Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Igitt - Frauen!

Garfield, Tuesday, 09.09.2003, 22:09 (vor 8184 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Re: Igitt - Frauen! von Xenia am 09. September 2003 15:01:58:

Hallo Xenia!

"Ist doch wohl egal, wen auch immer ich nennen würde, du würdest ihre Leistung doch niemals als groß ansehen, nicht wahr?"

Wie kommst du darauf? Mir ist es völlig egal, ob eine bedeutende Leistung von einem Mann oder von einer Frau erbracht wird. Was hinten rauskommt, zählt. Wieso ist dir das nicht egal?

Ich warte übrigens immer noch auf deine Liste mit Namen von Frauen, deren Leistungen vergessen wurden! :-)

"Ich hätte vielleicht schreiben sollen, dass der Pazifismus ein wichtiger Aspekt des Feminismus ist, er ist Teil dieser Ideologie, was dann einzelne Vertreterinnen daraus machen ist etwas anderes. Es gibt ja schließlich auch militante Pazifisten – was ja auch ein Widerspruch in sich ist."

Das sind dann eben keine wirklichen Pazifisten, sondern nur Leute, die aus irgendwelchen Gründen vorgeben, Pazifisten zu sein. Unter Feministinnen scheint es auch eine Menge Leute von der Sorte zu geben.

"Frauen brachten Kinder auf die Welt, kochten, putzten und wuschen für die Familie, versorgten Kranke und Alte – ohne Bezahlung. Und das taten sie nicht nur, wenn sie Sklavinnen waren, sondern auch Ehefrauen von freien Bürgern."

Männer erledigten - wie schon erwähnt - zu allen Zeiten die gefährlichsten, härtesten und gesundheitsgefährdendsten Arbeiten. Daß Frauen ihre Arbeiten ohne Bezahlung erbracht hätten und noch erbringen würden, ist auch wieder so ein Märchen. Was glaubst du wohl, wovon alle diese Frauen gelebt haben und heute noch leben? Wer hat für ihren Lebensunterhalt gesorgt, während sie Kinder auf die Welt brachten? Wer erbringt noch heute den Löwenanteil an Erwerbsarbeit? Das waren und sind Männer, Xenia. Es ist nur so, daß Arbeit von Männern heute als selbstverständlich gilt und deshalb auch nicht mehr anerkannt wird, während Arbeit von Frauen gar nicht genug gewürdigt werden kann. So erscheint es dann auf den ersten Blick betrachtet natürlich so, als würde eine Hausfrau ohne Gegenleistung schuften, während ihr Mann sich derweil auf der Arbeit ein schönes Leben macht. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Zu allen Zeiten hat es gesellschaftliche Regeln und oft auch Gesetze gegeben, die sicherstellten, daß Männer Frauen zu ernähren haben. Natürlich haben auch die Frauen ihren Teil beigetragen, aber da in früheren Zeiten die meisten Arbeiten eben überwiegend körperlich waren und Frauen nun einmal körperlich weniger leistungsfähig sind als Männer, war dieser Teil immer deutlich kleiner.

In früheren Zeiten hatte es durchaus seine Berechtigung, daß Frauen im Vergleich zu Männern oft geschont wurden. Da es früher keine brauchbaren Verhütungsmittel gab und Verhütung obendrein oft aus religiösen Gründen verboten war, waren Frauen praktisch durchgehend entweder schwanger oder stillten gerade ein Kind. Das war auch nötig, denn die Kindersterblichkeit war durch die schlechtere medizinische Versorgung höher als heute. Somit konnten Frauen nie dieselbe Zeit für Arbeit aufbringen wie Männer, und es gab immer wieder Phasen, in denen sie keine schweren oder gar keine Arbeiten verrichten konnten.

Der weibliche Körper ist außerdem gegen bestimmte Infektionen (vor allem der Harnwege) anfälliger als der männliche.

