Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Moment mal..

mee, Sunday, 13.06.2010, 01:18 (vor 5689 Tagen) @ Zwei Paar Schuhe

Allerdings hat der Feminismus viele Gesichter. Der Maskulismus übrigens
auch. Du würdest dir vielleicht auch verbitten, mit der "rechten" Fraktion
in einen Topf geworfen zu werfen. Schaut man sich die ganze Bandbreite des
Maskulismus an, so ist fast alles dabei: die radikalen Frauenhasser, die
Zukurzgekommenen, die linken und rechten Politiker, die Biologisten, die
Religiösen usw.

Es hat sich aber im Maskulismus, anders als beim Feminismus, noch keine dominante Theorie etabliert. Wenn sich eine Theorie durchsetzt, mit der ich nicht einverstanden bin dann nenne ich mich selbstverständlich nicht mehr Maskulist. Allenfalls *weißichwas*-Maskulist. Es ist ja meine Sache einen treffenden Bergiff zu wählen, ich kann doch nicht herumjammern dass die Menschen einen Begriff nicht so verstehen wie ich es gerne hätte.

In Frankreich mag die dominante Therie freilich eine andere sein (z.B. Badinter?), wir sprechen aber hier vom Deutschen Feminismus, der weitestgehend den US-Feminismus der 1980er adaptiert hat und sich seitdem keinen Nanometer weiterentwickelt hat. Sozusagen ein vergilbter Snapshot.

Dann ist also auch der Maskulismus die überwiegend verbreitete Ideologie
der Maskulisten? Und die wäre? Nur reactio auf actio oder doch viel mehr
und höchst vielschichtig? Schauen wir uns die Theorien an zum Thema
"arbeiten gehen". Da plädieren die einen dafür, dass die Frau
ausschließlich zu Hause bleibt und vom Mann wirtschaftlich abhängig ist
(natürlich nur bis zur Scheidung, ab dann soll sie wieder voll berufstätig
und finanziell unabhängig sein). Es gibt sogar Forderungen nach
Wiedereinführung von ehelichen Pflichten, Konto-Verbot und sogar
Scheidungsverbot (für die Frau). Dann gibt es die Fraktion, die meint, dass
Frauen voll und ganz arbeiten sollen, damit sie den Mann nicht ausnimmt.
Kinder und Haushalt machen sich ja bekanntlich von allein usw. Es ist alles
dabei, dies nur als Beispiel.

Die Anfangszeit des Feminismus wird ähnlich gewesen sein. Dann hat sich aber die Dworkin-Fraktion, vor Allem in den Institutionen, etabliert. Sie wurde also dominant. Da gab es Einige, die davon gar nicht begeistert waren und sich irgendwann auch nicht mehr "Feministinnen" nennen wollten.

Diskussionen sollen und müssen sein, ja. Doch sind auch die Paradigmen
diskussionswürdig.

Das wird für Dich zutreffen, ich habe jedenfalls den Eindruck. Was die Mehrheit der Feministinnen anbelangt sind die Paradigmen eben nicht diskutierbar, auch nicht für die sogenannten neuen Feministinnen. Maedchenmannschaft.net liefert da wohl ein klares Bild, und das kommt nicht von irgendwoher: Es ist die Mehrheit der dort kommentierenden FeministInnen, die eine Diskussion des Paradigmas "Oppression&Privilege" als Angriff auf Frauenrechte erachtet. Also eben nicht diskutierbar.

Ich halte wenig davon, der beschriebenen Konstruktion
ein einfaches Etikett wie "Unterdrückungsmechanismus" anzuhängen. Aber
natürlich ist dies legitim, genau wie das Gegenteil.

Beispielsweise die Diskussion in der PP zeigt, dass schon das Verwenden des gewachsenen Sprachgebrauches (generisches Maskulinum) als zu bekämpfende "Diskriminierung" betrachtet wird. Zum Unterdrückungsmechanismus wird es dann, wenn solche Vorstellungen Gestaltungsmacht erlangen, z.B. in Schulen, Parteien und Behörden.

