Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Familien-Leben... Eltern statt Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugen

Garfield, Friday, 21.05.2004, 21:49 (vor 7931 Tagen) @ Pokemon

Als Antwort auf: Re: Familien-Leben... Eltern statt Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugen von Pokemon am 21. Mai 2004 18:10:35:

Hallo Pokemon!

"Bedeutet Demokratie nicht Herrschaft des Volkes? Wenn man es genau nimmt zählen Kinder doch auch zum Volk, oder?"

Ja, ein Säugling zählt auch zum Volk. Und wie soll ein Säugling im Alter von einem Monat entscheiden, wen er wählt?

Und wie stellst du dir das mit Kindern im Alter von ca. 4 Jahren vor? Was ist, wenn sich dann die Teletubbies zur Wahl stellen und gewählt werden? Dann haben wir Tinky-Winky als Bundeskanzler. Man könnte zwar sagen, daß es nicht viel schlimmer werden kann, aber tatsächlich gibt es immer noch eine Steigerung...

Weißt du, es hat schon seinen Sinn, daß für Wahlen in allen demokratischen Ländern ein Mindestalter vorgeschrieben ist.

Und jemanden für einen anderen Menschen wählen zu lassen, ist eben undemokratisch.

"Das Risiko hast Du aber bei jeder Maßnahme, mit der die Situation der Familien verbessert werden sollen."

Nein, eben nicht. Man kann ja, anstatt Familien finanziell zu subventionieren, Rahmenbedingungen schaffen, die es Eltern ermöglichen, auch mit mehreren Kindern ihren Lebensunterhalt weiterhin selbst zu erwirtschaften. Dann fördert man nicht die Schmarotzer, sondern gerade diejenigen, die eben nicht auf Kosten anderer leben.

"Ob Kinder die Lösung für unser Rentenproblem sind? Keine Ahnung. Aber zumindest wird es immer behauptet."

Ja, das wird behauptet, um von den wirklichen Problemen abzulenken. Bevor die Politiker zugeben, welche immense Mißwirtschaft sie in den letzten Jahrzehnten betrieben haben und immer noch munter weiter betreiben, schieben sie lieber alles auf die Bevölkerungsentwicklung ab. Dabei ist die Bevölkerungszahl gar nicht wirklich gesunken. Das war zwar nur durch Zuwanderung möglich, aber auch diese Zuwanderung hat letztendlich nur die Arbeitslosigkeit weiter erhöht - derselbe Effekt wäre eingetreten, wenn die Bevölkerungszahl auch ohne Zuwanderung, also durch Geburten, stabil geblieben wäre.

"Ein Argument wäre der Anstieg der Nachfrage, wodurch die Konjunktur angekurbelt werden würden. Aber um nachzufragen braucht man Geld, nicht wahr? Und da das Kindergeld zusammen mit den steuerlichen Vergünstigungen normalerweise den Unterhalt der Kinder nicht deckt frage ich mich, woher dieses Geld kommen soll."

Ja, eben. Und auch das Kindergeld muß ja irgendwoher kommen. Das müssen dann praktisch die Menschen erarbeiten, die kein Kindergeld bekommen. Die haben dann dafür weniger Geld zum Ausgeben übrig. So gleicht sich das dann aus. Auf die Konjunktur sollte das also keine Wirkung haben.

"Die Unsicherheit der Arbeitsplätze ist natürlich ein Problem. Andererseits habe ich im Focus einen Bericht über Dänemark gelesen wonach die Dänen so gut wie keinen Kündigungsschutz haben, die dänische prozentuale Arbeitslosenquote aber weit unter der deutschen liegt."

Ich weiß nicht, ob man Dänemark so einfach mit Deutschland vergleichen kann. Ich glaube, wir haben hier in Deutschland mehr sehr große Unternehmen, die weltweit operieren und somit grundsätzlich eher dazu neigen, Produktion ins Ausland zu verlagern. Außerdem mußt du dabei auch bedenken, daß vieles, was Neoliberale heute in Deutschland immer wieder fordern, wie z.B. Aufhebung der Tarifverträge, Lohnsenkungen usw. teilweise auch in Deutschland längst Realität ist. Ganz besondern im Osten Deutschlands - aber genau da kommt die Wirtschaft nicht voran. Weil solche Maßnahmen nämlich die Kaufkraft und damit den Binnenmarkt schwächen. Die Wirtschaft macht damit nur kurzfristig höhere Gewinne. Langfristig zerstört sie sich damit selbst die Märkte. Deshalb nützt so etwas letztendlich nur den Großkonzernen, für die Deutschland nur ein Markt von vielen ist, die also hier noch absahnen, was es abzusahnen gibt, und sich einfach komplett ins Ausland verdrücken, wenn hier alles ausgesaugt ist.

Eine Lockerung des Kündigungsschutzes schwächt zwar auf den ersten Blick die Kaufkraft nicht. Aber wenn man Mitarbeiter leichter feuern kann, dann werden sie auch schneller gefeuert werden. So wird die Arbeitslosigkeit ansteigen, denn auch wenn man dann vielleicht eher einen neuen Job findet, dann wird man immer noch eine Weile suchen müssen.

Außerdem gibt es ja sowieso keinen absoluten Kündigungsschutz. Wer einen Mitarbeiter loswerden möchte, der wird ihn auch los. Es geht der Wirtschaft letztendlich auch dabei mehr um Lohndrückerei. Man will die vorhandenen Mitarbeiter durch die Gewißheit, jederzeit gefeuert werden zu können, gefügiger machen und sie dazu zwingen, nicht nur auf Lohnerhöhungen zu verzichten, sondern auch Lohnkürzungen zu akzeptieren. Wobei die hohen deutschen Lebenshaltungskosten nur leider nicht so schnell sinken werden...

Das schwächt dann die Kaufkraft eben doch, und damit wird der deutsche Binnenmarkt noch schwächer werden. Für die Großkonzerne bedeutet das weitere Verlegung der Produktionsstätten auf interessantere Märkte, und für viele kleine und mittlere Unternehmen wird das den Ruin bedeuten, weil die nicht einfach so ins Ausland ausweichen können. So dreht sich die Abwärtsspirale dann immer schneller...

"Noch mal eine Frage zum Schluss: Braucht Deutschland jetzt Kinder oder nicht?"

Ich würde sagen, wir brauchen mehr Kinder. Allerdings nicht aus den Gründen, die von der Politik immer gern angegeben werden. Und wenn der jetzige Kurs der deutschen Politik beibehalten wird, dann müssen die Geburtenzahlen sogar sinken. Dabei muß man auch noch bedenken, daß in Zukunft immer mehr Menschen mangels ausreichender Renten über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten müssen. Der heute oft prognostizierte Arbeitskräftemangel wird so also kaum eintreten.

Freundliche Grüße
von Garfield


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