Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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@Jolanda

Damian, Monday, 24.03.2003, 01:58 (vor 8353 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: @Dummschwätzer Odin von Jolanda am 23. März 2003 23:08:55:

Hallo Damian
Oh man, ihr habt echt Nerven. Weisst du, es geht hier doch um Schuldzuweisungen an den Schröder, etc. Es tut mir leid, warum diese Empörung über den Krieg und die sogenannten Schuldigen. Kann einem nicht so sehr tief treffen dieser Krieg, wenn man sich zu solchen persönlichen Beschimpfungen hinreissen lässt und sich selbst und seine Aussagen so wichtig nimmt, dass man dann so emotional reagiert.

Es kommt halt darauf an, ob man vernünftig argumentiert oder nicht. Les dir bitte Odins Posting nochmals durch: er schrieb es wäre konsequent,die amerikanische Regierung gefangen zu nehmen. So. Wenn etwas Dummfug ist, dann werde ich es auch sagen. Weiters kam er mit dem Extremismus-Vorwurf. Ich wüsste nicht, was an den Aussagen extremistisch sein soll. Er wusste es offenbar auch nicht, weshalb er auch KEINERLEI Begründung geliefert hat.

Ich verstehe das einfach nicht, wir reden hier über einen Krieg, es werden Menschen getötet, einfach nur, weil ein paar machtgeile Säcke das so wollen, schon immer wollten. Wir haben Krieg auf der Welt und mich trifft das schon, ich empfinde viel Wut und auch viel Hilflosigkeit, gerade weil ich zusehen muss, wie so ein Land einfach tun und lassen kann, was es will. Dass man hier zusehen muss, dass kaum einer etwas dagegen tut.

Das ist es ja gerade, was ich kritisierte, das viel geredet wird und wenig getan. Übrigens kann auch jeder einfache Mensch etwas tun: als Konsument hat man in einer globalisierten Welt die freie Auswahl. Wenn genug Leute konsequent handeln, erzeugt dies schon einen Druck, den simple Proteste nicht erzeugen können. Man müsste es nur gut organisieren, dann hätte es Auswirkungen, glaube mir.

Und dann tut einer was dagegen und dann wirft man ihm vor, aber er ist inkonsequent, er hätte dann auch dass tun müssen und hier nein sagen. Scheisse, ich meine, er hatte zumindest den Mut, den Willen des deutschen Volkes gegen aussen zu vertreten. Sich für den Frieden stark zu machen, schau doch in Spanien, die Spanier wollten keinen Krieg, aber ihr Boss hat das einfach beschlossen, ich nehme mal an, er erhofft sich davon persönliche Vorteile, sehe ich echt so!

Du verwechselst Reden mit Tun. Er hat viel geredet, aber wenig bis nichts dagegen getan. Der Efolg war derselbe als ob er dafür gewesen wäre, nämlich der Krieg ist da, mit all seinen schrecklichen Folgen.
Ich denke, es wurden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Krieg zu verhindern.
Abgesehen von den Motiven Schröders, gehen wir mal davon aus, dass er aus Überzeugung gegen den Krieg ist, dann hätte er den Willen des Volkes, der ja so eindeutig ist, auch kämpferisch umsetzen versuchen müssen. Wenn er dann immer noch scheitert, verdient er Respekt, weil ja gekämpft.
Dass die Position Aznar's noch kritischer zu beurteilen ist, da er sich offensichtlich nicht darum schert, was das Volks denkt, ist klar, hat aber mit meinen Schröder-Argumenten nichts zu tun.
An folgendem Beispiel kannst du die absurde Situation sehen:
Die Regierung Italiens unter Silvio Berlusconi ist wie du weisst an der Seite der Amis. Der Cavaliere wird in Washington hofiert und umgekehrt.
Nun ist es aber so, dass Deutschland in diesem Krieg de facto nicht weniger Militärhilfe leistet wie Italien, obwohl doch die italienische Regierung für den Krieg ist. Komisch, nicht wahr? Italien beteiligt sich genauso wie Deutschland nicht aktiv am Krieg, sondern leistet passive Unterstützung.

