Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Das Clowneske = Die Endlos-Schleife existentieller Absurdität.

Ruth Teibold-Wagner, Friday, 08.10.2004, 13:12 (vor 7791 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Unfreiwillige Komik - Der tragische Fall Anke. von susu am 07. Oktober 2004 20:17:26:

Halli-hallo!

Ich weiß nicht, ob ich hier allein darstehe, aber ich finde Clowns nicht lustig...

Was findest Du denn lustig? :-)

Ich würde gleiches behaupten. Clowns und Klassenkapers sind tragische Figuren.

Auch Charlie der Tramp ist eine tragisch-melancholische Figur, die sich aus der tragischen Situation heraus durch Komik befreit, seine Würde durch Komik gewinnt.
Genauso wie der Clown. Zu der Befreiung gehört unbedingt das Lächerlichmachen der Autorität. Der klassische (2proletarische") Clown veräppelt den aufgetaktelten Weiß-Clown oder den Zirkusdirektor, Charlie veräppelt die Polizei oder den Chef.

Doch die Clownerie hat nicht nur eine soziale, sondern darüber hinaus noch eine existentielle Dimension: Zur Clownerie gehört der "Spaß an der Absurdität des Daseins", der sich z.B. in der Situationskomik zeigt, wenn der Clown immer wieder aufs neue auf den Rechen tritt, so daß der Stiel im an den Kopf haut.
Genauso wie der Clown, der endlos in irgendwelche Fallen der Objekte tappt, hängen wir ja alle zeitlebens in einer Endlos-Schleife der existentiellen Absurdität.
Diese unsere Lebens-Situation hat, distanziert von außen gesehen, etwas komisches.

Auf mich wirkt das so, wie jener Sänger, der sich auf der Bühne mit Glasscherben den Körper zerschnitt und rief "Was muß ich denn noch alles tun, um eure Anerkennung zu finden." Gerade diese Art von "Komik" kommt nur bei jenen zum Vorschein, die ganz unten sind.

Das würde ich eben nicht als Komik bezeichnen sondern als hilflose Lächerlichkeit.

Im Gegensatz zu einem Clown war es aber ehrlich. Ich finde den Gedanken, daß es Leute gibt, die ernthaft auf die Idee kommen Apokalyptische Parolen in einen Gottesdienst zu rufen und einiges erheiternder, als das es Leute gibt, die sich für einen miesen Lohn täglich einen Eimer Wasser über die Rübe kippen lassen.

Du lachst aber nicht ÜBER diese Leute, Du lachst sie AUS. Das ist der entscheidende Unterschied von Komik und Lächerlichkeit.

O.k., zugegeben. Warum bringen Frauen diese Art der Selbstironie und auch des Galgenhumors nur so wenig zustande?
Tun sie das? Sicher? Die Frage ist doch eher: Warum sind sie, wenn sie es zu Stande bringen so wenig öffentlich präsent.

Ist auch meine Frage.

Irgendwie findest du anscheinend grundsätzlich Sachen lustig, die für mich den absoluten Tiefpunkt darstellen, was Komik angeht...

Du bist eben ein bierernster Intellektueller, der keinen Spaß versteht.

Bei uns gibt es einen Redner, der erzählt in der Fastnacht mit ABSICHT total dämliche Witze, die überhaupt nicht witzig sind.
Ich dachte das sei der Sinn von Fastnacht/Karneval... Alle wissen, da da jetzt nix kommt, was witzig ist, aber auch, daß Lachen Pflicht ist. Also konsumieren sie möglichst viel Alkohol. Das maximiert den Gewinn der Beteiligten Brauereien.

Viel Spaß noch bei der protestantischen "Suche nach dem Sinn von Fastnacht". Deinen Humor möchte ich nicht haben.:-)

Warum ist es uns fast undenkbar, uns vorzustellen, dass eine Frau so etwas bringen könnte?
Anke hat öfter versucht, selbstironisch, auch clownesk zu sein, aber ich fand es fast jedesmal peinlich, ich konnte kein einziges Mal richtig lachen.

Ich fand sie immer sehr clownesk. Also eben nicht lustig.

Sie versuchte, clownesk zu sein und schaffte es nicht.

Bei Harald Schmidt habe ich allein schon gebrüllt wegen seinem Pseudo-Macht-ausströmenden schein-autoritären Outfit, welches in so eklatantem Gegensatz zu seiner Selbstironie stand, überhaupt nicht zu dem antiautoritären Umgang mit den "Mitarbeitern" paßte, und vor allen Dingen nicht im geringsten zu der herrlich befreienden political-correctness verletzenden Ironie in Übereinstimmung war. Also dieses Gebrochene zwischen Form und Gehalt finde ich wichtig, um Harald Schmidt´s Humor zu verstehen.
Dazu kommt noch das elitäre. Schmidt hat irgendwann angefangen Risiken einzugehen. Einfach mal mit der eigenen Bildung koketterieren. Auf seine Art war das wie die Schlingensief-Sendungen, die es ja auch schon mal gab. Also Fernsehen, das faszinierte, weil es einfach mit den Grundsätzen eines Massenmediums brach - nämlich, daß es sich an die Massen richten sollte. Schmidt hatte dann trotzdem gute Quoten, einfach weil das kleine Segment, daß er ansprach für Schmidt wachblieb. Und das was bei Engelke nicht so der Fall. Es war kein Hochrisikofernsehen, sondern eben genau das, was man erwartet. Und dafür schaltet niemand täglich ein, aus Angst etwas außergewöhnliches zu verpassen.

Ich glaube das ist der Unterschied: Schmidt mußte niemandem mehr etwas beweisen und konnte einfach alles machen (diese Art von Souveränität fehlt auch einem Raab oder Lück, die immer auf den kleinsten gemeinsammen Nenner kommen wollen). Engelke hatte keinen Erfolg, weil sie ihn wollte...

Das paßt mit meiner ursprünglichen These zusammen. Ich sagte ja zuerst, Komik bedürfe der "Macht", das war vielleicht das falsche Wort. Vielleicht paßt "Souveränität" besser.

Ruth


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