Auch aus diesen Gründen starben Frauen in früheren Zeiten früher als Männer. Sie waren den Belastungen des damaligen Lebens einfach weniger gewachsen. Ein wesentlicher Faktor war natürlich auch noch das höhere Risiko, bei der Geburt eines Kindes zu sterben. Allerdings hatten Frauen im einfachen Volk auch eine niedrigere Lebenserwartung als Männer, wenn sie nicht mehr gebährfähig waren. Vor allem dann, wenn sie ihr Leben lang gearbeitet hatten. Deshalb sehen Frauen aus dem einfachen Volk auf Zeichnungen aus dem Mittelalter auch häufig sehr alt aus - und das, obwohl die Menschen damals gerade mal 30-40 Jahre alt wurden.

Heute ist die medizinische Versorgung weit besser, die Frauen müssen weitaus weniger Geburten bewältigen, und viele Berufe stellen heute keine hohen körperlichen Anforderungen mehr. Trotzdem gibt es immer noch Gesetze, die den Unterhalt von Frauen durch Männer sicherstellen. Gerade Hausfrauen profitieren davon ganz besonders. Ihnen steht ein guter Teil des Einkommens ihrer Ehemänner sogar gesetzlich zu - ohne daß sie dafür gesetzlich zu irgendeiner Gegenleistung verpflichtet sind. Das war schon immer so. Vor einiger Zeit hab ich einen Ausschnitt aus einer Reportage aus den 50er Jahren gesehen. Da wurden Hausfrauen auf der Straße gefragt, ob ihre Männer ihr Gehalt zu Hause abgeben. Alle antworteten mit "ja", eine sagte stolz "Ja, natürlich! Er muß alles abgeben."

Tatsächlich erledigen viele Männer neben ihrem Vollzeitjob sehr wohl noch diverse Arbeiten im Haus, im Garten, am Auto, oder sie beschäftigen sich mit ihren Kindern. Ich sehe in unserem 6-Familien-Haus immer wieder Männer im Keller an den Waschmaschinen, obwohl im Haus 3 Hausfrauen wohnen.

Und selbst wenn eine Frau allein lebt, bekommt sie diverse Leistungen vom Staat für sich selbst und für eventuelle Kinder. Diese finanziellen Leistungen wiederum werden überwiegend von Männern erarbeitet. Martin van Creveld hat in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" u.a. die Verhältnisse in Schweden beschrieben. Da sind innerhalb weniger Jahrzehnte die Sozial-Leistungen für Frauen deutlich gestiegen. Beispielsweise schaffen es die Frauen dort, mehr Krankengeld zu kassieren, obwohl sie auf geringere Arbeitszeiten kommen als Männer. "Rein zufällig" sind im selben Zeitraum die Realeinkommen der Männer aber deutlich gesunken...

Das ist auch ein wesentlicher Grund, wieso viele Frauen, die beruflich viel leisten und entsprechend erfolgreich sind, Feministinnen oft nicht gerade freundlich gegenüber stehen. Ihnen ist nämlich bewußt, daß sowohl sie selbst als auch ihre Männer Berufs-Feministinnen und ihre Klientinnen mit finanzieren. Ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu erhalten.

Wie schon geschrieben, ist es heute sehr modern, die Arbeit von Frauen zu glorifizieren. Da werden wilde Rechnungen aufgemacht, um zu beweisen, wie hart eine Hausfrau doch arbeiten würde. Daß sie Näherin, Putzfrau, Wäscherin, Sanitäterin, Kindergärtnerin, Lehrerin und was-weiß-ich-noch-alles in einer Person wäre. Dann zählt man natürlich die üblichen Gehälter für jeden dieser Berufe zusammen, tut also so, als würde die Hausfrauen jeden dieser Jobs 8 Stunden am Tag (zusammen so ca. 400 Stunden täglich) ausführen, und kommt dann in der Regel auf mindestens fünfstellige Monatseinkommen, die Hausfrauen angeblich zustehen würden. Das ist jetzt keineswegs übertrieben, denn genau so eine Milchmädchen-Aufrechnung hab ich schon mal irgendwo gelesen. Die Wahrheit ist: Für einen durchschnittlichen Haushalt benötigt man 2 Stunden Arbeit täglich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß dieser Wert noch eher zu hoch als zu niedrig angesetzt ist. In unserem Haus hatte ich in einem Sommer vor einigen Jahren (als ich arbeitslos war) auch mal Gelegenheit, den Alltag der im Haus lebenden Hausfrauen zu studieren. Die setzten sich so etwa um 10 Uhr hinten auf den Rasen, die Kinder kamen in ein aufblasbares Planschbecken, und dann tratschten sie da die ganze Zeit. Abends so gegen 17 Uhr kamen ihre Männer nach Hause, dann wurde der Grill aufgebaut, und einer der Männer grillte ein paar Würstchen. Das ging so jeden Tag, solange das Wetter gut war.

