Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Man muss früher ansetzen

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 15:34 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Man muss früher ansetzen von Emmalein am 12. Februar 2004 12:22:25:

Hallo Emmalein!

Genau das kommt dann nämlich auch noch dazu. Deshalb schrieb ich ja an anderer Stelle auch, daß die Tatsache, daß Männer am Arbeitsmarkt zunehmend den Kürzeren ziehen, mehrere Gründe hat und daß die Wehrpflicht nur einer davon ist.

Im Rote-Männer-Info wurde - wenn ich mich recht erinnere - auch über die Gründe geschrieben, wieso Jungen in der Schule zunehmend schlecht abschneiden. Viele Leute führen das darauf zurück, daß es heute an den Schulen überwiegend weibliches Lehrpersonal gibt und daß überhaupt der Unterricht immer mehr auf Bedürfnisse und Talente der Mädchen abgestimmt wird, während man die Bedürfnisse und Talente der Jungen weitgehend ignoriert.

Das alles trägt sicher auch dazu bei, aber ich sehe da noch einen anderen Faktor, der mit Feminismus und Frauen gar nichts zu tun hat.

In meiner Schulzeit hab ich es immer so erlebt, daß die Schüler, die in Naturwissenschaften und Mathematik besonders gut waren, fast ausnahmslos Jungen waren. Und oft waren das Jungen, die eigentlich gar nicht besonders fleißig waren und auch gar nicht viel für diese Fächer taten. Mädchen dagegen lagen meist in Sprach-Fächern vorn, und ansonsten überall da, wo es vor allem auf Fleiß ankam. Wenn es darum ging, Gedichte auswendig zu lernen und gut vorzutragen, schnitten die Mädchen definitiv besser ab. Wenn es jedoch darum ging, komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen, dann lagen die Jungen deutlich vorn, und zwar ganz besonders dann, wenn es sich um verwirrend formulierte Textaufgaben handelte und wenn es keinen festen Rechenweg gab, um das Problem zu lösen. Wenn man also improvisieren mußte und nicht auf fleißig Erlerntes zurück greifen konnte. Da waren die Mädels meist absolut ratlos.

Ich stand in meiner Schulzeit in Mathe auch meist 1,0. Vor allem später in der Abi-Zeit. Je höher das Niveau wurde, umso besser wurden meine Zensuren in Mathe. In Physik stand ich meist so etwa 1,3, weil man da nicht alles mit Mathematik lösen kann, sondern manches auch einfach lernen muß.

Es machte mir einfach Spaß, komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen. Irgendwelche mathematischen Theorien und Lehrsätze haben mich nie interessiert. Das hab ich so nebenbei beim Rechnen gelernt.

Ich bin nun aber in der DDR aufgewachsen, wo es nicht die heutigen Probleme mit Lehrermangel gab. Die Klassen waren relativ klein, der Unterricht lief durchgehend von etwa 8 bis 14 Uhr, und am Nachmittag hatten die Lehrer Zeit, um Klassenarbeiten zu kontrollieren usw. So konnten sich die Lehrer genügend Zeit für die Schüler nehmen.

Meine Partnerin ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. In ihrer Schule lief es im Mathematik-Unterricht so, daß man einen bestimmten Rechenweg wirklich auswendig lernen mußte. In Klassenarbeiten durfte man nur genau diesen Rechenweg verwenden und mußte ihn auch auf ganz bestimmte Weise aufschreiben. Alles nur, damit der Lehrer (es war wirklich ein männlicher Lehrer) auf einen Blick sofort sah, ob die Zahlen stimmten und sich nicht erst die Mühe machen mußte, den Rechenweg nachzuvollziehen und nachzurechnen.

Das bremste natürlich Kreativität und die Lust am Lernen ernorm. Unter solchen Umständen wäre ich froh gewesen, wenn ich eine 2 in Mathe geschafft hätte. Mehr wäre da nicht drin gewesen. Ich weiß nicht, wieso dieser Lehrer das so gemacht hat. Vielleicht einfach nur aus Bequemlichkeit, vielleicht aber auch wirklich, weil er es anders zeitlich nicht geschafft hätte. Eine Lehrerin schrieb mir mal in einem Forum, daß so etwas in NRW eigentlich gar nicht erlaubt ist. Es läuft aber im realen Leben so ab.

Und ich denke, daß Mädchen mit so einer Art des Unterrichts besser zurecht kommen als Jungen. Ihnen kommt es entgegen, wenn sie einen Rechenweg einfach auswendig lernen können und ihn sich nicht immer wieder neu ausdenken müssen. Jungen dagegen fühlen sich damit unterfordert und gelangweilt. Zumindest die Jungen, die halbwegs intelligent sind.

Fakt ist ja auch, daß die Mehrheit der Frauen durchschnittlich intelligent ist. Unser heutiges Schulsystem bevorzugt genau diese Schülergruppe. Bei Jungen dagegen streut sich die Intelligenz sehr weit. Die weniger intelligenten Jungen waren früher schon die Schlußlichter in der Schule. Das heutige Schulsystem sorgt aber fatalerweise dafür, daß nun auch die sehr intelligenten Jungen ausgebremst werden und ihre Talente nicht entwickeln können. Und das wird sich auf unsere Gesellschaft übel auswirken.

Freundliche Grüße
von Garfield



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