Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Neues Scheidungsrecht

Emmalein, Tuesday, 02.03.2004, 10:41 (vor 8011 Tagen) @ Andi

Als Antwort auf: Re: Neues Scheidungsrecht von Andi am 01. März 2004 18:23:24:

Und zu sagen, dass Du warten willst, bis das gesellschaftlicher Normalfall wird, ist absurd. Der gesellschaftliche Normalfall ist in den Köpfen unserer Politiker die HausFRAUENehe, und das kann sich auch nie ändern ,wenn es keine Pioniere bei den Männern gibt.

Die Pioniere bei den Männern gibt es schon lange. Das Problem sind die Frauen. Neue Frauen braucht das Land. Solange ein Mann von fremden wie der eigenen Frau schief angesehen wird, wenn er sich nicht an das Standartmodell (Mann muss malochen, Frau darf die Kinder erziehen) hält, kann sich nichts ändern. Bei vielen Frauen gilt ja Arbeitslosigkeit ihres Mannes schon als Scheidungsgrund, weil dies das Standartmodell gefährdet.

Und Du kannst auch einer künftigen Partnerin nicht vorschreiben, wie das Partnermodell aussehen soll.

Tja, aber die meisten Frauen sind sich sicher, ihren Partnern das Partnermodell vorschreiben zu können (-> sonst Scheidung)
Denk mal drüber nach
Gruß,
Andi

Nur ein sehr kleiner Teil der Männer übernimmt die Kindererziehung und macht Erziehungs"urlaub" (wieder so ein Ausdruck, der mich ziemlich nervt, die Regelungen bei Ehe und Familie sind voll von solchem Stuss, "Berufsausstieg auf Zeit" wäre meines Erachtens der richtige Ausdruck, denn ein Urlaub ist das Ganze wirklich nicht - schon mal einige Nächte über Kleinstkinder gewacht, die noch nicht durchschlafen?).

Der Grossteil macht mit seiner Arbeit weiter. Nicht aus bösem Willen, sondern weil traditionelle Männerberufe vom selben Niveau besser bezahlt sind als traditionelle Frauenberufe vom selben Niveau (der KFZ-Mechaniker verdient mehr als seine Friseuse, um mal ein Klischee aufzuwerfen, aber auch mehr als seine Krankenschwester oder seine Altenpflegerin). Und weil Kinder eben Geld kosten. Und weil es in Deutschland kaum und nur sehr schlechte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt (verlässliche Grundschule nur für ganz wenige Kinder, kaum Hortplätze, Kindergartenplätze, zu denen man die Kinder schon bei der Geburt anmelden mus und die dann nur von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr geöffnet haben), bleibt die Frau noch länger aus dem Beruf heraus, als sie es eigentlich wollte.

Natürlich werden Pioniere in der Gesellschaft schief angesehen. Auch Frauen passiert das heute noch, wenn sie die Kinder in ausserhäusige Betreuung geben und selbst arbeiten gehen. Der Ausdruck "Rabenmutter", der in vielen Sprachen überigens kein Äquivalent hat, fällt dann sehr leicht und sehr schnell. Du musst Dir schon ein dickes Fell angewöhnen, wenn Du anders leben willst als das die Tradition will. Das ist immer so.

Eine Scheidung hat meist viele Gründe. Und unterschiedliche, wenn man die Sicht des Mannes und die der Frau betrachtet. Ach ja: Man kann nicht immer daraus, dass die Frauen die Scheidung einreichen, schliessen, dass die diejenigen waren, die allein die Scheidung wollten. Damals, als ich noch in der Lehre war und wir uns scheiden liessen, wollten wir das beide. Aber ich habe damals Prozesskostenhilfe bekommen. Deswegen haben wir damals gesagt, o.k., wir machen das so, dass ich die Scheidung einreiche und dann entstehen dem Mann keine Kosten. Ich habe die Kosten später bezahlt, von dem Geld, das ich dann nach der Lehre verdient habe. Er ist davon nie behelligt worden. Ach ja: Wir hatten eine private Vereinbarung, dass er keinen Unterhalt zahlen muss. Ich habe von ihm also nie einen cent Geld nach unsere Ehe gesehen. Was bin ich doch für eine schreckliche Ausbeuterin, für ein gemeines Weibsstück, das ich damals die Kosten der Scheidung allein getragen habe!

Es grüsst gemein
das Emmalein (das reimt sich auch noch!)


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