So ist es auch kein Wunder, daß weit über 50% der Frauen bei einer Umfrage des Allensbach-Institutes angaben, daß Hausfrau mit maximal einem Halbtagsjob für sie die attraktivste Lebensform ist.

Männer hätten so ein Leben natürlich auch gern. Nur wenn sie so leben, dann finden sie leider kaum eine Partnerin. Wie Frauen über Hausmänner denken, konnte ich mal in einer Reportage auf RTL II über einen Hausmann sehen: Da gingen die Reporter mit dem Hausmann und seinem Kind auf einen Spielplatz. Am Rand saßen zwei Mütter auf einer Bank, und die Reporter fragten sie, was sie davon halten, daß dieser Mann Hausmann ist. Die eine sagte dazu: "Also, ein Mann kann so etwas gar nicht." Als der Reporter fragte, was ein Mann nicht könne, antwortete sie: "Na, sich um die Kinder kümmern. Das kann nur eine Frau, weil sie dafür geboren ist. Ein Mann muß arbeiten. Richtig schwere Arbeit machen. Und nicht mit den Kindern spielen..." Die zweite Frau sagte dann noch: "Ja, und man muß ja auch mal sagen, daß die Männer, die zu Hause bei den Kindern bleiben, nicht gerade die Fleißigsten sind." Ihre Banknachbarin nickt darauf nur zustimmend.

Da haben wir also des Pudels Kern: Hausarbeit und Kinderbetreuung gelten zwar als harte Arbeit, die gar nicht hoch genug entlohnt werden kann - allerdings nur, sofern sie von Frauen erledigt wird. Macht ein Mann solche Arbeiten, dann gilt er als Faulenzer und Drückeberger. Erledigt er solche Arbeiten neben seinem Job, wird das einfach ignoriert. Hausarbeit gilt eben nur als solche, wenn sie von Frauen erledigt wird. Wenn ein Mann zu Hause etwas tut, dann ist das (bei Arbeiten im Garten, am Haus oder am Auto) entweder sein Freizeitvergnügen oder (bei allen sonstigen Arbeiten) der gerechte Ausgleich für das Übermaß an Arbeit, das seine Frau angeblich leistet.

Es gab ja auch mal einen Vorstoß für ein Gesetz, das beide Partner zur Hausarbeit verpflichten sollte. Das wurde schnell wieder fallen gelassen. Den Initiatorinnen wurde nämlich bald klar, was sie damit anrichten würden: Wenn auch in der Ehe beide Partner verpflichtet sind, sich die Hausarbeit 50:50 zu teilen, dann gäbe es zumindest bei kinderlosen Paaren keinerlei Rechtfertigung mehr für Unterhaltszahlungen nach einer Scheidung. Jetzt werden diese Zahlungen nämlich damit begründet, daß die Frau (denn meist ist es ja die Frau) ihren Beruf ja angeblich für die Hausarbeit aufgeben mußte. Durch dieses geplante Gesetz wäre das vollends zur Farce geworden, und man hätte diese Unterhaltsregelungen abschaffen müssen. Da das aber so manche Frau weit härter getroffen hätte als die Einsparung von 1 Stunde Hausarbeit pro Tag, hat man das wieder fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

De facto sieht es heute so aus, daß Männer auch unter Berücksichtigung von Hausarbeit längere Wochenarbeitszeiten haben als Frauen. Trotzdem also Männer das meiste Geld verdienen, geben Frauen das meiste Geld aus, und zwar nicht nur für die Familien, sondern auch für sich selbst, wie man an der Größe von Frauen-Abteilungen in Kaufhäusern deutlich sehen kann.