Dies wäre deine Interpretation bzw. deine Beobachtung. Doch kann man sich
heute in einer Beziehung durchaus individuell einrichten. Und dies ganz
bewusst. Wie die Umwelt dies sieht, ist eine andere Frage. Das System des
Patriarchats hat sicher Vorteile für beide Seiten, wenn man sie denn nutzen
will.

Man kann sich natürlich in einer Beziehung individuell einrichten. Problematisch wird es aber, wenn Kinder im Spiel sind. Dann sitzt die Frau meistens am längeren Hebel, sie kann jederzeit die Kinder als Druckmittel gebrauchen, den Mann aus der Familie ausschließen. Ich will nicht behaupten dass die Mehrzahl der Frauen dies auch tut, aber es steht immer die Möglichkeit im Raume, sodass es manchmal fraglich erscheint ob von einer gemeinsamen, auf Augenhöhe stattfindenden Gestaltung die Rede sein kann. Die Machtverhältnisse haben sich oft umgekehrt: War es früher die Frau, die sich aufgrund ihrer materiellen Abhängigkeit nicht von einem Mann trennen konnte ist es heute oft der Mann, der nach einer Trennung keine Familie mehr hat und obendrein bis zum finanziellen Ruin materiell ausgplündert wird.

Trotzdem spricht nichts dagegen, es sehr wohl kritisch zu beleuchten.

Es gibt einen Unterschied zwischen kritisch beleuchten und dämonisieren.

Das ist natürlich absurd und führt zu nichts. Geschlechterstereotypen
sollten jedoch kritisch gesehen werden, da ist das Verfallsdatum erreicht.
Ich halte jedoch nichts davon, einen Sprachgebrauch zu erzwingen. Da kann
ich ja gleich in Nordkorea leben.


Willkomen in der EU ;) Ich finde den Begriff Geschlechterideale besser, und sie unterliegen selbstversändlich einer stetigen Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten.

Das meine ich ja! Doch im Nachhinein wird alles verklärt. "Früher war
alles besser", "die Paare waren eine Leben lang zusammen", "Männer und
Frauen lebten harmonisch miteinander" usw. Der ganze Unsinn eben. Die
Wirklichkeit sah doch ganz anders aus.

Naja, man probiert halt etwas Neues und stellt dann fest das das Alte auch seine Vorzüge hatte. Wenn Generationen dazwischen liegen dann kann es leicht zu Verkläungen kommen.


Das ist natürlich Unsinn. Frauen und Männer geben sich ihren Hormonen hin
und werden dann doch Ingenieur? Ja dann...

Das habe ich doch gar nicht gesagt. Wenn Frauen Einkommensmaximierung bei der Berufswahl gar nicht nötig haben, dann wählen sie eher einen Beruf der ihren Vorlieben entspricht. Und auf die Vorlieben haben Hormone, was die Gesamtgruppe aller Frauen anbelangt, einen Einfluß. Deshalb gibt es in ärmeren Ländern mehr Ingenieurinnen als in reichen Ländern. (Das gilt, wenn auch nicht so stark ausgeprägt, auch für Männer)


Natürlich haben sie das, doch ist ihr Einfluss gering im Vergleich zu den
kulturellen Einflüssen. Wäre es umgekehrt, so hätten sich alle Menschen zu
allen Zeiten vollkommen identisch verhalten. Davon kann jedoch keine Rede
sein. Die ganze Bandbreite an Verhalten ist nicht nur denkbar sondern auch
nachweisbar.

Das müsste doch wohl eher für die kulturellen Einflüsse gelten: Die Kultur wirkt auf alle mehr oder weniger gleich ein, zumindest innerhalb einer Schicht. Was Hormone betrifft gibt es erhebliche Schwankungen zwischen Individuen eines Geschlechtes.

Genauso fragt man sich, warum
so viele Männer an den Geschlechterstereotypen verzweifelt festhalten. Das
ist wirklich ein Rätsel. Geht es wirklich nur um Macht und Geld? Ist es
Angst? Wahrscheinlich.

