Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Eine kleine Anmerkung zur Ethik von Pflichttests.

ChrisTine, Saturday, 18.12.2004, 21:17 (vor 7718 Tagen) @ Andreas (d.a.)

Als Antwort auf: Re: Eine kleine Anmerkung zur Ethik von Pflichttests. von Andreas (d.a.) am 18. Dezember 2004 14:36:41:

Hallo Andreas,

Nach solchen Urteilen muß also eher daraufhin gearbeitet werden, daß ein genetischer Fingerabdruck grundsätzlich nach der Geburt erstellt wird. Somit wäre dann die rechtliche und die finanzielle Situation von vornherein geklärt.

ich wäre ebenfalls gegen eine solche Regelung. Es scheint, daß Du und Lecithin in Eurer Argumentation irgendwie beide Recht habt; zumindest könnte ich nicht nur eindeutig einem zustimmen, weil die Sache mehrere Seiten hat.

Hier möchte ich zunächst einmal meine Vorstellung bzgl. des genetischen Fingerabdrucks nach der Geburt vorstellen:
Vater und Mutter gehen wegen einer anstehenden Geburt in eine Klinik. Der Mutter wird überlicherweise wegen der vielen Untersuchungen Blut abgenommen, also kann der Vater direkt auch noch Blut abgeben. Das Baby ist geboren und Blutproben aller Beteiligten wird in ein Labor nur mit einer Nummer versehen, zugeschickt. Zurück kommt ein Ergebnis und auf Grund dieser Daten kann dan die Geburtsurkunde ausgestellt werden. Ist der Mann, der von sich behauptet der Vater zu sein, tatsächlich der Vater, bekommen die Eltern eine Geburtsurkunde, in dem der Vater genannt ist, wodurch alles amtlich ist und unanfechtbar. Wurde der angegebene Mann nicht als Vater ermittelt, bleibt die Zeile des Vaters in der Geburtsurkunde leer.
Was ist an diesem Szenario jetzt verwerflich?
Eine Datenbank muß in diesem Falle überhaupt nicht existieren.

Wir werden von den Behörden von Geburt an kontrolliert und die meisten haben keine Probleme damit, im Gegensatz z.B. von Menschen der USA. Für die ist es unvorstellbar, einen Paß gesetzlich ständig mit sich tragen zu müssen. Selbst eine Meldepflicht wie bei uns gibt es dort nicht, sogar in unserem Nachbarland Frankreich gibt es diese Meldepflicht nicht.
Wollen wir arbeiten, müssen wir uns gesetzlich melden, um eine Lohnsteuerkarte zu bekommen, wollen wir vom Staat irgendeine Leistung und sei es nur ein polizeiliches Führungszeugnis, müssen wir uns melden, etwas was für andere Menschen wie bereits gesagt, unvorstellbar ist.
Nur weil wir damit aufgewachsen sind und es nicht anders kennen, fügen wir uns dem. Wieso sollen wir also nicht die modernen Mittel nutzen, um Klarheit in einer eminent wichtigen Angelegenheit einzubringen?

Ich würde mich aber trotzdem gegen eine solche Forderung wehren. Es paßt in unser Weltbild, alles technisch zu perfektionieren und sicherer machen zu wollen. Das beinhaltet scheinbar auch die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ich denke, es kommt darauf an, wie man etwas anlegt.
Ich habe allerdings auch eine Befürchtung, die ich auch gerne weitergebe. Sollten irgendwann einmal irgendwelche Menschen auf die Idee kommen, die Daten bei der Geburt speichern zu wollen -was ja nicht sein muss, wie ich oben beschrieben habe- dann würde auch ich etwas gegen so ein Gesetz haben.

Aber Vertrauen ist etwas essentiell Menschliches; ich könnte keine Beziehung führen, die nicht auf Vertrauen gegründet wäre. D.h. ich vertraue meiner Freundin, daß sie mich nicht hintergeht, und ich würde darum kämpfen, ihr weiterhin vertrauen zu dürfen; vielleicht, weil es erst dieses Vertrauen ist, das die Beziehung und mein Engagement in ihr wertvoll macht.