Sieht das danach aus, daß sie unbezahlte Sklavinnen wären?

Und so war das auch in früheren Zeiten schon. Der Unterschied bestand nur darin, daß die Bedingungen früher allgemein härter waren und so immer auch Frauen und Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Familieneinkommen beitragen mußten. Im Mittelalter arbeiteten auch Frauen auf Baustellen. Allerdings verrichteten sie dort meist die leichteren Arbeiten, meist als Handlangerinnen. Je reicher eine Familie aber war, um so weniger arbeitete die Frau. Das war auch in der DDR so. Dort gab es ein Recht auf Arbeit, und auch Frauen hatten alle Möglichkeiten. Es gab auch überall ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Tatsächlich waren viele Frauen in der DDR berufstätig, aber darunter waren auch nicht wenige Halbtagsarbeiterinnen. Und auffällig war auch dort, daß Frauen von Männerm mit hohem Verdienst oft gar nicht mehr arbeiteten.

Ich kann dir versichern, daß alle diese Frauen gute Gründe dafür hatten.

"Und die Opfer werden dann von wem versorgt? Umsonst?"

Xenia - ein paar Sätze weiter oben hast du in deinem Beitrag betont, daß die Männer, die z.B. in Tschernobyl verstrahlt worden sind, dafür bezahlt worden wären. Mal ganz abgesehen davon, daß diese Bezahlung alles andere als üppig war und den dafür gezahlten Preis in keiner Weise rechtfertigte, wird weibliches Pflegepersonal in Krankenhäusern auch bezahlt. Auch in früheren Zeiten arbeiteten Frauen in solchen Berufen nicht umsonst. Fast umsonst arbeiten heute nur (männliche) Zivildienstleistende.

Und auch wenn eine Ehefrau ihren durch einen Arbeitsunfall verletzten Mann gesund gepflegt hat, dann hat sie das nicht nur uneigennützig getan. Denn sie war ja auch daran interessiert, daß er so bald wie möglich wieder arbeitsfähig war und dann wieder Geld nach Hause brachte, von dem dann auch sie gelebt hat. Das war dann nämlich ihre Bezahlung.

"Ich unterschätze die Frauen nicht, ich denke nur darüber nach, was Frauen wählen, die kaum lesen, noch schreiben können und die nicht genügend drüber informiert werden, welche Partei ihnen denn tatsächlich mehr bringen würde und die zudem wirtschaftlich und finanzielle von ihrem Ehemann abhängig sind, der wiederum vom nächsten Gutsbesitzer abhängig ist oder vom Fabriksbesitzer..."

Xenia, als die deutschen Frauen 1918 das Wahlrecht bekamen, gab es längst die Schulpflicht. Analphabeten waren schon damals eher selten. In früheren Zeiten war es sogar häufig so, daß Frauen der höheren Schichten mehr Bildung bekamen als ihre Männer.

"Eine Frau in der gesellschaftlichen und ökonomischen Position von Winifred Wagner kann sich so was natürlich leisten, keine Frage."

Oh, es gab damals nicht wenige solcher Frauen in Deutschland!

"Zweitens: wo lebten diese Frauen, die Hitler unterstützten, in der Stadt oder auf dem land? Und in welchen haushalten sind sie aufgewachsen, welcher Schicht gehörten sie an."

Das zog sich durch alle Schichten.

"Hast du eigentlich eine Vorstellung davon, wie in früheren Zeiten Abtreibungen durchgeführt wurden?"

"Oh ja."

Dann solltest du eigentlich verstehen, wieso so etwas früher nicht erlaubt war.

