Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Vergewaltigung

Doc, Wednesday, 30.10.2002, 20:37 (vor 8497 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Jeder Mensch hat seine Gründe... von Jolanda am 30. Oktober 2002 16:20:28:

Vergewaltigung ist Gewalt. Aus meiner Sicht etwa vergleichbar damit, mit einem Messer bedroht und dann auch geschnitten zu werden. Die Traumatisierung kann ich mir als ähnlich schwerwiegend vorstellen.

Ich will mir keineswegs anmaßen, mich in die Seele einer vergewaltigten Frau hineinversetzen zu können, aber man kann über eine Vergewaltigung hinwegkommen, und ich kenne solche Frauen sogar persönlich. Ich kenne auch ebenso zwei, die es nicht geschafft haben, und eine, bei der ich mir nicht sicher bin. Warum es manche schaffen und manche nicht, darfst du mich aber nicht fragen, ich bin auf diesem Gebiet kein Experte und behaupte auch, daß es auf diesem Gebiet keine Experten gibt. Höchstens selbsternannte.

Spekulieren darf ich natürlich: Eine Vergewaltigung ist in unserem Kulturkreis nicht nur eine Gewalttat, es ist auch eine gewisse Entehrung damit verbunden, und die Gesellschaft erwartet geradezu vom Opfer, daß es nie darüber hinwegkommt. Eine Frau, die es "wagt" nach ihrem Mißbrauch noch Spaß am Sex zu haben, erfährt von vielerlei Seiten Ablehnung, ganz besonders von anderen Frauen.

Natürlich besteht technisch gesehen nur ein sehr dünner Unterschied zum freiwilligen Geschlechtsakt, was dann einen Sexekel erklären kann, aber diese Korrelation ist lediglich plausibel, keineswegs beweiskräftig. Ich hatte in der Kinheit einen schweren Autounfall, dennoch fahre ich Auto; ich bin fast an einer Fischgräte erstickt und werde diesen Tag nie vergessen, dennoch esse ich Fisch. Dafür habe ich jedoch eine geradezu abartige Angst vor Wespen, obwohl ich noch nie von einer Wespe gestochen worden bin.

Um nochmal auf die Bestrafung von Gewalttätern zurückzukommen. Für mich bemißt sich die Schwere einer Strafe nicht alleine nach der Dauer, sondern auch nach der Qualität der Strafe. Also ein zweidimensionales Konstrukt. Und bezüglich des Sinnes einer Strafe kommt noch eine dritte Dimension hinzu. Meiner Ansicht nach müßten Gewalttäter weder härter noch schwächer, sondern ganz anders bestraft werden, bzw. man sollte mit verschiedenen Strafen und Resozialisierungstechniken ruhig mal etwas herumexperimentieren. Unser Wissen darüber, was nützt und was nicht, ist viel zu lückenhaft, um dazu etwas Kluges sagen zu können.

Es gibt lediglich eine Prämisse, die sowohl einleuchtet als auch ziemlich gesichert ist: Wer keine Verbrechen will, der darf sie nicht belohnen. Nichtsdestotrotz hat es dahingehend dennoch Experimente gegeben (die berühmte Erlebnisreise für jugendliche Straftäter), mit bekanntem Ausgang. - Gibt´s das eigentlich noch oder hat man diesen Schwachsinn schon eingestellt?

Peter


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