheren Zeiten.

So gelingt es immer wieder selbsternannten Gutmenschen, sich in eine faktisch unangreifbare Position zu rücken, in der sie nicht nur gut verdienen, sondern auch noch so ziemlich alles tun und lassen können, ohne dafür ihr hohes öffentliches Ansehen einzubüßen. Jedenfalls solange sie nicht den wirklich Mächtigen im Lande auf die Füße treten. Radikalfeministinnen sind nur eine Gruppe davon.

In dem von dir verlinkten Beitrag zitierst du Mao mit dem Begriff des Papiertigers. Das ist wirklich passend, denn damit meinte er vor allem die USA. Der Begriff war in der chinesischen Propaganda seit Ende der 50er Jahre ganz groß in Mode. Zu der Zeit hatte die Sowjetunion auf dem Gebiet der strategischen Nuklearraketen die Oberhand. Während Chrustchschow zunächst auf Entspannung setzte und vor den Folgen eines weltweiten Atomkrieges warnte, vertrat Mao die Meinung, daß der Kapitalismus sich in der Defensive befände und daß man vor den USA und ihren Verbündeten keine Angst haben dürfe, da der amerikanische Imperialismus nichts weiter als ein Papiertiger wäre. Wer würde ihm aus heutiger Sicht dabei noch zustimmen?

Wenn nur die paar Radikalfeministinnen die Gegner wären, dann wäre das mit dem Papiertiger durchaus richtig. Aber dann hätten wir auch die heutigen Mißstände allesamt gar nicht erst bekommen. Tatsächlich haben sich Frauen wie Alice Schwarzer ihre Positionen in der Gesellschaft aber nicht selbst erobert, sondern sie wurden ihnen geschenkt. Es waren oft Männer, die männerfeindliche Gesetze beschlossen haben und auch heute tun sie das noch. Bis vor kurzem waren es auch vor allem Frauen, die den Radikalfeminismus kritisierten. Männer haben sich das noch vor 10 Jahren meist entweder gar nicht getraut oder wurden daran gehindert, und zwar oft auch von ihren eigenen Geschlechtsgenossen.

Der Radikalfeministismus konnte nur deshalb soviel Einfluß gewinnen, weil er Instinkte und anerzogene Verhaltensweisen ausnutzt(e), die in Männern und Frauen tief verwurzelt sind. Der Gegner steckt also quasi mehr oder weniger in uns allen. Und mit so einem Gegner wird man nicht so einfach fertig.

Solange Männer beispielsweise merken, daß sie als Hausmänner oder Halbtagsarbeiter ihre Chancen auf eine feste Partnerin enorm senken, werden sie weiter bereitwillig die Ernährer-Rolle übernehmen und es ihren Frauen auch sonst so einfach wie möglich machen, was diese dann natürlich ausnutzen.

Aber prinzipiell gebe ich dir recht. Steter Tropfen höhlt jeden Stein, und in den letzten Jahren hat sich ja schon einiges bewegt. Vor 10 Jahren hätte Arne sein Buch wohl maximal im Selbstverlag herausbringen können, und auch in den Medien entdecke ich in letzter Zeit immer wieder kleine oder auch größere Lichtblicke. Ich bin da also durchaus nicht kleinmütig!

Freundliche Grüße
von Garfield


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