"Ich sehe da ehrlich gesagt noch immer keinen Zusammenhang zwischen Wahlrecht und Wehrpflicht"

Heute gibt es auch keinen mehr. Historisch hängt das aber eng miteinander zusammen. Das war so: In früheren Zeiten bestimmte - wie schon geschrieben - die Volksversammlung u.a. auch, ob es Krieg gibt oder nicht. Folglich durften nur waffentragende Männer teilnehmen. Grundbesitz gab es zunächst nicht. Das lag zum einen daran, daß Landwirtschaft anfangs noch nicht dieselbe hohe Bedeutung hatte wie später, zum anderen aber auch daran, daß die Landwirtschaft zunächst noch wenig effektiv war. Man konnte ein Feld nicht wie heute fast endlos immer wieder neu bestellen, sondern mußte sich immer wieder neues Land suchen, das oft durch Rodung gewonnen wurde. So hatte damals niemand größere Flächen eigenen Landes, sondern Acker- und Waldland galt als Gemeinschaftseigentum. Als dann die Landwirtschaft intensiver und wichtiger wurde, änderte sich das. Nun war es so, daß ein Bauer ein bestimmtes Stück Land fest in seinem Besitz hatte. Da ihm Land gehörte, war er auch zur Verteidigung dieses Landes verpflichtet. Jedenfalls galt das so für Männer. Bei weiblichen Grundbesitzern war diese Verpflichtung oft aufgehoben, oder aber sie konnten - wenn sie keinen Mann hatten, der für sie losziehen konnte - einen Stellvertreter engagieren, der für sie in den Krieg zog. Allgemein galt aber, daß jeder Grundbesitzer wehrpflichtig war und somit auch an Versammlungen teilnehmen konnte. Deshalb galt in der Antike das Wahlrecht auch nur für freie Bürger der Stadtstaaten und nicht für Sklaven.

Um sicherzustellen, daß niemand nur mit einem Knüppel bewaffnet zum Kriegsdienst erschien, war exakt vorgeschrieben, welche Waffen mitzubringen waren. Diese Waffen mußte der Wehrpflichtige selbst beschaffen. Mit zunehmender Entwicklung der Waffentechnik wurde es für viele Bauern immer schwerer, die somit steigenden Anforderungen noch zu erfüllen. Sie konnten sich die Wehrpflicht immer weniger leisten, und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als ihr Land einem reicheren Grundbesitzer zu verkaufen, der dann auch die Wehrpflicht für dieses Land mit übernahm. In der Regel arbeiteten sie weiter auf dem Land, mußten fortan aber einen beträchtlichen Teil ihrer Erträge an den Grundherren abliefern. Daraus entwickelte sich dann das Feudalsystem inklusive Leibeigenschaft.

Menschen ohne eigenes Land waren also nicht mehr wehrpflichtig und durften somit auch nicht mehr an irgendwelchen Versammlungen teilnehmen. Da es im einfachen Volk bald keine Landbesitzer mehr gab, gab es in vielen Ländern bald auch keine Volksversammlungen mehr. Jetzt versammelten sich nur noch reiche Adelige, die dann z.B. den König wählten oder andere Entscheidungen trafen. Adelige Frauen haben da übrigens auch immer mitgemischt. Die Äbtissinnen von Quedlingburg beispielsweise waren Reichsregentinnen, was bdeutete, daß sie, wenn es gerade mal keinen König bzw. Kaiser gab, das Heilige Römische Reich deutscher Nation regierten.

So blieb das bis zum 18./19. Jahrhundert. Menschen aus dem einfachen Volk konnten in der Zeit nichts mitbestimmen, und das war vollkommen unabhängig von ihrem Geschlecht.

Erst im 18./19. Jahrhundert führten viele Staaten nach und nach das Wahlrecht ein, und oftmals wurde dann bald (wie in Preußen) auch die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Jetzt galt sie nicht mehr nur für Landbesitzer, sondern für alle männlichen Einwohner. Da man das Wahlrecht ohnehin meist nur widerwillig einführte, nahm man das zum Anlaß, um nur Männer wählen zu lassen. Und auch Männer aus dem einfachen Volk hatten nur ein sehr eingeschränktes Wahlrecht. In der Regel war es ein Klassenwahlrecht, das Männern mit niedrigen Einkommen - also dem Hauptteil der männlichen Bevölkerung - nur wenige Einflußmöglichkeiten gab. In Preußen fanden Wahlen grundsätzlich an Wochentagen statt. Da die Arbeiter in der Zeit oft 12 Stunden arbeiten mußten, war es für sie schwierig, überhaupt zur Wahl zu kommen. Wenn ein Fabrikbesitzer nicht wollte, daß seine Arbeiter wählen gehen, hatte er alle Möglichkeiten, um sie daran zu hindern.

