Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Igitt - Frauen!

Xenia, Saturday, 30.08.2003, 17:15 (vor 8194 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Igitt - Frauen! von Garfield am 29. August 2003 15:24:38:

Hallo Xenia!
"Was kratzt euch eigentlich, es wird doch eh ein Mann werden ..."
Stört dich das? :-)

Ich vermute mal, dass es entweder Goethe (wozu eigentlich?) oder ein Fussballer wird, und mit sowas kann ich mich nun echt nicht anfreunden. Oder noch schlimmer: Adenauer - Keine Experimente, das ist mit Sicherheit eine treffende Zustandsbeschreibung für unser Land jetzt! Aber bester Deutscher? Nö.

Es geht gar nicht um diese alberne Liste. Es geht darum, daß Feministinnen schon seit Jahrzehnten in jeder Beziehung pauschal dieselbe Anerkennung für Frauen verlangen, die auch Männern zuteil wird, und zwar ohne daß Frauen dafür dieselben Leistungen wie Männer erbringen müssen.

Das ist Unsinn, Feministinnen fordern nur gleiche Anekrennung für gleiche Leistung, nicht mehr und nicht weniger.

Damit waren sie bisher auch durchaus erfolgreich. Quotenregelungen machen beispielsweise im öffentlichen Dienst das Geschlecht zum entscheidenden Kriterium bei Einstellungen. Zwar verstößt das gegen das Grundgesetz, in dem ja immerhin festgelegt ist, daß niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden darf, aber da es ja nur Männer betrifft, interessiert das kaum jemanden.

Ich bin mit der Quote auch nicht unbedingt glücklich, kenne aber derzeit keine besere Regelung, um die Frauen in die Arbeitswelt reinzudrücken. Man könnte einem Arbeitgeber natürlich auch Steuernachlässe o.ä. für die Einstellung von Frauen gewähren, aber das kann sich der Staat wohl derzeit nicht leisten.

Es wird immer behauptet, eine Frau müsse doppelt soviel leisten, um beruflich dasselbe zu erreichen wie ein Mann. Tatsächlich liegt die Meßlatte für Frauen oft deutlich niedriger als für Männer.

ja, genau, deswegen muss in diesem Forum eine Frau ja auch mindestens die Welt gerettet haben, ein Mittel gegen AIDS erfunden, eine glückliche Familie, keine Scheidung und trotzdem noch gut aussehen - erst dann würde man ihr wohl gestattetn, sie auch zu nominieren, weil alle anderen Frauen sich ja nicht mit den leistungen der Männer messen können. Wenn es darum geht festzustellen, dass Frauen genauso gewalttätig und "böse" sein können wie Männer, seid ihr schnell dabei und lasst euch überzeugen - dass es Frauen gibt, die gleichwertige Leistungen wie Männer erbracht haben ist euch aber offenbar ein Dorn im Auge.

Wenn eine Frau nur dasselbe leistet wie ein Mann, dann gilt sie schon als "Powerfrau". Hast du mal darüber nachgedacht, wieso es den Begriff "Powermann" nicht gibt? Es gibt ihn deshalb nicht, weil hohe Leistungsfähigkeit bei Männern heute als selbstverständlich betrachtet wird.

Tja und warum? Weil die Frau eben das schwache Geschlecht ist.

Viele Frauen, die Karriere gemacht haben und ehrlich zu sich und der Welt sind, sagen auch offen, daß ihnen ihr Geschlecht immer mehr Vor- als Nachteile gebracht hat.

Historisch gesehen stimmt das nicht, ja, heute haben es Frauen einfacher als itzo, aber das war nicht immer so, sondern ist so gewachsen.

Kennst du den Weltbild-Versand? Die verkaufen vor allem Bücher. Falls du einen Katalog von denen hast, blättere den mal durch. Da findest du jede Menge Bücher über Frauen in der Geschichte. Oft bestand die Leistung dieser Frauen lediglich darin, daß sie mit einem berühmten Mann wie Goethe in Briefkontakt waren. Merkwürdigerweise findet man über Goethe dann aber oft gar kein Buch... Wie kommt das nur?

Ja, ich kenne diesen unsäglichen Verlag, aber mach dir mal keine Sorgen wegen Goethe, ein paar Zahlen gefällig? Ich hab mal bei Amazon geschaut, wieviele Hits man so bekommt, wenn man die bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellerinnen abruft...

