Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: das Thema ...

Nick, Friday, 29.10.2004, 14:57 (vor 7769 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: das Thema ... von Andreas (der andere) am 29. Oktober 2004 09:56:56:

Hallo Andreas!

Die Frage "positiv oder negativ" ist gewissermaßen eine 'innermythologische Frage' und stellt sich für mich im Grunde nicht, da ich ja kein besonderes, persönliches Bedürfnis habe, den Mythos emotional zu bewerten (ungeachtet der gewählten Ausdrucksform :-)). Es geht eher um das kühle Erfassen der zahllosen Entwicklungslinien, die sich da verknäult haben - und die umfassen ungleich viel mehr noch die historischen Fäden, die da aufgegriffen, weitergesponnen und danach noch fester verknotet wurden, als die damaligen, innergesellschaftlichen, zeitgeistigen Aufwallungen. Letztere sind eher täuschende, verhüllende Oberfläche.

Die Akteure waren - und sind es leider oftmals bis heute geblieben - leider ganz unbewußte Vollstrecker eines uralten Erbes von Gewalt und Hybris, das schon ihre Vorfahren zerstört hat: unreife Daueradoleszenten. Will sagen, sie haben ihr Herkommen eben nicht geistig durchdrungen und erlöst, sondern fortgeführt und an uns alle weitervererbt. In diesem Sinn ist "das Heute" ihr Vermächtnis: es wird ihnen nicht erspart bleiben, sich als Verantwortliche zu erkennen für die heutigen Zustände.

Das Besondere an dieser Bewegung ist jedoch, daß es nie zu einer aufrichtigen Reflexion des eigenen Tuns gekommen ist, die über das Subjektiv-Illusorische hinausgekommen wäre ("Che hat für Gerechtigkeit gekämpft" und "Dutschke hat die NVA verweigert" etc.) und auch die Frage der Schuld gestellt hätte. Es herrscht die reinste, naivste Apologetik. Das Persönliche kann deshalb bis heute jederzeit im kollektiven Mythos seine Gebrogenheit finden. Deshalb auch die gereizte Hysterie, sobald es da zu (leichten) Erschütterungen kommt...

Es gibt immer noch keinerlei Bemühungen, gewissermaßen "von außen" die eigene Biographie zu betrachten und von daher die Vergangenheit zu bewerten, sondern der Mythos lebt ungebrochen und geradezu infantil weiter - und ist sogar "an der Macht". Solange das so bleibt, wird der Wahn weitergehen und nichts als Verwirrung und Scheitern gebären. Wir sind Zeitzeugen dieser Tatsache.

Es wäre deshalb so dringend notwendig, endlich erwachsen zu werden und sich dem eigenen Versagen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen, für die Betreffenden selbst, wie auch für die Gesellschaft als Ganze. Denn die objektiven Konsequenzen dieser kollektiven Reifeverweigerung sind viel fürchterlicher und zerstörerischer als alles, was es vorher gegeben hat. Es geht um nichts weniger, als die Selbstvernichtung.

Aber die Zeit ist wohl immer noch nicht "reif" dafür. Es wird wohl wieder erst "den großen Zusammenbruch" geben müssen. Allerdings wird der dann möglicherweise der letzte gewesen sein...

Gruß vom Nick

P.S.: Alles, was man nicht rückhaltlos mit dem Geist durchdringt, muß man als Schicksal erleiden


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