Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Frauensichtweise

Max, Thursday, 17.02.2005, 12:51 (vor 7657 Tagen) @ Alice

Als Antwort auf: Frauensichtweise von Alice am 16. Februar 2005 09:22:45:

Liebe Alice,

Ich bin echt erstaunt, nein mehr als das.

...mehr als erstaunt? Is´ ja ´n Ding! Du bist also erstaunter? Oder noch mehr? Am erstauntesten gar?

Hab jetzt g´rad ein bisschen bei euch reingelesen und finde

...genau das ist das Problem. Bißchen reingelesen und schon findest du irgendwas. Wir haben´s mit der Thematik allerdings schon ein "bißchen länger" und "bißchen reinlesen" wäre hier keinem genug, um anschließend gleich was zu finden und über den Fund aufgeregt zu gackern.

dass einerseits eure Ansätze sehr gut sind, wenn ich ein Mann wäre, könnte ich eure Forderungen glatt unterschreiben, musste aber andererseits feststellen, dass bei mir, als Frau, richtig die Wut hoch kommt, wie ihr euch "beschwert", dass die Männer jetzt wegen dem vielen Gender Mainstreaming so echt arg benachteiligt sind.

...Männer sind nicht "wegen Gender-Mainstreaming" benachteiligt. Übrigens gilt die Schulpflicht schon lange auch für Mädchen, so daß also nicht mehr nur Männer irgendwas unterschreiben können.

Manche Männer und wahrscheinlich auch die, die dieses Forum eingerichtet haben, haben auch Diskriminierung von Männern erkannt und kämpfen dagegen. Das ist okay und das kann man nur unterstützen, klar.

...sehr scharfsinnig.

Aber... Solange wir Frauen so extrem benachteiligt sind, solange wird man hier bei euren Punkten nicht ansetzen können.

...die Benachteiligungen, mit denen Frauen geschlagen sind, sind unabänderlich. Ich wüßte nicht, wie man es politisch durchsetzen sollte, daß Frauen endlich auch einen Sinn für Gerechtigkeit und Fairness bekommen sollen. Wo kein Eimer ist, da kannst du auch kein Wasser hineinschütten.

Ich bin eine Frau und bin tagtäglich diskriminiert, dabei lebe ich im wunderschönen Österreich, muss keinen Schleier tragen, darf meine Meinung frei äußern, durfte eine Schule besuchen und darf arbeiten gehen und somit mein Geld unabhängig von einem Mann selbst verdienen, musste keine Gentialverstümmelung überleben und musste keine Angst haben, dass ich gesteinigt werde, wenn ich vergewaltigt wurde oder zwangsverheiratet werde mit einem uralten gewalttätigen Typen, etc.

...das wunderschöne Österreich wäre ohne die Österreicher noch viel wunderschöner. Und klar bist du diskriminiert! Jede Frau auf der Welt ist immer diskriminiert, die ganze Zeit und in allem. Und auch das muß so sein, denn: Eine Frau, die das Wort Diskriminierung heutzutage nicht buchstabieren kann, weiß ja noch nicht mal, daß sie überhaupt eine Frau ist. Erst das Diskriminiertsein macht aus Biomasse eine Frau. Andersrum gesagt: Wer heute nicht diskriminiert ist, der kann von Abfalleimer bis Zellulitis alles sein, bloß keine Frau.

Ich selbst hab ein abgeschlossenes Hochschulstudium und einen entsprechend adäquaten Leitungsjob mit über 100 MitarbeiterInnen unter mir

...na dann seid ihr ja bald ALLE arbeitslos.

habe zwei Kinder und einen Mann und bin wahrscheinlich sogar überpriviligiert, im Vergleich zu anderen Frauen.

...da ist dir doch ein Fehlerchen passiert? Du meintest sicher "überdiskriminiert", oder?

Dennoch... ich erlebe täglich, dass ich benachteiligt bin. Beruflich habe ich die gläserne Decke erreicht und kann einfach nicht durch.

...die "gläserne Decke" ist ein Hirngespinst. Schau bei Barbara Bierach nach. In "Das dämliche Geschlecht" erklärt sie dir schön, wie das ist mit dieser "gläsernen Decke", der ominösen.

Männer sitzen zusammen, trinken nett was miteinander und machen sich untereinander aus, wer den nächsten Vorstandsdirektorenposten erhält.

...AH? So werden Vorstandsdirektoren gemacht? Schau an, schau an...

Sollte ich da mitgehen "saufen"? Der wahrscheinliche Kommentar wäre dann vermutlich: "Na schau dir die an, hat zwei Kinder und geht da mit bis Mitternacht. Die sollte sich lieber um ihre Kinder kümmern."

...Kinder gehören um acht Uhr ins Bett. Gehst eben hinterher Vorstandsdirektoren hersaufen.

Ihr seht, solange alle wichtigen Positionen von Männern besetzt sind, die wiederum nur Männer in wichtige Positionen nachrücken lassen, solange haben Frauen einfach keine Chance.

...na dann könnten Frauen doch immerhin Bäuerinnen, Gerüstbauerinnen, Soldatinnen, Müllwerkerinnen, Henkerinnen und Maurermeisterinnen werden?

Leider kann ich euch nicht an meiner täglichen Verzweiflung teilhaben lassen

...jammerschade.

(aber mein Mann kann ein Lied davon singen), sonst würdet ihr ein bisschen zumindest verstehen können, dass ganz unbedingt die Machtpositionen gerecht zwischen Frauen und Männern aufgeteilt gehören. Gebt uns doch wenigstens die Chance mitzubestimmen.

...der Schwachsinn, der schon von weniger als 50% Frauen in politischen Ämtern fabriziert wird, reicht schon. Mehr wäre echt problematisch.

Sind die Hälfte aller Parlamentsabgeordneten Frauen?

...sind die Hälfte aller Bergleute Frauen?

Oder machen die Gesetze nur Männer?

...leider nein.

Nehmt mal unsere neue österreichische Errungenschaft der Pensionsharmonisierung. Übersetzt ist das die Neuregelung der Pensionen. Ein Beispiel: Der Durchrechnungszeitraum wurde auf Lebenszeit ausgedehnt, nicht mehr wie bisher die besten 10 Jahre werden für die Pensionshöhenberechnung herangezogen, d.h. dass Frauen dadurch natürlich massiv benachteiligt sind. Frauen bekommen (noch) Kinder, sind durch Karenz ohne eigenes Einkommen und arbeiten anschließend Teilzeit mit niedrigem Einkommen. Wäre so ein frauenfeindliches Gesetz zustande gekommen, wenn zumindest die Hälfte der EntscheidungsträgerInnen weiblich gewesen wäre? Vermutlich nicht.

...nimm´einfach hin, daß du eine Frau bist und schau´dir die zivilisatorischen, kulturellen Vorteile an, die du dadurch ganz selbstverständlich hast, anstatt auch noch nach den Vorteilen zu schielen, die als "ausgleichende Gerechtigkeit" Männern vorbehalten sind, übrigens nicht grundlos.

Ich würde mir wünschen, dass es irgendwann keinen Unterschied mehr macht, ob sich eine Frau oder ein Mann um einen Posten bewirbt. Ich würde mir wünschen, dass Frauen genauso BundeskanzlerIn werden können und dass Männer daheim in Karenz bleiben können. Leider befürchte ich, dass ich diese Zeit nicht mehr erleben werde. Und es macht mich traurig Tag für Tag.

...sonst noch irgendwelche Beschwerden, Probleme, Befindlichkeiten?

Liebe Männer, irgendwann einmal, wenn ich all das darf, was ihr dürft, wenn ich nicht mehr benachteiligt bin, weil ich Kinder habe und so für die neuen PensionszahlerInnen sorge, irgendwann einmal, wenn wir Frauen die selben Rechte (und Pflichten) haben wie ihr Männer, dann, meine lieben Herren, dann habt ihr meine Unterschrift, dann werde ich alles dran setzen, dass eure Forderungen nach Gleichberechtigung für euch Männer erfüllt werden.

...das ist uns aber gänzlich wurscht, wo du was hinschreibst. Und "Gleichberechtigung für Männer" - was soll das sein? Es gibt eine Gleichberechtigung oder es gibt keine. Du bist also jetzt benachteiligt und später mal sind Männer gleichberechtigt? Ja was denn jetzt?

Ganz liebe Grüße
an euch und eure Frauen
Alice

...geschenkt.

Max


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