Das kann ich nachvollziehen, würde aber durch mein beschriebenes Szenario nicht berührt.

Deine Forderung würde umgesetzt bedeuten, daß es eine Verpflichtung des Staats wäre, das Vertrauen zwangsweise durch die Sicherheit des Gentests zu ersetzen.

Andreas, wenn es eine vorgeschriebene Maßnahme wäre, weil schon immer so gehandhabt, dann würde kaum ein Mensch diese Maßnahme anzweifeln.

(Und - wie vermutlich schon ganz richtig festgestellt wurde - würde diese Intervention erst der Beginn einer Reihe ähnlicher Maßnahmen darstellen.)

Das ist durchaus möglich, aber nicht allein auf Grund der Tatsache, daß bei der Geburt ein genetischer Fingerabdruck erstellt wird.
Die genannten Maßnahmen von Lecithin werden über kurz oder lang mMn sowieso kommen und wir werden das mit Sicherheit auf Dauer nicht aufhalten können.

Sie würde eine direkte Verpflichtung zur staatlichen Intervention in das Private bedeuten, die Beziehung wäre noch ein bißchen offener und das Verhältnis noch ein wenig technologisierter. Das "Vertrauen", das eigentlich die Basis einer Beziehung bilden sollte, würde so durch einen neuen technischen Prozeß ersetzt und damit zu einer anderen bedeutungslosen Vokabel.

Das sehe ich allerdings nicht so, denn durch den genetischen Fingerabdruck haben ca. 90% von Geburt an diese Sicherheit und brauchen sich keine weiteren Gedanken mehr zu machen. In Anbetracht der Tatsache, daß die Scheidungsquote auf die 50%-Marke zugeht und jede Menge Dramen vorgezeichnet sind, wäre die Gewißheit über die Vaterschaft zumindest schon mal ein Punkt, der viel Leid lindern würde, indem sich der Vater als Dukatenesel zumindest sicher sein kann, tatsächlich der Vater zu sein. Selbstverständlich wäre genauso für die Kinder eine Sicherheit da, weil im Streitfall ein Kind auf diese Weise nicht einbezogen werden kann.

Bitte versteh mich nicht falsch; ich denke, wir wollen im Bezug auf die Vaterschaftsproblematik etwa das Gleiche. Das Recht des Mannes, sich über seine Vaterschaft Gewißheit zu verschaffen, muß gegeben sein, und zwar definitiv auch ohne das Einverständnis derjenigen, die ein Interesse daran hätte, den Betrug zu verheimlichen. Einen solchen Test aber - und das ist auch die große Fehleinschätzung eines Jörg Rupp - wird der Mann erst dann verlangen, wenn das Vertrauensverhältnis überhaupt schon beschädigt ist. Ich würde mich dagegen verwahren, daß das in allen Beziehungen der Fall sein sollte. - Wir sollten den Staat daher nicht dazu verpflichten wollen, so zu handeln, als sei dies quasi naturgegeben der Fall.

Aber das macht der Staat doch bereits in anderen Bereichen, wieso also nicht in diesem für alle elementar wichtigen Ereignis?

Ich denke, wir sollten für die unabhängige Möglichkeit des Vaterschaftstests und eine härtere Sanktionierung des Betrugs streiten.

Das wäre allerdings eine eigene Diskussion wert, welche Problemlösung für Kuckuckskinder die am besten und schnellste realisierbare wäre.

Eine zu extreme Forderung im Gegensatz zu den gegenwärtigen Zuständen würde uns, wenn wir an einer Entschärfung der Problematik interessiert sind, eher schaden, und am meisten sicher jenen, die es eigentlich nicht betrifft - in dem Fall die Beziehungen, in denen Vertrauen noch etwas bedeutet. Und ich denke, daß das trotz allem immer noch ziemlich viele sind.

Da kann ich jetzt leider nichts zu sagen, denn trotz allem bleibt auch bei mir ein leicht bitterer Nachgeschmack ob der Vorstellungen unserer Regieriegen übrig.

Einen lieben Gruß, Andreas (d.a.)

ein lieber Gruß zurück - Christine


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