Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen

Maesi, Wednesday, 06.08.2003, 23:12 (vor 8218 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen von Martin am 03. August 2003 14:35:01:

Hallo Martin

Ich kann nicht finden, dass Gentests dem Feminismus dienen oder politische Korrektheit darstellen. Sie sind ein zeitgemäßes Mittel der Kriminalistik.

Zustimmung

Man kann zweifelsfrei feststellen, ob gefundenes Gewebe und eine Vergleichsprobe von ein und dem selben Individuum stammen.

Das ist so nicht ganz korrekt: eineiige Zwillinge haben identisches Genmaterial; sie sind somit aufgrund von gefundenem genetischem Material nicht voneinander zu unterscheiden. Anders ist es mit Fingerabdruecken: die sind auch bei eineiigen Zwillingen verschieden.

Wenn ich so einen (freiwilligen!) Massengentest verweigern würde, dann nur, weil er mir nicht weit genug geht: Ich finde, es sollte der genetische Fingerabdruck jedes Einwohners in einer Datei gespeichert werden. Eine gefundene Probe könnte dann schnell und billig zugeordnet werden, sofern der Urheber Deutscher ist oder ständig in Deutschland lebt.

Das Problem liegt nicht im prinzipiellen Einsatz von Gentests zur Verbrechensaufklaerung begruendet sondern vielmehr mit der latent vorhandenen Verdaechtigung von vielen Menschen bei Massengentests. Sogenannt 'freiwillige' Massengentests sind eben nicht ganz freiwillig; der Testverweigerer macht sich vielmehr durch seine blosse Weigerung verdaechtig. Meist wird denn auch gesagt, jemand der nichts zu verbergen habe, brauche sich vor einem Gentest nicht zu fuerchten; es sind aber genau solche Sprueche, die letztendlich eine Noetigung darstellen.

Es ist erstaunlich, wie bedenkenlos individuelle Rechte mit Fuessen getreten werden, wenn es um Massengentests geht; konsequenterweise muessten ja auch von jedem Buerger die Fingerabdruecke genommen sowie in regelmaessigen Zeitintervallen (z.B. alle zwei Jahre) qualitativ hochwertige Fahndungsfotos angefertigt werden. Und weshalb nicht gleich jedem Individuum einen Peilsender anhaengen (so aehnlich wie bei Tieren), sodass sein Aufenthaltsort waehrend jeder Sekunde seines Lebens registriert und damit ueberpruefbar ist? Ausser von ein paar kontrollsuechtigen Spinnern wuerden diese Massnahmen aber wohl kaum akzeptiert werden.

Es geht hier um wesentlich mehr, als die Aufklaerung von ein paar Sexualverbrechen - Vergleiche von genetischem Material koennen uebrigens bei jedem denkbaren Delikt angewendet werden, sofern verwertbares Material am Tatort gefunden wird. Es geht hier vielmehr um einen Paradigmenwechsel bei Ermittlungen im Zusammenhang mit Verbrechen. Bisher wird ermittelt, wenn ein Verbrechen vorliegt, oder zumindest eines vermutet werden kann. Mit flaechendeckenden Gendatenbanken wird jedoch bereits vorher begonnen zu ermitteln, naemlich indem der genetische 'Fingerabdruck' jedes Individuums aus prophylaktisch entnommenem Genmaterial abgeleitet und gespeichert wird. Damit wuerde ein 'gefaehrlicher' Praezedenzfall geschaffen, um weitere Datenbanken (z.B. mit Fingerabdruecken, aktuellen Fahndungsbildern usw.) zu schaffen.

Dass genetische 'Fingerabdruecke' von Tatverdaechtigen genommen und in Datenbanken gespeichert werden analog zu den richtigen Fingerabdruecken, das ist IMHO legitim und gehoert zur akzeptierten Ermittlungsarbeit. Aber auf Vorrat angelegte flaechendeckende Gendatenbanken? Nein, Martin! Hier wird die Grenze zum Polizeistaat eindeutig ueberschritten.

Jedes Individuum hat ein Recht auf einen gewissen Schutz vor Verbrechen. Aber jedes Individuum hat auch ein Recht auf einen Schutz vor staatlichen Uebergriffen; Massengentests sind staatliche Uebergriffe, selbst wenn sie bloss mittels gesellschaftlichem Druck den Buergern abgenoetigt werden.

Sexualdelikte würden auf diese Weise drastisch "einbrechen", da immer irgendwelche Zellen hängenbleiben.

Das halte ich fuer unwahrscheinlich. Sex an und fuer sich ist ja kein Delikt, nur erzwungener Sex ist strafbar. Und Spermaspuren zeigen nur auf, dass Sex stattgefunden hat, nicht aber, ob er im Einverstaendnis beider vollzogen wurde. Somit sind wir wohl weiterhin auf Zeugenaussagen und Glaubwuerdigkeitsgutachten angewiesen. Im uebrigen sind Sexualdelikte seit Jahrzehnten konstant ruecklaeufig...

Gruss

Maesi


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