Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Moment mal..

Zwei Paar Schuhe, Saturday, 12.06.2010, 09:37 (vor 5691 Tagen) @ mee

Es gibt durchaus sehr unterschiedliche feministische Theorien..


Bei Kritik zerfällt Feminismus plötzlich immer in millionen Individuen,
die schwören "ICH doch nicht, beschwer' Dich bei der Dworkin. Du hast doch
keine Ahnung was MEIN Feminismus ist."

Allerdings hat der Feminismus viele Gesichter. Der Maskulismus übrigens auch. Du würdest dir vielleicht auch verbitten, mit der "rechten" Fraktion in einen Topf geworfen zu werfen. Schaut man sich die ganze Bandbreite des Maskulismus an, so ist fast alles dabei: die radikalen Frauenhasser, die Zukurzgekommenen, die linken und rechten Politiker, die Biologisten, die Religiösen usw.


Der Kindergarten interessiert nicht, Feminismus ist die überwiegend
verbreitete Ideologie der FeministInnen. Natürlich gibt es auch
Feministinnen wie Wendy McElroy, aber sie sind die Ausnahme und nicht die
Regel. Verallgemeinerungen sind notwendig um überhaupt diskutieren zu
können, man kann ja nicht bei jeder Diskussion jede FeministIn auf der Welt
einzeln mit Namen aufzählen.

Dann ist also auch der Maskulismus die überwiegend verbreitete Ideologie der Maskulisten? Und die wäre? Nur reactio auf actio oder doch viel mehr und höchst vielschichtig? Schauen wir uns die Theorien an zum Thema "arbeiten gehen". Da plädieren die einen dafür, dass die Frau ausschließlich zu Hause bleibt und vom Mann wirtschaftlich abhängig ist (natürlich nur bis zur Scheidung, ab dann soll sie wieder voll berufstätig und finanziell unabhängig sein). Es gibt sogar Forderungen nach Wiedereinführung von ehelichen Pflichten, Konto-Verbot und sogar Scheidungsverbot (für die Frau). Dann gibt es die Fraktion, die meint, dass Frauen voll und ganz arbeiten sollen, damit sie den Mann nicht ausnimmt. Kinder und Haushalt machen sich ja bekanntlich von allein usw. Es ist alles dabei, dies nur als Beispiel.

Es geht überwiegend nach wie vor darum, das sogenannte Patriarchat zu
bekämpfen, mit den Implikationen die ich beschrieben habe. Da die
Konstruktion als Unterdrückungsmechanismus definiert wird, sind
selbstverständlich Maßnahmen gefordert, und seien es "Diskusionen" die
unter feministischen Paradigmen zu führen sind.

Diskussionen sollen und müssen sein, ja. Doch sind auch die Paradigmen diskussionswürdig. Ich halte wenig davon, der beschriebenen Konstruktion ein einfaches Etikett wie "Unterdrückungsmechanismus" anzuhängen. Aber natürlich ist dies legitim, genau wie das Gegenteil.

Das ist eben nicht "folgerichtig legitim". Warum sollten sich

Individuen

nicht dafür entscheiden, sich einem Stereotyp zu unterwerfen, selbst

wenn

sie es "durchschauen"?


Weil dieses sogenannte Stereotyp auxiomatisch als "Patriarchal" definiert
wird, somit also der Mann der es pflegt dies per Definition aus einem
Hegemoniebestreben heraus tut, und eine Frau bestennfalls so "dumm" ist
nicht anders zu können als ihre eigene Unterdrückung zu wählen.

Dies wäre deine Interpretation bzw. deine Beobachtung. Doch kann man sich heute in einer Beziehung durchaus individuell einrichten. Und dies ganz bewusst. Wie die Umwelt dies sieht, ist eine andere Frage. Das System des Patriarchats hat sicher Vorteile für beide Seiten, wenn man sie denn nutzen will. Trotzdem spricht nichts dagegen, es sehr wohl kritisch zu beleuchten.

Sie selbst mögen es als Vorteil anerkennen aus
welchen Gründen auch immer. Wenn ein solches Tabu folgerichtig legitim
wäre, müsste noch ganz andere Dinge tabuisiert werden, z.B. Religion

usw.

Eine irre Vorstellung.


Eine irre Vorstellung, in der Tat. Die Maßnahmen gegen
"Geschlechterstereotype" laufen auf hochtouren, angefangen von der Schule
über die Werbung bis zum Versuch der Manipulation des Sprachgebrauchs. Nun
sollen sogar die Worte Mutter und Vater verbannt werden.

Das ist natürlich absurd und führt zu nichts. Geschlechterstereotypen sollten jedoch kritisch gesehen werden, da ist das Verfallsdatum erreicht. Ich halte jedoch nichts davon, einen Sprachgebrauch zu erzwingen. Da kann ich ja gleich in Nordkorea leben.

Wer keine Stereotype pflegt kann die

Informationsflut, die ihm seine Sinne bieten nicht verarbeiten. Das
Verurteilen von Stereotype ist also das Verurteilen einer
überlebensnotwendigen Funktion. Das ist letztendlich eine - natülich
sinnlose und verlogene - Zwangsmoral der übleren Sorte, weil diese Moral
etwas ablehnt das nicht vermeidbar ist (der Zwang besteht darin, dass es
zur Anerkennung als nichtunterdrückendes Mitglied der Gesellschaft
notwendig ist so zu tun als hätte man keine Stereotype)

Das ist richtig. Stereotype sind notwendig, da das Individuum eine Orientierung braucht. Allerdings befinden sie sich ständig im Fluss, was eine gewisse Frustration mit sich bringt. Mit Gewalt eins festhalten oder schaffen zu wollen wäre allerdings Dummheit. Im Moment sind wir mal wieder im Wandel - wie immer eigentlich.
ßig.


Nun, das ist im Rückblick sehr optimistisch dargestellt. Aber neigt man
nicht dazu, in der Erinnerung zu schwelgen und alles Schlimme

auszublenden?

Da wird so mancher Krieg zum Abenteuerspielplatz und so mancher Soldat

zum

ewigen Kameraden. Die Wirklichkeit war sicher ganz anders.

Wieso optimistisch? Das Leben unserer Großeltern war für Männer und Frauen
verdammt hart. Der nächste Strohmann..

Das meine ich ja! Doch im Nachhinein wird alles verklärt. "Früher war alles besser", "die Paare waren eine Leben lang zusammen", "Männer und Frauen lebten harmonisch miteinander" usw. Der ganze Unsinn eben. Die Wirklichkeit sah doch ganz anders aus.

*rolleyes* Ich habe ausdrücklich geschrieben dass Hormone eben nicht
bestimmend bzw. determinierend sind. Sie bewirken, ebenso wie eine Kultur
die nicht repressiv ist, Tendenzen denen sich Mensch durch bewußte
Entscheidung entziehen kann. Sie führen aber zu statisch meßbaren
Phänomenen wie weniger Frauen in Vorstandsetagen, in Parteien etc. Warum
gibt es in der Türkei mehr Ingenierinnen als im Westen? Etwa weil es in der
Türkei weniger Geschlechterstereotypen gibt? Wohl eher: In der Türkei
können es sich weniger Frauen leisten sich den hormonellen Einflüssen
hinzugeben.

Das ist natürlich Unsinn. Frauen und Männer geben sich ihren Hormonen hin und werden dann doch Ingenieur? Ja dann...


Und ja: Hormone sind in aller Munde, und degegen gilt es nach Auffassung
der meisten FeministInnen vorzugehen. Anti-Wissenschaft bzw.
Gegenaufklärung, denn Hormone haben ganz klar einen Einfluß auf verhalten.

Natürlich haben sie das, doch ist ihr Einfluss gering im Vergleich zu den kulturellen Einflüssen. Wäre es umgekehrt, so hätten sich alle Menschen zu allen Zeiten vollkommen identisch verhalten. Davon kann jedoch keine Rede sein. Die ganze Bandbreite an Verhalten ist nicht nur denkbar sondern auch nachweisbar. Was macht es für einen Sinn, sich gegen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse aufzulehnen? Genauso fragt man sich, warum so viele Männer an den Geschlechterstereotypen verzweifelt festhalten. Das ist wirklich ein Rätsel. Geht es wirklich nur um Macht und Geld? Ist es Angst? Wahrscheinlich.

Frauen haben bei uns die weltweit einmalige Möglichkeit, sich auf ihren
Mutterstatus auszuruhen und werden in aller Regel dafür anerkannt und
alimentiert. In Frankreich gibt es keine nennenswerte Unterhaltspflicht des
Vaters der Mutter gegenüber, und eine Frau die den ganzen Tag nur ihr Kind
hütet ist als Klucke verschrien. Allen Lippenbekenntnissen zum Trotze ist
die Deutsche StandardfeministIn diejenige, die den Mutterkultus am
fleißigsten füttert.

So gesehen bin ich Französin (was zur Hälfte tatsächlich zutrifft). Aber siehe oben: DEN Feminismus gibt es nicht, und der Mutterkult ist zumindest meiner bescheidenen Meinung nach der Schrecken der Meere.

Das mag sein, dass DU das tun WÜRDEST. Es lässt sich freilich gut bekennen
wenn man nicht 12 std lebensgefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit im
Stahlwerk leisten muss. Das "Patriarchat" war der Trick, um Männer dazu zu
bewegen bis in den Tod alles für ihre Kinder zu geben.

Nun, was spricht also dagegen, es anzuschaffen? Es läuft eh aus. Wie gesagt, sind einige Maskulisten fleißige Vertreter desselben. Warum auch immer.

Ich sehe keine traditionelle Zwangsmoral für Frauen, was sollen sie denn
heute nicht tun dürfen? Schiefe Blicke und Sprüche einzelner sind keine
Repression. Was Männer betrifft stimme ich zu, die Gesellschaft legt uns
bisweilen mit aller Staatsgewalt auf unsere traditionelle Rolle fest.
Frauen erwarten zuallermeist traditionelles Verhalten, bei gleichzeitiger
Wahrung des oberflächlichen Anscheins dass Frauen gar nicht mehr darauf
angewiesen wären. Wir sollen traditionell sein und uns gleichzeitig dafür
bereitwillig beschimpfen lassen.

Allerdings ein Widerspruch. Doch was zwingt irgendeinen Mann dazu, dem zu gehorchen? Traditionell zu sein macht nur Sinn, wenn man in einer entsprechenden Partnerschaft lebt. Ansonsten kann man es doch einfach sein lassen. Auch da scheinen Männer schiefe Blicke und Repressionen zu fürchten. Eine echte Gemeinsamkeit. Lol.


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