Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Erfahrung in der Bahn

Nikos, Thursday, 25.11.2004, 23:32 (vor 7742 Tagen)

Hi.

Möchte meine Erfahrung hier zur Verfügung stellen. Es gibt zwei Teile, ein Hintergrund und die Erfahrung an sich.

Hintergrund: Das Buch von Arne (Tolles Buch, danke!). Nachdem ich es kaufte, habe ich einiger Zeit gebraucht, um es öffentlich zu lesen. Plötzlich fiel es mir auf, wie sehr ich selbst durch den feministischen Totalitarismus unterwandert bin, dass beim entsprechenden „politisch unkorrekten“ Titeln, ich mich nicht einmal traue, ein Buch öffentlich zu lesen. Demnach habe ich mich entschlossen, das Buch ab sofort öffentlich zu lesen, und zwar so deutlich wie möglich den Titel zu zeigen, ohne natürlich bewusst zu provozieren, dh., nicht jemandem unten die Nase reiben, aber auch nicht meine Jacke drüber legen.

Somit habe ich das Buch als Begleiter für meine Bahnfahrt, die insgesamt vier Stunden dauert. Diese Zeit verbringe ich gerne dann im Bord-Bistro, da trinke einen Kaffee und esse etwas, und lese eben einen Buch.

So auch dieses Mal. Ich sitze im Bord-Bistro der Bahn. Ich trinke Kaffee und lese „Sind Frauen bessere Menschen?“. Der Schaffner kommt, ein Mann. Er kontrolliert mein Ticket, bedankt sich und geht.

Etwa zehn Minuten später kommt eine uniformierte Bahn-Mitarbeiterin vorbei. Sie bleibt neben mein Tisch stehen. Ich merke, wie sie auf mich und das Buch schaut, ohne sie mir anzuschauen. Ich lese weiter und tue so, als ob ich nicht gemerkt habe.

Dann gab es folgenden Dialog:

Bahnmitarbeiterin (ungefragt und dreist, als ob sie zu ihrem Sklaven sprechen würde): Natürlich sind die Frauen bessere Menschen! (sagt sie mir, einem Kunden, der sein Ticket bezahlt hat, der ihr Arbeitsplatz mitfinanziert, der niemandem was tut, außer ein Buch zu lesen, was außerdem eine Frage als Titel hat, nicht etwa „Frauen sind schlecht“ oder so..)

Ich (schaue sie erst jetzt an, um so zu tun, als ob sie mich meint, sie schaut mich auch an, in die Augen): Wieso sprechen Sie mich an? (direkte, zurechtweisende Frage ist immer besser!)

Bahnmitarbeiterin: Wegen Ihr Buch, da steht, ob die Frauen bessere Menschen sind, und ich sagte, dass sie es sind (versucht zu lächeln und freundlich zu wirken, immerhin arbeitet sie ja gerade..)

Ich (total ernst, durch Arne’s Buch sehr geladen!): Ich möchte mich mit Ihnen NICHT unterhalten, sie haben mich nicht einmal gefragt, ob ich mich mit Ihnen sprechen möchte. Ich möchte es NICHT. Wieso sprechen Sie mich an? Habe ich Ihnen erlaubt, mich anzusprechen? (Ton bleibt, ich bin höfflich, nicht laut, aber laut genug, so dass alle im Bord-Bistro sich umgedreht haben und uns gespannt ansehen..)

Bahnmitarbeiterin: Es wird doch erlaubt sein, einen Spaß zu machen… (bei jetzt ist die Dame so klein geworden, sie hätte problemlos in ein Streichholzschachtel reingepasst.. trotzdem versucht sie sich groß zu machen und zu beweisen, dass sie doch recht hat.. ihre Schultern hängen..)

Ich (weiterhin super ernst): Ich will mich mit Ihnen NICHT unterhalten, ist es Ihnen so schwer zu verstehen? Bitte lassen Sie mich in Ruhe.

Beim Weggehen hat sie noch irgendetwas gemurmelt, von wegen „wickeln Sie sich doch ein Tuch um den Hals“ oder ähnlich, sollte wohl heißen, ich muß mich deutlicher zu erkennen geben, dass… WAS DENN?

Dass ich in ein freien, demokratischen Staat, kein Buch lesen darf, ohne gleich als ein „natürlich“ schlechterer Mensch hingestellt zu werden.
So, das war meine Erfahrung. Die Dame habe ich während der ganzen Fahrt nicht mehr gesehen.

Was denkt Ihr drüber? Habe aber gemerkt, dass männliche Mitarbeiter freundlicher zu mir waren, aber nicht gespielt-freundlich, sondern eher erleichtert-freundlich.

Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an. Wichtig ist es höfflich zu bleiben, aber auf keinen Fall sich selbst unter Wert stellen oder an jede Dahergekommene verschenken. Die beste Verteidigung bleibt Angriff, nur geschick muss er sein.

Nikos


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