Ich sehe die Nachrichten, höre Interviews im Radio von Irakern, die in der Schweiz im Exil leben und die über ihre Familie reden, die im moment im Irak lebt. Ich sehe diese Bilder, wie Bomben abgeworfen werden und irgendwie ist das manchmal so unreal, man kann es irgendwie nicht fassen.
Ich war heute spazieren mit meiner ganzen Familie, vier Geschwistern und Eltern und allen Kindern, wir waren 14 Stück. Wir waren auf einem kleinen Segelflugplatz im Grünen. Es war strahlend blauer Himmel und man konnte zusehen, wie Segelflugzeuge in den Himmel hinauf gezogen wurden und dann lautlos dahinschwebten, wie grosse weisse Vögel. Es war friedlich, viele Radfahrer und Skater und viele Spaziergänger. Alles so harmonisch und warm. Ich musste an die Menschen denken, die im Irak sind, ich habe mich gefragt, ob nun wohl gerade irgendwo eine Bombe auf dieses Land fällt.

Nochmals: ich bin GEGEN diesen Angriffskrieg. Es ist eine Schweinerei, Bush ist ein Kriegstreiber, die ganze Administration ist zum Kotzen.
Und: die hoffe auch, dass das irakische Volk ihren Capo selbst bestimmen kann, zunächst mal, dass die Opfer nicht zu viele sind.

Und dann komme ich am Abend in dieses Forum und lese dein wütendes Posting. Ok, Odin hätte es auch anders sagen können, aber ich denke hier reagieren eben einige emotional, kann ich verstehen.
Aber wenn ich dein Posting dann so lese, dann denke ich mir, bin ich eigentlich im falschen Film. Mein Gott, wenn man eben keine wirklichen Probleme hat, dann nimmt man sich einfach zu wichtig.

War es ein wütendes Posting? Sehe ich keineswegs so. Nochmal: Wenn jemand Quark erzählt, dann sage ich ihm das auch. Wenn dich etwas gestört hat, dann nenn mir bitte die genaue Stelle. Darüber kann man diskutieren.

Wir nehmen uns alle viel zu wichtig, wir können nicht mehr zuhören und wir sind nicht mehr in der Lage gelassen und souverän zu bleiben, sachlich und anständig. Ich weiss nicht, jeder Angriff muss möglichst doppelt so stark zurückgekontert werden.

War hier nicht der Fall.

Ihr merkt aber schon, dass es hier um Kriegsstrategien geht und euer Verhalten manchmal genau das selbe ist. Nämlich möglichst schnell zurückschlagen und möglichst so, dass man den Gegner auch trifft.
Ist mir dann irgendwie zuviel Kampf, muss ich einfach im moment nicht haben.

Aber Jolanda, du wirst doch zugeben, im Grunde ist das ganze Leben ein Kampf. Man kämpft an allen Ecken und Enden, mit Haken und Ösen, mit Leidenschaft und Verstand, ob in der Familie, im Beruf oder sonstwo.

Und es tut mir leid Damian, sei mir nicht böse, aber dieses RATIONAL kann ich nicht mehr hören. Echt nicht!
Ich bin hier auch emotional, ich bin nun mal nicht immer rational und ich denke, ich alleine bestimme, wie ich etwas angehe. Mir geht dieses Geschwafel von dieser immer so hochgepriesenen Rationalität langsam auf den Geist, sorry!
Als wenn emotionale Intelligenz nicht ebenso wichtig wäre.

Nein, nicht Daniel Goleman...

Scheisse, ich muss jetzt Schluss machen, die Zeit läuft ab, gleich ist Zapfenstreich....

Schnell
Gruss
Damian


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