Das volle Wahlrecht haben auch Männer in Deutschland erst 1918 bekommen.

"Z.B.: Beste Deutsche werden, Bundespräsidentin, Kanzlerin"

Hör mal Xenia - um beste(r) Deutsche(r) zu werden, muß man aber auch etwas leisten! Es ist doch schwachsinnig, Chancengleichheit darin zu sehen, daß jede(r) unabhängig von seiner Leistung geehrt werden soll! Dann können wir uns ja auch einfach alle gegenseitig Orden mit der Aufschrift "Beste(r) Deutsche(r)" anheften. Wozu soll das gut sein?

Und wenn du wissen möchtest, wieso es keine Bundespräsidentin oder Bundeskanzlerin gibt, dann sieh die mal den Frauenanteil in sämtlichen bedeutenden deutschen politischen Parteien an. Der liegt in der Regel sehr deutlich unter 50%. Nur auf den Führungsebenen ist er bei allen Parteien plötzlich höher als unter den Parteimitgliedern - was bedeutet, daß Frauen in deutschen Parteien bessere Aufstiegschancen haben als Männer.

Umfragen haben übrigens auch noch ergeben, daß sehr viele Frauen bei Wahlen männliche Kandidaten bevorzugen.

"Die Frauen wohl auch nicht..."

Das liegt dann aber nicht daran, daß sie Frauen waren oder sind.

"Ich vergleiche ihn nicht mit Alice Schwarzer, ich versuche nur zu zeigen, dass es unbedeutende Männer gibt, die nominiert wurden, und das es eben dazu auch unbedeutende Frauen zu geben hat, die nominiert werden sollten."

Es wurden ja auch unbedeutende Frauen nominiert! Brauchen wir nun auch noch eine Quote für unbedeutende Frauen? :-) Schreib doch auch eine SMS und nominiere damit deine Nachbarin. Wer hindert dich daran?

"Entschuldigung, aber dieser Hype um die Typen, die damals mitgespielt haben, ist mit der Würdigung von Leistungen einer Grit Breuer z.B. nicht zu vergleichen"

Es gibt in Deutschland mehr Frauen als Männer. Wer hindert alle diese Frauen daran, einen ähnlichen "Hype" z.B. um eine Frauenfußball-Mannschaft zu veranstalten? Übrigens gibt es auch viele weibliche Fußballfans!

Okay, ich werd heute abend mal in meinem Bücherschrank nachsehen, was ich da so an Büchern empfehlen kann.

"Wenn das alles nur für das Mittelalter gilt und nur für die Zünfte, ist das zwar sehr interessant, imho aber keine Aussage über eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Frau in Berufen. Meines Wissens nach warne die Zünfte sehr unabhängig"

Im Mittelalter waren aber fast alle Berufe in Zünften organisiert! Die wirkten zwar nur in großen Städten und ihrem Umfeld, aber dort wurde ja auch die größte Arbeitsleistung außerhalb der Landwirtschaft erbracht. Auf dem Land gab es weit weniger Möglichkeiten, um außerhalb der Landwirtschaft tätig zu sein. Das betraf Männer und Frauen gleichermaßen.

"Weil sie ja vorher aufgrund ihres Geschlechtes nicht geehrt wurden."

Doch, wurden sie. Frauen, die wirklich etwas geleistet haben, wurden auch früher dafür anerkannt. Natürlich hatte manche Frau, die z.B. wissenschaftlich tätig war, auch mit Widerständen anderer Wissenschaftlter zu kämpfen, aber das Problem hatten Männer genauso. Es hat immer wieder Menschen gegeben, deren Forschungsergebnisse den allgemein anerkannten Lehren widersprachen und die dafür manchmal sogar verfolgt wurden. Viele von ihnen waren Männer, und so mancher davon wurde hingerichtet oder konnte der Hinrichtung nur knapp entgehen. Z.B. wenn er behauptete, daß sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt.