Es ist nmE die nachvollziehbare Beobachtung, dass Geschlechterstereotypes Verhalten an jeder Ecke erwartet wird, und das Aufbegehren gegen die Verlogenheit, dass nun alles anders sei. Es sind nicht "so viele Männer" die an "Geschlechterstereotype" festhalten, es ist die gesamte Gesellschaft und zuvorderst die Mehrheit der Frauen - trotz aller gegenteiligen Bekentnisse und Dämonisierungen des Männlichen.


Nun, was spricht also dagegen, es anzuschaffen? Es läuft eh aus. Wie
gesagt, sind einige Maskulisten fleißige Vertreter desselben. Warum auch
immer.

Ich sehe nicht dass es ausläuft, im Gegenteil. Männern wird immer mehr Verantwortung zugeschrieben, aktuell ist ja die Finanzkrise männlich bedingt. Je Verantwortlicher eine Gruppe gemacht wird, umso mehr Macht wird ihr eingeräumt oder zugeschrieben.

Der Mehrheitsfeminismus ist eine verzogene Fünfjährige, die sich tränenreich an Pappi wendet: Er möge doch gefälligst die Welt angenehmer gestalten.

Ich sehe keine traditionelle Zwangsmoral für Frauen, was sollen sie

denn

heute nicht tun dürfen? Schiefe Blicke und Sprüche einzelner sind keine
Repression. Was Männer betrifft stimme ich zu, die Gesellschaft legt

uns

bisweilen mit aller Staatsgewalt auf unsere traditionelle Rolle fest.
Frauen erwarten zuallermeist traditionelles Verhalten, bei

gleichzeitiger

Wahrung des oberflächlichen Anscheins dass Frauen gar nicht mehr darauf
angewiesen wären. Wir sollen traditionell sein und uns gleichzeitig

dafür

bereitwillig beschimpfen lassen.


Allerdings ein Widerspruch. Doch was zwingt irgendeinen Mann dazu, dem zu
gehorchen? Traditionell zu sein macht nur Sinn, wenn man in einer
entsprechenden Partnerschaft lebt. Ansonsten kann man es doch einfach sein
lassen. Auch da scheinen Männer schiefe Blicke und Repressionen zu
fürchten. Eine echte Gemeinsamkeit. Lol.

Das ist kein Widerspruch, es gibt verschiedene Ebenen. Eine Frau kann heutzutage alles tun was ein Mann tut, sie wird allenfalls von einem Teil der Gesellschaft dafür kritisiert. Sie kann sogar Verhalten an den Tag legen, dass bei Männern als "Machogehabe" kritisiert wird, sie wird dann oft als ein Powerwummen gelobt.

Die Frage ist eben, ob ein Verhalten zu unterschiedlichen Reaktionen führt oder ob es weit überwiegend (subtil?) abgelehnt oder gar offizell geahndet wird. Ein Vater der seine Versorgerrolle nicht erfüllen will (weil er vielleicht lieber sein Kind betreuen will) macht sich nach §170 StGB (bis zu 3 Jahre) strafbar. Dass der Paragraph auch für Mütter gelten soll entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage.

Was Partnerschaften betrifft sind, zumindest nach meiner Erfahrung, die sich ausdrücklich als "emanzipiert" wähnenden Frauen die Schlimmsten (die eigentlich traditionellen). Es steckt meist gar nichts dahinter, Mann soll Mann sein aber bitte den emanzipierten Schein wahren. Bei "traditionellen" Frauen kann man sich diese alberne Show sparen, da ist oft mehr selbst-Bewußtsein vorhanden - was in meinen Augen Voraussetzung dafür ist, den anderen respektieren zu können. Ich habe mir den ganzen Quatsch und die dazugehörigen lila Prinzessinnen irgendwann abgeschminkt und bin eigentlich ganz zufrieden :) Natürlich habe ich nichts dagegen dass meine Freundin ihr eigenes Geld verdient..

Das sind freilich eigene Erfahrungen und persönliche Berichte von anderen Männern. Allgemeingültige Aussagen kann man aber kaum treffen, es dürfte schwierig sein da eine aussagefähige Empirie hinzukriegen.


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