Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wer aus der Geschichte nichts lernt....

Maesi, Thursday, 20.11.2003, 20:29 (vor 8113 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Wer aus der Geschichte nichts lernt.... von Xenia am 09. November 2003 13:33:51:

Hallo Xenia

Da liest man nun Jahr und Tag (leicht übertrieben, da ich seit nichtmal einem Jahr eine Ahnung von den Dimensionen der Männerrechtsbewegung habe) in Maskulistenforen und eines Tages fragt man sich, ob das "rechts" in Männerrechtsbewegung eigentlich für Recht steht oder als Bezeichnung für rechts.

Eine durchaus legitime Frage - allerdings unpraezise gestellt. Denn solange Du uns nicht erklaerst, was Du unter 'rechts' verstehst, kann man(n) die Frage nicht adaequat beantworten. Deshalb die Frage an Dich zurueck: Was verstehst Du unter rechtsgerichtet? Ich habe naemlich die Erfahrung gemacht, dass rechtsgerichtet und rechtsextrem haeufig als Synonyme verwendet werden. Bei linksgerichtet und linksextrem besteht die Differenzierung sehr wohl. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen: solange sich jemand auf dem Boden der Menschenrechte sowie der Verfassung bewegt, werde ich ihn nicht verdammen; selbst, wenn ich politisch andere Ansichten habe.

Flügelkämpferisch zerfleischen sich die Herren in den Foren und wie üblich sind es die Radikalen, die den Gemäßigten das Leben schwer zu machen versuchen. Meistens geschieht dies durch Ausgrenzung. DU gehörst nicht zu uns, weil du nicht für die Sache kämpfst, sondern lasch bist, da du etc...

Wir muessen zur Kenntnis nehmen, dass die Maennerrechtsbewegung jung ist und noch weitgehend unorganisiert. Es handelt sich gewissermassen um die Sturm- und Drangperiode einer noch politisch unbestimmten Bewegung. Dies ist aber voellig normal und wird sich sukzessive aendern; frueher oder spaeter wird die Bewegung sich in mehrere Richtungen aufgespalten - unter anderem wohl auch in radikale Richtungen.

Die Ghettoisierung, potenziert durch Löschung unangenehmer Inhalte, wird von einer Radikalisierung begleitet, die alles negiert, was von einer stattlichen Behörde (der Staat, oder sollte ich sagen: die Staatin?, ist fast immer falsch, aufgrund feministischer Zwangserziehung) beschlossen oder durchgesetzt wird.

Seine Glaubwuerdigkeit in Sachen Gleichberechtigung hat der Staat selber weitgehend verspielt. Wider besseren Wissens werden in grosser Zahl pauschale Verdaechtigungen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet; kein Wunder, dass kaum ein Maennerrechtler die staatlichen 'Wahrheitsverkuendungen' mehr ernst nehmen kann. Die richtige Konsequenz waere eigentlich, sich endlich von diesen weitgehend unhaltbaren Desinformationskampagnen zu verabschieden und sich strikt an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu orientieren; leider blieb das bisher grossmehrheitlich aus. Und jetzt kommst Du, und machst uns auch noch zum Vorwurf, dass wir diese staatlich gepredigten Unwahrheiten nicht brav glauben sondern dreist kritisieren. Ich muss schon sagen, das ist wirklich ein starkes Stueck...

Hinter jedem gelben Blättchen am Lebensbaum vermutet man böse Absicht. Alles wird auf das Geschlecht zurückgeführt, sei diese Schlußfolgerung auch noch so albern.

?

Inkarnation alles verabscheuungswürdigen wird das andere Geschlecht. Selektive Auswahl von Zeitungsmeldungen, pseudosoziale Beobachtungen, Aufgreifen von uralt Klischees, die man für gerechtfertigt hält.

Es steht Dir frei, selber Zeitungsmeldungen ins Forum zu setzen, Uralt-Klischees zu bekaempfen usw. - pseudosoziale Beobachtungen (beispielsweise bezogen auf Frauenzeitschriften sowie deren Auswirkungen auf die Leserinnen) hast Du ja selber schon in dieses Forum gesetzt. Deine Argumentationen zur Rechtfertigung muetterlicher und staatlicher Wahrheitsunterdrueckung bei den Kuckuckskindern waren ebenfalls aeusserst aufschlussreich.

Überlebensformen des anderen Geschlechtes innerhalb dieser Dynamik: 1.) ja, du hast recht wir sind alle so schlecht, 2.) Ja, du hast recht, die sind alle so schlecht - aber ich bin es nicht.