Sophie von La Roche 2
Catharina Regina von Greiffenberg 6
Caroline Schlegel-Schelling 10
Else Buschheuer 13
Sophie Mereau 17
Caroline von Günderode 21
Ulla Hahn 32
Monika Maron 33
Ina Seidel 35
Luise F. Pusch 44
Marieluise Fleißer 48
Nelly Sachs 50
Rahel Varnhagen 51
Alice Schwarzer 54
Ilse Aichinger 58
Mare von Ebner-Eschenbach 71
Friederike Mayröcker 84
Sarah Kirsch 89
Rose Ausländer 95
Else Lasker-Schüler 101
Bettine von Arnim 105
Elfriede Jelinek 124
Ricarda Huch 136
Anna Seghers 153
Doris Lessing 160
Marie Luise Kaschnitz 176
Gabriele Wohmann 193
Anette von Droste-Hülshoff 210
Christa Wolf 242
Ingeborg Bachmann 266
Hedwig Courths-Mahler 274
Hildegard von Binden 306

So und jetzt kommen wir mal zu bekannten männlichen Schriftstellern ...

Georg Christoph Lichtenberg 240
Gotthold Ephraim Lessing 250
Günter Grass 407
Friedrich Hölderlin 449
Jacob und Wilhelm Grimm 855
Theodor Fontane 954
Thomas Mann 962
Friedrich Schiller 996

und

Johann Wolfgang von Goethe 2913

Wie du siehst, du brauchst dir keinerlei Sorgen über Goethe zu machen,zu dem gibt es genug Bücher...

Auf Briefmarken-Serien der deutschen Post werden seit über 10 Jahren grundsätzlich nur noch Frauen dargestellt. Es ist nicht mehr modern, Leistungen von Männern zu würdigen.

Die Leistungen von Männern wurden bereits gewürdigt, und zwar fast ausschließlich, man musste schon Königin Victoria sein, um mal auf ne Briefmarke zu kommen.

Zwar haben diese Leistungen unsere heutige Welt entscheidend bestimmt, aber das interessiert auch kaum jemanden. Es sind ja nur Männer, und es ist nicht mehr "in", Männer irgendwie zur Kenntnis zu nehmen.

Das ist Unsinn! Wenn irgendjemandes Leistung heute in aller Gedächtnis ist, dann die von Galileo, Columbus, Gauß, Beethoven, Bismarck, Schliemann, Alexander dem Großen, Cäsar, Napoleon, Friedrich dem Großen, Adenauer, Helmut Kohl, Einstein, Kant und Karl dem Großen!
Wer kennt schon Ada Lovelace? Pauline I. zur Lippe? Bertha von Suttner? Christiane Nüsslein-Vollhard? Lise Meitner? Maria Sibylla Merian? Maria Goeppert Mayer? Hannah Arendt, Sappho oder auch nur alle von mir genannten Schriftstellerinnen weiter oben?
Und wer vor allem lernt etwas über diese Personen in der Schule?

Zwar sind es auch heute noch, wo Frauen definitiv auch in der Wissenschaft alle Tore weit offen stehen und sie sogar in viele Fachgebiete förmlich hinein gefördert werden, überwiegend Männer, die die Entwicklung vorantreiben, aber auch das interessiert nicht.

Woher weißt du denn, dass es Männer sind, die die Entwicklung vorantreiben? Zweitens würde ich mal sagen, dass man nicht von heute auf morgen dazu kommt, Prof oder Forschungsleiterin an einer Uni zu werden, die Generation, die da jetzt dran ist, genoß noch nicht diese Förderung.

Nur Leistungen von Frauen zählen - Leistungen von Männern gelten als selbstverständlich und werden nicht mehr sonderlich gewürdigt. Es ist wohl wirklich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch bei der Vergabe des Nobelpreises nicht mehr die Leistung, sondern nur noch das Geschlecht zählt.

Kaum – sag mir doch mal, wie viele Frauen unter den letzten NobelpreisträgerInnen waren?
Die Leistungen von Männern sind bei uns eine Selbstverständlichkeit, ja, so selbstverständlich, dass sie jedes Kind in der Schule lernt!

DAS ist echter Sexismus, Xenia.

Ja, allerdings!

Xenia


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