Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Neues Scheidungsrecht

Anti-Sexistin, Tuesday, 02.03.2004, 00:07 (vor 8011 Tagen) @ Joseph S

Als Antwort auf: Re: Neues Scheidungsrecht von Joseph S am 01. März 2004 21:28:54:

Hallo Anti-Sexistin,
Du tust so, als ob die Männer die Partnerwahl entscheiden würden. Es sind aber die Frauen,
die auswählen.

Nein, überhaupt nicht. Frauen bekommen locker so viele Körbe von Männern wie umgekehrt. Das ist auch okay so, denn es ist immerhin besser wie wenn jemand mit dem anderen zusammenwäre aus Mitleid.

Wenn ich mich nicht mehr um Frauen "über meinem Niveau" bemühe, liegt das daran, weil ich
mir garantiert nutzlose Anstrengungen ersparen möchte. Ständig abgewiesen zu werden ist
zudem tatsächlich schlecht für das Selbstbewußtsein.

Wieso? Wurdest Du da schon abgewiesen? Vielleicht, aber keineswegs wegen der Kohle.

Im übrigen könnte die Frau selbst aktiv werden. hast Du schon mal von einem Fall gehört,
wo ein Krankenpfleger eine werbende Oberärztin abgewiesen hätte ?

Ich habe schon durchaus Fälle erlebt, wo sich Ingenierinnen um Handwerker bemühten, die das allerdings nur schlecht wahrnahmen oder sehr aggressiv darauf reagierten, u.a. mit Unterstellungen wie "arrogant", "überkandidelt", "nicht meine Welt".

Mein Punkt ist insofern, daß eine Ablehnung ungleicher Partnerschaften hier im Forum oft (besonders wenn es um besser verdienende Frauen" geht und schlechter verdienende Männer geht), einseitig und geradezu monokausalistisch aufs Geld zurückgeführt wird. Geld ist hier überhaupt das Hauptthema. Auch dies wird monokausalistisch auf alle Beziehungsaspekte ausgedehnt. Das ist nicht nur eine weit verkürzte Darstellungsweise. In Bezeihungen ist es schlicht Quark, eine Seite auszublenden als die unbescholtene und alles nur dem "Feind" zuzuschustern.

Im übrigen geht Partnerschaft nicht ohne gegenseitige Anerkennung. Warum bekommt mann die
nicht von Frauen "über seinem Niveau" ?

Ich sehe hierfür nicht primär geld- und geschlechtsspezifische Merkmale am Werk sondern psychologische und sozialpsychologische. Menschen, die sich in gravierend unterschiedlichen Kreisen bewegen, haben oftmals auch ganz unterschiedliche Einstellungen, Hobbies, Interessen etc. Zumindest eine Ähnlichkeit in generellen Einstellungen muss in Form von Anerkennung gegeben sein, um überhaupt einen Beziehungserfolg zu garantieren. Die Chemie kommt natürlich auch wesentlich hinzu. Attraktion jedoch reicht allein nicht aus, um eine langfristige Beziehung zu garantieren. Und gerade auch Top-Manager haben ein Problem damit eine "blöde Tippse" ernsthaft als Partnerin in den Kreis ihrer Geschäftsfreunde und Golf-Freunde einzuführen. So ein Mädel wird mal kurz sexuell mitgenommen, mehr aber nicht. Insofern sind die geschlechtsspezifischen Schwarzweißbilder hier daneben.

Vergessen wird hier obendrein, daß auch vor der Frauenemanzipation (wirft man nur einen Blick ins Deutschland des 19. Jahrhunderts) die Ehe mit einem Mädchen ohne Mitgift die Ausnahme war. Die gaben höchstens die Mätresse ab. Geheiratet wurden hingegen vermögende Frauen mit einer ordentlichen Mitgift, die gute Partie eben.

Vergessen wird auch hier, daß Beziehungen zweiseitig funktionieren. Eine Frau, die sich "nach oben" orientiert (ich leugne nicht, daß es die gibt) ist genauso "schuld" wie ein Mann, der sich nur "nach unten" orientiert (oft Mangel an echtem Selbstwertgefühl). Insofern sind dies Probleme eher psychischer Natur, die nur wenig mit Maskulismus und Feminismus zu tun haben.

Ich habe unten schon geschrieben, daß oft gerade wohlhabende Menschen (egal ob Mann oder Frau) nur wenig unterhalb ihres "Standes" heiraten wollen, gerade um auszuschließen, daß der andere sich mehr in die Kohle verliebt als in die Person. Ich finde dies persönlich berechtigt und verständlich.

Was Dein Oberarzt-Beispiel angeht, das ist leider etwas zu viel Schwarzwaldklinik. Die meisten Ärzte haben zu lange Ausbildungszeiten und verdienen auf ihrem Weg dahin nur sehr wenig Geld. Die Krankenschwestern mit weitaus kürzeren Ausbildungszeiten haben bis dahin schon Kinder mit anderen Männern gemacht, die weit weniger Geld verdienen als ein Oberarzt.

Die Fixierung auf Geld finde ich hier in der Allgemeinheit fehlgegriffen.

Wieso Männer manchmal von gut verdienenden Frauen einen Korb bekommen, hat auch weitaus andere Gründe als nur Geld, z.B. Einstellungen. Fast jeder Mensch wählt das, was ihm/ihr vertraut ist. Sollte er/sie durch eine Partnerschaft in eine völlig unvertraute Lebenswelt kommen, wird die Beziehung nicht mehr sein als ein Ausflug. Sollte eine IT-Ingenieurin von ihrem Handwerker ständig gesagt bekommen "Frauen und Technik verträgt sich gar nicht" wird das kaum lange halten.

Nebenbei: in großen Firmen, bei denen noch Tarifverträge gelten, verdient ein Handwerker nach zehn Jahren fast so viel wie ein Ingenieur oder ein promovierter Manager nach zwei. Wenn es nur die Kohle wäre, müßte es also klappen. Aber oft ist es eben nicht nur die Kohle. Oft sind eben Einstellungsunterschiede viel entscheidender und das kann sich schon an so Kleinigkeiten aufhängen wie "Wagner finde ich scheiße"/"Techno ist das einzig Wahre".

Darum geht es mir.

Was mich angeht: ich bin normal. Ich trete nur auf Männer zu, die ich physisch, persönlich und geistig attraktiv finde und bleibe nur mit ihnen zusammen, wenn ich sie auch sozial attraktiv finde. Da gibt es sowieso nur einen für mich - oh, und der verdient weniger als ich, aber das ist mir egal. Das ist gar kein Thema bei uns.

Gruß

Anti-Sexistin

Gruß
Joseph


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