Die meisten Frauen konnten sich bisher den Luxus erlauben, die feministischen Maennerdiffamierungskampagnen zu ignorieren, die in ihrem Namen auf die Oeffentlichkeit niederprasselten, waehrend sie gleichzeitig die dadurch erworbenen Vorteile einstrichen und sich obendrein noch als den Maennern ueberlegene Bessermenschen fuehlen konnten. Auf laengere Sicht wird dieses ambivalente Verhalten jedoch scheitern. Ich hoffe nicht, dass die Frauen sich einmal tatsaechlich zwischen den obigen beiden Alternativen entscheiden muessen, weil die dritte ('ich habe von alldem nichts gewusst') mangels Glaubwuerdigkeit nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Kommt das jemandem bekannt vor? Schaut man sich mal den Feminismus an, so entdeckt man genau und zwar punktgenau dieselbe Entwicklung.

Zweifellos gibt es Aehnlichkeiten; es waere auch eigenartig, wenn es sich anders verhielte. Schliesslich sind Maenner und Frauen nicht so verschieden voneinander, deshalb werden sie wohl auch in aehnlicher Art und Weise ihre jeweiligen Anliegen vertreten.

Trotzdem gibt es Unterschiede: der wichtigste Unterschied ist IMHO, dass der moderne Feminismus nie einen ideologischen Gegner hatte; Gegner dieses Feminismus' waren Strukturen aber keine Maennerrechtler, denn die gab es vor dreissig Jahren nicht. Die Maennerrechtsbewegung ist zu einem wesentlichen Teil Resultat eines ideologischen Schlechtmachens von Maennern, welches sich eben tatsaechlich (auch) in staatlichen Strukturen festgesetzt hat; man(n) erinnere sich an die massiv sexistischen Begruendungen im Rahmen des GewSchG im Bundestag verbunden mit der tendenzioesen Darstellung der Realitaet im Bereich 'Haeusliche Gewalt'. Das sogenannte 'Patriarchat' (um einen typisch feministischen Begriff zu benuetzen) hatte nie den Anspruch auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter - im Gegenteil! Der Feminismus vertritt diesen Anspruch jedoch sehr wohl. Da aber in der Realitaet die feministische 'Gleichstellung' keine echte Gleichberechtigung ist (nicht trotz, sondern wegen der vielen feministischen Gleichstellungsfunktionaerinnen), handelt es sich hierbei lediglich um eine glatte Propagandaluege.

Deshalb muessen Maenner ihre Anliegen selber vertreten, was aber nicht heisst, dass Frauen in dieser Bewegung ausgeschlossen bleiben. Nur durch einen Ausgleich zwischen politischer Frauen- und Maennerbewegung werden wir uns dem Gleichberechtigungsideal annaehern koennen. Das ist simple Politik, wie sie seit Jahrtausenden erfolgreich praktiziert wird.

Die Aufspaltung, die Reduzierung aufs Geschlechtliche, die Radikalisierung, die einen an den rechten Rand führt (Solanas),...

Sorry, aber so weit wie Solanas und ihre Bewunderinnen (z.B. Emma-Magazin) sind wir noch nicht; obwohl ich nicht daran zweifle, dass einzelne Leute aus der Maennerrechtsbewegung soweit gehen werden. Dagegen kann ich jedoch wenig tun, ausser dass ich mich von solchen Leuten distanziere.

Du selber gehst der Radikalisierung auf den Leim, indem Du offensichtlich nur noch radikale Stimmen zur Kenntnis nimmst. Wer ohne Scheuklappen in diesem Forum mitliest, wird jedenfalls zum Schluss kommen, dass die gemaessigten Stimmen keineswegs verstummt sind. Aber eben - es kommt immer auf den eigenen Standpunkt an: wer selber extremistisch ist, wird auch in gemaessigten Gegnern abgefeimte Extremisten erkennen. Ob letzteres auf Dich zutrifft, musst Du Dir selber beantworten...

die Konstruktion eines großen, nichtzufassenden Systems, das einem das Leben in jeder Minute versaut und all den anderen Unsinn.

Also die meisten Statements sind recht praezise; es ist normalerweise genau auszumachen, wer oder was kritisiert wird und warum. Und wenn etwas nicht klar ist, kann man um eine Praezisierung bitten.

Das System im Staat selber ist eigentlich genau zu fassen: die grossmehrheitlich feministisch-sexistisch agierenden Gleichstellungsbuerokratinnen sowie sexistische Gesetze (z.B. Wehrpflicht) und Gesetzesauslegungen (z.B. Kind-gehoert-zur-Mutter-Ideologie). Die professionellen Gleichstellerinnen sind selbstverstaendlich nicht die einzigen Schuldigen an der heutigen Misere; durch die von ihnen installierte institutionalisierte Desinformation und dauernd wiederkehrende Maennerdiffamierungskampagnen haben sie aber zu einem wesentlichen Teil an der Vergiftung der Geschlechterpolitik beigetragen.

Wie gesagt... wer aus der Geschichte nichts lernt...

Wer hat ueberhaupt jemals etwas aus der Geschichte gelernt?

Gruss

Maesi


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