Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Brief an Edeka

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 14:13 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Emmalein am 12. Februar 2004 11:42:49:

Hallo Emmalein!

"Ich habe leider keine Zahlen vorliegen, aber ich bin mir sicher, dass diese Einstellungspraxs von Expatriate KEIN Einzelfall, sondern eher ein REGELFALL ist."

Bezogen auf kleine und mittlere Unternehmen mag das stimmen. Die stellen aber eben auch keine jungen Männer ein, die ihren Wehr- oder Zivildienst noch nicht abgeleistet haben.

Große Unternehmen sind da aber häufig vorsichtiger. Die wollen sich kein schlechtes Image leisten und deshalb wird man dort nur selten Bewerberinnen nach einer geplanten Schwangerschaft fragen oder gar junge Frauen gar nicht erst einstellen.

Junge Männer, die ihren Wehr- oder Zivildienst noch nicht abgeleistet haben, werden dort aber genauso wenig eingestellt. Denn es gilt nicht als "politisch/sexuell unkorrekt", Männer aus geschlechtsspezifischen Gründen nicht einzustellen. Ämter und der öffentliche Dienst praktizieren das ja auch tagtäglich ganz ungeniert, wobei es dann Männer jeden Alters treffen kann.

Einen Unterschied gibt es dann noch: Jemand, der eine Bewerberin nach einer geplanten Schwangerschaft fragt, gilt nicht nur als "politisch/sexuell unkorrekt", sondern er ist noch nicht einmal berechtigt, eine ehrliche Antwort zu verlangen. Laut Gesetz kann eine Frau diese Frage nämlich auch dann mit "nein" beantworten, wenn sie bereits schwanger ist und das auch weiß. Einzige Ausnahme: Die angestrebte Tätigkeit birgt irgendein Gefährdungspotenzial für das ungeborene Kind. Nur dann ist eine Bewerberin verpflichtet, beim Vorstellungsgespräch anzugeben, daß sie schwanger ist.

Männliche Bewerber dagegen sind verpflichtet, die Frage nach Wehr- oder Zivildienst in jedem Fall ehrlich zu beantworten.

Es hat schon seine Gründe, daß junge Männer von Arbeitslosigkeit stärker betroffen sind als junge Frauen. Die Wehrpflicht ist definitiv einer dieser Gründe, und ganz offensichtlich behindert sie junge Männer weitaus mehr als die Möglichkeit einer Schwangerschaft junge Frauen behindert. Aber gerade der Start ins Berufsleben ist für die spätere Karriere ungemein wichtig.

Freundliche Grüße
von Garfield



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