Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen

Garfield, Tuesday, 05.08.2003, 13:16 (vor 8219 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen von Martin am 04. August 2003 21:34:30:

Hallo Martin!

Klar könnte sich jemand auch ohne DNA-Datenbank illegal eine DNA-Probe von irgendjemandem verschaffen. Aber das ist ziemlich mühselig. Wenn DNA-Daten für solch eine Datenbank irgendwo zentral erfaßt werden, dann braucht man nur einen Mitarbeiter dort schmieren und kriegt dann sämtliche dort eingegangenen DNA-Proben frei Haus geliefert. Das ist dann schon wesentlich bequemer.

Außerdem gibt es Aussagen von DNA-Experten dahingehend, daß die DNA-Daten, die für kriminalistische Zwecke erfaßt und ausgewertet werden, doch mehr Informationen über die jeweilige Person enthalten als immer behauptet wird. In Holland darf ganz legal der komplette DNA-Code ausgewertet und erfaßt werden. Wenn wir in Deutschland erst einmal eine allgemeine DNA-Datenbank hätten, wäre es bis dahin nur noch ein kleiner Schritt. Und dann könnte sich jeder Hacker Zugriff auf diese Daten verschaffen.

Klar kannst du auch ohne DNA-Datei unschuldig an einem Tatort sein und dann in Verdacht geraten. Mit DNA-Datei ist die Wahrscheinlichkeit aber sehr viel höher, weil dich dann noch nicht einmal jemand sehen muß. Ein Sohlenabdruck kann nicht so einfach einer bestimmten Person zugeordnet werden.

Und so kann sich ein Täter eben auch gezielt z.B. einen Zigaretten-Stummel oder anderes DNA-Material von jemandem besorgen, von dem er oder sie weiß, daß er für die Tatzeit kein Alibi hat. Jetzt könnte man das theoretisch auch machen - aber sicher klappt das nur, wenn man weiß, daß diese Person in der DNA-Datenbank erfaßt ist. Wenn alle Menschen dort erfaßt wären, könnte man so eine Nummer mit jedem abziehen und die Ermittler so auf falsche Fährten lenken.

Dazu kommt noch, daß auch Mitarbeiter von DNA-Test-Laboren Menschen sind, die eben auch mal Fehler machen. Solche Fehler sind auch bereits passiert. In Deutschland schickt man von Zeit zu Zeit Test-Proben an die Labore, um zu prüfen, ob die korrekt bearbeitet werden. Besser wären grundsätzlich zwei Tests in unterschiedlichen Laboren, aber das wird aus Kostengründen wohl kaum gemacht werden.

Ich sehe da auch die Gefahr, daß man sich zu sehr auf diese DNA-Datenbank verläßt. Schon jetzt spart man auch bei der Polizei zunehmend am Personal und am Budget. Eine DNA-Datenbank verleitet zu dem Irrglauben, daß man so ja viele Morde und Sexualstraftaten viel schneller und mit geringerem Aufwand aufklären könne und somit problemlos noch mehr Personal entlassen kann. Das könnte dann dazu führen, daß die Polizei sich aus Geld- und Personal-Mangel vor allem auf die DNA-Analyse verlassen muß und andere Aspekte der Ermittlungsarbeit dabei vernachlässigt werden.

Du hast noch das Stichwort "im Zweifel für den Angeklagten" erwähnt. Leider haben schon einige Männer die Erfahrung machen müssen, daß dieser Grundsatz nicht mehr uunbedingt gilt, wenn es z.B. um Sexualstraftaten an Frauen geht...

"Einfach daneben liegen und laut Zeugen vom Täter weggeworfen/ausgetreten sind zwei Paar Stiefel!"

Oft ist es aber so, daß es keine Zeugen gibt. Und es kam schon vor, daß Verbrechensopfer, die überlebt haben, eine vollkommen unschuldige Person als Täter identifiziert haben. Manchmal stehen Opfer so unter Schock, daß sie keine wirklichen Erinnerungen mehr haben und sich dann später eben einreden, daß ein Verdächtiger der Täter war. Wenn dann auch noch DNA-Material vom angeblichen Täter am Tatort gefunden wird, dann hat auch ein Unschuldiger keine Chance mehr. Ohne DNA-Datenbank würde man aber diesen Unschuldigen erst einmal gar nicht finden, dann vielleicht anderen Spuren nachgehen und so auf den wahren Täter stoßen.

Klar könnte man eine DNA-Datenbank als Ergänzung einführen. Aber man muß da Nutzen und Gefahren gegeneinander abwägen. Und ich finde es eben scheinheilig, wenn immer wieder die Einrichtung einer DNA-Datenbank gefordert wird, während gleichzeitig andere Möglichkeiten zur Aufklärung von Verbrechen, die mit keinerlei Eingriffen in die Privatsphäre verbunden sind, vernachlässigt werden. Da drängt sich mir der Verdacht auf, daß es tatsächlich gar nicht um Verbrechensaufklärung geht.

Freundliche Grüße
von Garfield


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