Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Die Rechte, die Linke und der Feminismus

Michael, Thursday, 13.11.2003, 11:37 (vor 8120 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Die Rechte, die Linke und der Feminismus von Max am 12. November 2003 23:52:55:

Bravo! Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Soviel vielleicht noch:
Als "Maskulist" ( was auch immer das sein soll...) nehme ich meine Position im politischen Spektrum selbst als "eher rechts von der Mitte stehend" wahr. Mir ist dabei in gewisser Weise unwohl, denn: Bevor ich mich mit den Auswüchsen des totalitären Staatsfeminismus beschäftigt hatte, war die Welt für mich noch "in Ordnung". Ich hatte eine "linke Identität" - allerdings auch immer einen Hang zur "Spaß-Anarchie".
Die Beschäftigung mit dem feministischen Totalitarismus erlebe ich als eine Auseinandersetzung mit dieser "linken Identität" - nachdem ich die Faktenlage im Geschlechterkampf zunächst als Angriff auf diese Identität erlebt habe. Auch als Verrat habe ich sie gesehen, als einen Verrat der Frauenbewegung an mir als Mann, der bis dahin äußerst wohlwollend allem gegenüberstand, was nur im entferntesten nach Emanzipation gerochen hat.
Mir geht heute langsam auf, daß die Männeremanzipation nicht im althergebrachten Rechts/Links Schema vorangebracht werden kann, sondern lediglich durch Intelligenz, Realismus und Vorurteilslosigkeit. Die Klassifizierung von Mitstreitern nach "rechts" und "links" ist nicht sehr hilfreich, da sie einen in eine assoziative Falle lockt. Es ist kaum zu glauben, wie sehr sich die Gleichungen "links = progressiv, gut, menschlich usw." und "rechts = dumm, brutal, unmenschlich usw." sogar bei mir im Unterbewußten festgesetzt haben. Gerade ich als Mensch mit Hang zum "Linkssein" stelle mit Bestürzung fest, wie sehr diese Überzeugung einer Art nachkriegs- historischen "Gehirnwäsche" entspringt. Tatsächlich sehe ich heute "links" als totalitär. Den Kampf altlinker 68er gegen den braunen Totalitarismus ihrer eigenen Elterngeneration fand ich zeitlebens Klasse. Nicht weil es brauner Totalitarismus gewesen ist, gegen den sie angingen, sondern weil es Totalitarismus gewesen ist. Dummerweise haben sie sich selbst dabei so sehr als "die Guten", als die "moralisch Besseren" erlebt, daß ihnen jegliche Selbstkritik für alle Zeiten abhanden gekommen zu sein scheint. Außerdem wird jede Kritik von außen als "Angriff der Reaktion" wahrgenommen.
So gesehen, ist mir meine "linke Identität" von den Zeitläuften geklaut worden. Anders ausgedrückt: Die Linken haben ihre Ideale selbst verraten und damit auch mich.
So helle bin ich allerdings schon immer gewesen, als daß mich der moralinsaure Betroffenheitskult der Grünen, ihre Spaßfeindlichkeit und Humorlosigkeit abgestossen haben. Die Grünen: Die sind wirklich das Furunkel am Arsch der Weltgeschichte - Angsthasen, Panikmacher, Hysteriker, Pharisäer, Neurotiker und bigotte Oberlehrer in Sachen Moral. Aber wie überall: Selbstverständlich darf man auch da Ausnahmen vermuten.
Was bin ich also als "Maskulist"? Von allen politischen Farben entfernt - von der einen mehr, von der anderen weniger. "Rechts" und "Links" haben in diesem Zusammenhang ihre Relevanz verloren. Nur: Wenn ich mich innerhalb des politischen Spektrums nicht mehr eindeutig positionieren kann, trotzdem aber eine Beschreibung des eigenen Standortes vornehmen soll - dann würde der wohl, wie eingangs schon geschrieben, zur Zeit mit "rechts von der Mitte" beschrieben werden müssen, auch, wenn das nicht wirklich genau ist. Vielleicht wäre es besser, zu sagen "im Gegensatz zu rot/grün" - wohlwissend, daß der Gegensatz im allgemeinen Verständnis "rechts" ist. Aber wie gesagt: Da sehe ich mich ungern.
Gruß - Max

Die Gruppe die so denkt wie du, dürfte nicht gerade klein sein, ich denke ähnlich, vor allem über die Bedeutung von links und rechts.

Michael


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