"Die Fragen, die Feministinnen aufwerfen sind die: warum gibt es nicht so viele Frauen, die ähnliches geleistet haben. Warum kennen wir kaum eine dieser Frauen, die ähnliches geleistet hat?"

Diese Fragen sind durchaus berechtigt - sie werden von vielen Feministinnen nur falsch beantwortet.

"Nette Polemik, aber es liegt wohl eher daran, dass die Lehrerinnen auch keine Ahnung von diesen Frauen haben oder es schlichtweg nicht für wichtig halten"

Das ist keine Polemik. Wieso meinst du, daß die Männer oder die Gesellschaft an der angeblichen Ignoranz von Lehrerinnen schuld sein sollen?

"Sie finden es unangenehm, in einer Gruppe aus lauter Männern zu arbeiten"

Warum?

"sie finden es unangenehm, in einem Studiengang, in dem überproportional viele Männer zu finden sind, andauernd angemacht zu werden"

Wirklich? :-)

"viele finden es auch unangenehm, wie sie von den Profs behandelt werden"

Ja, das geht so manchem männlichen Studenten auch so.

"und eine Kommilitonin sagte mir, sie wäre es leid, vor Klausuren um Hilfe beim lernen zu bitten und dafür dann demjenigen Blowjobs geben zu müssen."

Weißt du, Xenia, tatsächlich würde es heute so mancher Professor begrüßen, wenn es keine weiblichen Studenten mehr gäbe. Dann müßte er nämlich nicht jedesmal, wenn er zufällig mal mit einer Studentin irgendwo allein ist, befürchten, später womöglich wegen sexueller Belästigung angeklagt zu werden. Wer heute noch eine Studentin zum Blowjob auffordert, muß entweder komplett verrückt sein oder aber total weltfremd.

Aber auch Professoren, die sich in der Hinsicht absolut korrekt verhalten, können heute nicht mehr sicher sein, unbehelligt zu bleiben. Es gibt schon genügend Fälle, in denen Hochschullehrer gefeuert wurden, nur weil sie irgendein feministisches Buch kritisiert haben. Vor allem in den USA, aber auch in Deutschland.

"Da habe ich kürzlich was ganz anderes gehört ;-)"

Viele Frauen, die ich kenne, haben Probleme mit irgendwelchen Arbeitskolleginnen. Meine Verlobte hat eine Zeit lang bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet und war so in vielen verschiedenen Unternehmen. Oft hatte sie dann eine Frau da sitzen, die sie gemobbt oder sonst irgendwie schikaniert hat. Sie sagt immer, daß sie solche Probleme nur mit Frauen hatte. Mit männlichen Kollegen ist sie immer prima zurecht gekommen. Und das hab ich schon oft von Frauen gehört.

"Ich vertraue einfach nicht auf das, was andere mir sagen, und wenn ich weiß, dass Frauen genau soviel leisten können wie Männer, dann fragt man sich doch, weswegen laufend Männer den Nobelpreis erhalten."

Xenia, es ist eben ein Unterschied, ob man etwas theoretisch kann oder ob man es praktisch tut! Es gibt sicher viele Menschen in unserem Land, die den IQ eines Einstein haben. Trotzdem erbringen die allermeisten von ihnen keine herausragenden Leistungen. Intelligenz allein reicht dazu auch nicht. Man muß vor allem eine gewisse Neugierde haben und ganz besonders den Willen, eingefahrene Gleise zu verlassen und geistiges Neuland zu betreten. Aber gerade daran hat es Frauen offensichtlich immer gemangelt. Das ist ja auch nicht schlimm, denn auch die meisten Männer haben nie herausragende Leistungen erbracht. Dann kann man aber auch nicht herausragende Ehrungen erwarten - so ist das nun einmal. Männer haben damit offensichtlich kein Problem. Wieso ist das für Frauen ein Problem?

So, ich muß aufhören. Hab schon wieder viel zuviel geschrieben... Die Bücherliste setz ich wahrscheinlich morgen ins Forum.

Freundliche Grüße
von Garfield


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