Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Erfahrung in der Bahn

Nick, Friday, 26.11.2004, 23:33 (vor 7741 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Erfahrung in der Bahn von Jolanda am 26. November 2004 08:16:51:

Liebe Jolanda,

ich glaube, hier werden gerade zwei verschiedene Themen zugleich diskutiert und dabei nicht sauber unterschieden.

1.) Hat Nikos sich "korrekt verhalten"?

2.) Welchen Umgang wollen wir Menschen untereinander pflegen?

Die erste Frage kann hier eigentlich gar nicht diskutiert werden, da ja außer Nikos niemand dabei war. Mein Posting hatte überhaupt nicht den Zweck, Nikos zu kritisieren, sondern es ging mir nur um die zweite Frage. Der Aufhänger war natürlich Nikos(!) Frage, zur geschilderten Situation Stellung zu nehmen. Aber ich habe bewußt auf Markis Gedanken geantwortet.

Zur Ausgangslage: Ich sagte ja, daß ich mich in Nikos Stimmung gut reinversetzen könne. Seinen späteren Ausführungen zur Würde des Mannes und zur Autonomie der Person stimme ich vorbehaltlos zu. Du kennst mich doch und weißt genau, wie ich dazu stehe. Ich traue ihm als Person fraglos zu, den Charakter einer konkreten Frau, die in schräg anquatscht, richtig einzuschätzen und angemessen auf sie zu reagieren. Es ist aber trotzdem auch denkbar, daß er überreagiert haben könnte, z.B. weil er gerade, wie er schreibt, durch die Lektüre von Arnes Buch "auf hundertachzig" war und es deshalb "die Falsche" erwischt hat. Die Frage kann ich schlicht und einfach nicht entscheiden. Sie geht mich oder sonst jemanden außer Nikos auch überhaupt nichts an.

Dadurch indes, daß er die Sache hier zur Diskussion stellt, wird sie zwangsläufig zu einem allgemeinen Thema im Sinne der Frage zwei.

Natürlich ist es immer am besten, in einfachen Alltagssituationen unkompliziert und spontan zu reagieren, ohne übermäßig skrupulös zu werden, ob es vielleicht mal etwas heftig rumpelt. Wer austeilt muß einstecken können, auch eine dreiste Göre natürlich, die eine kesse Lippe riskiert. Das ist überhaupt kein Drama, auch wenn es mal "ungerecht" war. Auch vor da her betrachtet geht es also nicht um Nikos und die geschilderte Situation: eine triviale Alltagssituation, wahrscheinlich alles bestens geregelt, ansonsten nicht groß der Rede wert.

Was mich nachdenklich macht, ist das "Prinzipielle", was du daraus ableitest. Es kann keine Lösung sein, selbst zu verbiestern und es jetzt pauschal "den Frauen" heimzuzahlen. Man muß schon unterscheiden, finde ich, mit wem man es zu tun hat. Die Hälfte der Menschen sind Frauen. Die meisten Männer lieben Frauen, so ist es eingerichtet und so ist es gut. Die eigentliche Katastrophe des Feminismus besteht ja gerade darin, daß diese ursprüngliche Liebe zwischen den Geschlechtern in einem Ozean von Haß ertränkt wird, wenn wir das nicht stoppen. Wenn es den männerhassenden Feministinnen gelingen sollte, die Männer zu frauenhassenden "Gegenstücken" abzurichten, dann ist das Ende erreicht. Dann braucht man über nichts weiter nachzudenken. Weil dann nämlich nichts weiter mehr kommt.

Schwieriger aber wichtiger als Abgrenzung ist Kommunikation, wo immer das geht. Wir müssen aufklären, nicht aburteilen, müssen die semantische Lufthoheit brechen, die in die Köpfe so vieler Menschen, Männer wie Frauen, all die Vorurteile von der armen, verfolgten Frau und dem bösen, schuldigen Mann hineingepflanzt hat. Das ist mühselig, aber ohne Alternative. Angreifen muß man die bewußt Boshaften, die HetzerInnen und AgitatorInnen, besonders natürlich da, wo sie öffentlich wirken und Einfluß nehmen in Medien, Gremien, Politik usw. Aber das "Mädel von der Bahn" ist für mich erstmal kein Feindbild, bloß weil sie eine Frau ist und sich vielleicht nie Gedanken gemacht hat, ob die Vorbilder aus Bravo-TV u.ä. so besonders gut sind, sondern sie nur stumpf nachäfft.

Wie du weißt: wenn sie dumm daherredet, knicke ich bestimmt nicht ein. Aber vielleicht hätte ich nachgefragt, inwiefern sie denn Frauen für bessere Menschen hält, woran man gute Menschen eigentlich erkennt, woher sie denn sicher weiß, daß "die Männer" all diese Eigenschaften in so viel geringerem Maße besitzen als sie z.B. und was sie sich eigentlich vom Leben verspricht, wenn das alles so zutreffen würde; ob es sich vielleicht um dumme Vorurteile handeln könnte, die über die Medien unter die Leute gebracht werden und einen bösen Haß unter die Menschen säen; ob der Haß ihr eigenes Leben nicht genauso vergiftet, wie das von "den Männern"; ob, wenn so viele Frauen hochnäsig auf Männer herabsehen, Hochnäsigkeit auch eine Eigenschaft ist, die ausschließlich den "besseren Menschen" vorbehalten ist... usw. usf... Man sieht dann ja, ob sie errötet und nett wird, oder grün im Gesicht anläuft und das fanatische Keifen beginnt. Je nachdem denke ich, sollte dann die weitere Reaktion ausfallen.

Selbstverständlich ist es genauso legitim, wie Nikos einfach zu sagen: "Ich möchte mich nicht mit Ihnen unterhalten!"

Nur als PRINZIP taugt es eben nichts. Darauf wollte ich hinaus.

Gruß an dich
vom Nick


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