Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Moment mal..

mee, Friday, 11.06.2010, 07:51 (vor 5690 Tagen) @ Zwei Paar Schuhe

Dies erschließt sich nicht zwingend aus der Feststellung eines sozialen
Konstrukts. Es gibt dies - ja. Wie man es "findet" und ob oder was man
dagegen zu tun gedenkt, ist eine ganz andere Sache. Also bitte nicht
durcheinanderbringen!

Äh, moment mal: Gängige feministischer Theorie leitet aus der These dass Geschlecht ausschließlich konstruiert sei ab, dass dieses Konstrukt dazu erschaffen wurde um Frauen zu unterdrücken (Daher ja auch die Ableitung "Sexismus" aus Rassismus) Da gibt es keinen Spielraum eine eigene Haltung zu "finden", denn jede andere Haltung als die feministische ist auxiomatisch "Frauenfeindlich", sprich: sozialschädlich und ebenso zu ächten wie Gewalt.

Eben nicht. Die Norm steht unter Beschuss. Sie kann und soll nicht durch
eine neue Norm ersetzt werden. Die Individualität ersetzt die Norm, sonst
wäre sie keine.

Individualität hat allgemein unbestritten dort ihre Grenze wo die Individualität anderer eingeschränkt wird. Wenn nun "Geschlechterstereotype" angeblich die Individualität anderer einschränken, dann ist es folgerichtig legitim und notwendig "Geschlechterstereotype" zu tabuisieren, sprich: Die Norm "Anti-Geschlechterstereotyp" aufzustellen. Stereotype sind aber zur Informationsökonomie überlebensnotwendig, insofern ist diese Norm eine klassische verlogene Zwangsmoral, da sie ein Mensch aus Fleisch und Blut gar nicht erfüllen kann. In etwa vergleichbar mit der Tabuisierung von Sex.

Eine Zwangsmoral besteht ja bereits. Es macht keinen Sinn, eine neue
aufzubauen, denn die wäre nicht besser (oder schlechter?) als die
bestehende. Menschen sollten Menschen sein dürfen und keinem Rollenzwang
unterliegen. Das ist natürlich eine Utopie.

Ich schrieb ganz klar: Die vom Feminismus aufgestellte Norm ist einschänkender als es die traditionelle unter heutigen Bedingungen jemals gewesen wäre (Familienplanung, Wohlstand, Bildung für breite Schichten, Strukturwandel in der Arbeitswelt..)

Die traditionellen Geschlechterrollen waren schon immer im stetigen Fluß, die Vorstellung davon wie Männer und Frauen sich Verhalten sollen haben sich stets den Notwendigkeiten angepasst. Klar daran zu erkennen, dass feministische Forderungen noch nie auf nennenswerten Widerstand gestoßen sind, Frauen haben sich schon immer an der Gestaltung ihrer Rolle aktiv beteiligt. Die Gesellschaft hat Frauen schon immer gefragt: Wie wollt ihr sein?

Diese biologischen Ursachen sind nicht nachweisbar. Ganz im Gegenteil. Man
weiß inzwischen, dass die neurologischen Gegebenheiten der Geschlechter
(fast) identisch sind. Doch folgt jeder der gesellschaftlichen Norm, die
ihm von Babybeinen an eingetrichtert wird. Wie gesagt - die Wertung ist
eine andere Frage.

Was sind schon "neurologische Gegebenheiten"? Mensch ist ja bei der Geburt keine unbeleckte Hardware die mit Software gefüttert wird. Das Modell der IT-Technologie ist auf Lebewesen nicht übertragbar. Es lässt sich auch sehr gut nachweisen, dass Hormone eine Wirkung haben, für irgendwas sind sie schließlich da.

Hormone sind natülich kein Schicksal, Mensch ist ja ein Anpassungswunder. Dennoch führen z.B. unterschiedliche Hormonkomplexe dazu, dass es statische Häufungen gibt. Es gibt z.B. weniger Frauen die bereit sind ihr Privatleben für die Karriere zu opfern. Es gibt einen Unterschied zwischen Biologie und biologischen Determinismus. FeministInnen dreschen aber unqualifiziert auf jeden ein, der auch nur das Wort Hormon in den Mund zu nehmen wagt, ein Sakrileg!

Das war schon immer so. Die Rollenvorschriften der Gesellschaft legen und
legten fest, wie sich Mann und Frau zu verhalten haben, wie und warum sie
zusammen leben und wie sie ihr Liebesleben gestalten. Davon gilt es
Abschied zu nehmen.

Das war so, weil in früheren Zeiten Frauen praktisch dauerschwanger waren und es sehr viel Mühe kostete die so entstehenden vielen Kinder auch nur satt zu kriegen. Aus Spaß wurde Ernst, und der musste etwas zu beissen haben. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, dann ändern sich auch die Geschlechterideale, das zeigt die Geschichte ganz klar. Sollten wir wieder Lebensbedingungen haben wie unsere Großeltern, dann werden wir auch wieder ähnliche Geschlechterideale entwickeln (müssen). Oder würdest Du Dich in der Schwerindustrie für ein Kind kaputtmachen, dass Dein widerlicher Nachbar heimlich mit Deiner Frau gezeugt hat?

Es gilt vom Feminismus mit seiner Zwangsmoral abschied zu nehmen, damit die Geschlechterideale sich entsprechend den Gegebenheiten - in einem demokratischen Prozess - entwickeln können. Sorry, das "Problem" ist nicht für immer und ewig aus der Welt zu schaffen indem man "Geschlechterstereotype" ächtet. Wir tun mal einfach so als gäbe es keine Zweigeschlechtlichkeit und meinen wir hätten so eines der größten Themen der Menscheit einfach aufgelöst: Das ist einfach nur eine grenzenlos dämliche Selbstüberschätzung, und eben nicht auch nur ansatzweise ein gesellschaftlicher Fortschritt. Frauen werden immer die Kinder gebären, und Männer werden sie immer Zeugen, und das wird immer private und gesellschaftliche Auswirkungen haben.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum