Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Angst vor Verantwortung?

Garfield, Thursday, 03.02.2005, 16:09 (vor 7671 Tagen) @ Beatrix

Als Antwort auf: Angst vor Verantwortung? von Beatrix am 03. Februar 2005 11:37:18:

Hallo Betarix!

"Eine richtige Antwort auf meine Frage, wofür Männer sich mehr Anerkennung wünschen, hab ich nicht in Erinnerung.

Ist es nicht insgesamt so, dass sowohl die Männer an fehlender Anerkennung ihrer Leistungen durch die Frauen und die Frauen an fehlender Anerkennung ihre Leistungen durch die Männer leiden?"

Bezogen auf Männer ist das relativ einfach zu beantworten:

Die real existierenden Frauen erwarten von den Männern nach wie vor, daß sie auf den Gebieten, die schon seit eh und je als ihre Haupttätigkeitsfelder gelten, etwas leisten. Sie sollen also vollberuflich tätig sein und damit möglichst viel Erfolg haben, um so Frauen und Kinder möglichst gut zu ernähren.

Genau dafür bekommen sie aber heute keinerlei Anerkennung mehr. Ganz im Gegenteil: Ihre vollberufliche Tätigkeit wird heutzutage als Selbstverwirklichung, also gewissermaßen als Hobby betrachtet und es wird so getan, als würden sie einzig und allein nur für sich selbst arbeiten. Die Tatsache, daß sie teilweise durch ihre Arbeit immer noch die Familien ernähren, wird einfach ignoriert bzw. als selbstverständlich angesehen.

So kommt es, daß nach einer Scheidung auch nur die Hausarbeit als ausgleichswürdige Aufopferung für die Familie betrachtet wird.

Darüber hinaus werden auch nur diejenigen Arbeiten zur Hausarbeit gezählt, die üblicherweise von Frauen erledigt wurden und teilweise heute noch werden. Die Arbeiten am und im Haus, im Garten oder auch am Auto jedoch, die üblicherweise von Männern erledigt wurden und mehrheitlich immer noch werden, werden da gar nicht mit hinein gerechnet. Auch da wird also ganz selbstverständlich davon ausgegangen, daß Männer solche Arbeiten nur aus Langeweile quasi als Hobby erledigen. Anerkannt wird das also auch in keiner Weise.

Auch die Tatsache, daß die allermeisten gefährlichen, schmutzigen, körperlich schweren oder sonstwie unangenehmen Arbeiten fast ausschließlich von Männern erledigt werden, wird öffentlich so gut wie nicht gewürdigt. Die einzige Ausnahme sind Tätigkeiten bei der Feuerwehr oder bei Rettungsdiensten, wo aber dann auch üblicherweise verschwiegen wird, daß diese überwiegend von Männern ausgeübt werden. Sobald aber mal irgendeine Frau in solch einem Job tätig ist, wird früher oder später darüber berichtet. Daß Männer unangenehme Jobs ausüben, gilt als selbstverständlich und wird allgemein nicht als besondere Leistung anerkannt.

Fügt sich ein Mann jedoch nicht in das uralte Rollenbild, sondern arbeitet nur halbtags oder bleibt womöglich als Hausmann zu Hause bei den Kindern, dann gilt er als Faulenzer und Versager.

Bei Frauen ist das nun etwas komplizierter. Es gibt in den Medien die Tendenz, so ziemlich alles, was Frauen tun, als heroische Großtaten zu preisen. Arbeitet sie auf Vollzeit, ist sie eine starke Frau, die es den Männern so richtig zeigt. Bleibt sie als Hausfrau zu Hause, opfert sie sich für ihren Partner in harter täglicher Hausarbeit auf und bezeichnet sich selbst stolz als "Familienmanagerin". Arbeitet sie gar auf Vollzeit und hat dabei noch Kinder, ist sie eine "Powerfrau" mit Doppelbelastung. Tut sie dagegen überhaupt nichts, dann ist sie eine diskriminierte Frau, der vom bösen Patriarchat keine Chance gelassen wird und deren zweifellos großen Talente einfach brach liegen bleiben.

Für Frauen gibt es heute nicht mehr nur ein allgemein anerkanntes Rollenbild, wie das für Männer nach wie vor der Fall ist. Eine Frau hat heute die freie Wahl zwischen verschiedenen Lebensalternativen. Das hat große Vorteile, aber auch einen Nachteil:

Während Männer durch Vollzeitarbeit zwar nicht unbedingt Anerkennung ernten, aber doch wenigstens allgemein akzeptiert werden, wird eine Frau immer irgendwo auf Leute stoßen, die die Lebensalternative, für die sie sich entschieden hat, mißbilligen. Arbeitet sie auf Vollzeit, beklagt sich die Oma darüber, daß sie so doch nie ein Urenkelkind kriegen würde. Ist sie Hausfrau, dann wird sie von manchen Feministinnen als bereitwillige Sklavin des Patriarchats verunglimpft. Arbeitet sie halbtags oder gar auf Vollzeit und hat Kinder, werfen viele Hausfrauen ihr vor, ihre Kinder zu vernachlässigen.

Umgekehrt wird sie aber immer Menschen finden, die sie für das, was sie tut, loben und anerkennen. Männer dagegen bekommen solche pauschale Anerkennung nicht einfach so, sondern sie müssen dafür schon wirklich überragendes leisten.

Freundliche Grüße
von Garfield


gesamter Thread:

 

powered by my little forum