Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Der Charlys-Tante-Effekt...

Guildo, Thursday, 07.10.2004, 20:35 (vor 7792 Tagen) @ Ruth Teibold-Wagner

Als Antwort auf: Der Charlys-Tante-Effekt... von Ruth Teibold-Wagner am 07. Oktober 2004 13:59:24:

Hallo, Ruth!

Deshalb sage ich ja: Wenn Frauen witzig sein wollen, können sie nur Männer veräppeln. Wenn Männer witzig sein wollen, können sie andere Männer oder sich SELBST (der CLOWN!), oder auch (in geringerem Maße) Frauen veräppeln (Vorsicht: Frauendfeindlichkeit!:-)).

Das hat aber jedoch nichts mit Macht oder Ohnmacht zu tun.

Männer haben also eine größere Bandbreite an Zielen für ihren Witz.
Vor allem (!) haben sie die Möglichkeit der Eigen-Ironie:
Wenn ein Mann einen selbstironischen Witz über seine Glatze macht, lacht alles, ohne dass der Mann auch nur im geringsten "sein Gesicht" verlieren würde. Im Gegenteil. Man sagt: "Der Kerl ist klasse, der hat Humor."
Wenn eine Frau eine Glatze hat, kann sie darüber keinen selbstironischen Witz machen. Niemand würde das verstehen. Es würde peinlich wirken.
Der Unterschied liegt also in erster Linie in der SELBST-Ironie. Diese beherrschen Männer virtuos und Frauen sind darin völlige Stümper.

Wenn Männer hier etwas besser können als Frauen, dann hat das ebenfalls nichts mit Macht zu tun. Männer und Frauen sind eben verschieden, der eine kann dies besser, die andere jenes. Auch Jahrzehnte der feministischen Gleichmacherei können daran nichts ändern.

(Das soll mal ein Kompliment an die Männer sein. Ausnahmsweise.)

Schön!

Es ist auch eine subtile Form von Selbstironie, wenn Männer sich über andere Männer, vor allem mächtige Männer, lustig machen.
Aber warum wohl? Warum gilt es als witzig, wenn ein Mann sich als Frau verkleidet (Charly´s-Tante-Effekt), aber kein Mensch findet es auch nur im geringsten witzig, wenn sich eine Frau als Mann verkleidet? Wenn sich eine Frau als Mann verkleidet und versucht, in dieser Travestie komisch zu wirken, lacht niemand, es erscheint eher als peinlich.

Dies liegt am gesellschaftlichen, vor allem von Frauen getragenen Konsens, das Männer, die eher weibliche Züge haben, lächerliche Figuren und Schwächlinge sind. Hier wirkt das Bild vom starken Mann, den die Frauen auch als härtestes Emanzen stets bevorzugen, noch nach. Ein Mann, der sich nun als Frau verkleidet, sich bewußt dieser Lächerlichkeit preisgibt, bedient dabei dieses Klischee. Eine Frau, die männliche Züge aufweist, gilt keineswegs als lächerlich. Dieses Bild ist eher positiv besetzt mit Begriffen wie "Powerfrau" und "ich kann alles genauso gut wie ein Mann, ja sogar noch besser". Eine Frau, die sich als Mann verkleidet, zeigt sich nur in einer Position, die sie heute durch übertriebene Emanzipation längst inne hat. Und das findet keiner komisch. Der Frau dient dies eher als Vorbild, dem Mann aber wird auf einmal seine tatsächliche Stellung in unserer Gesellschaft vor Augen geführt, worüber er logischerweise nicht mehr lachen kann. Auch hier sind Macht und Machtlosigkeit ohne Bedeutung. Hier geht es eher darum, dass der Mann nach wie vor eine exakt vorgebene Rolle und Verhaltensweise im Leben zu spielen hat. Weicht er von ihr ab, wird er zum Gespött aller, vor allem aber der Frauen. Frauen haben im Gegensatz dazu keine feste Rollenerwartung, sie können frei wählen zwischen"Weibchen" und "Kampflesbe" - irgendwer klatscht immer Beifall. Daher läßt sich eine Frau, als Mann verkleidet auch so schlecht als Humor verkaufen.

Witziger Gruß

Ebenfalls ein herzliches Lachen zum Gruß
Guildo


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