Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen

Garfield, Tuesday, 05.08.2003, 18:43 (vor 8219 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen von Rüdiger am 05. August 2003 15:16:50:

Hallo Rüdiger!

Klar kann sich durch eine DNA-Analyse auch die Unschuld eines Angeklagten erweisen. Es ist ja jedem Verdächtigten freigestellt, zu seiner Entlastung eine DNA-Analyse machen zu lassen, sofern das nicht ohnehin schon angeordnet wurde. Dazu braucht man keine DNA-Datenbank.

Natürlich kann es dann auch zu Datenmißbrauch kommen, aber da überwiegt der Nutzen für den Betroffenen den möglichen Schaden. Außerdem ist Datenmißbrauch ohne eine allgemeine DNA-Datenbank eher unwahrscheinlich. In der jetzigen DNA-Datenbank sind viele Straftäter erfaßt, die Strafen absitzen und zumindest im Moment z.B. für Versicherungen als Kunden uninteressant sind. Und diejenigen, die nur aufgrund eines Verdachtes dort erfaßt wurden oder die bereits wieder aus der Haft entlassen sind, bilden nur einen vergleichsweise geringen Teil der Bevölkerung. Wenn sich also jemand illegal Zugriff auf diese Daten verschaffen würde, hätte er nur geringe Chancen, dort Infos über eine bestimmte Person zu finden.

Wenn es aber eine DNA-Datenbank gibt, in der wirklich die gesamte Bevölkerung erfaßt ist, dann sähe das schon anders aus. Dann wären solche Daten höchst interessant für Unternehmen, die sich mit der Speicherung und Weitergabe von Daten befassen.

Schon jetzt speichern solche Unternehmen illegale Daten. Vielleicht ist ja dem einen oder anderen hier auch schon mal aufgefallen, daß er, sobald er arbeitslos war, plötzlich Werbepost von Hellsehern, Lotto-Gesellschaften usw. erhielt. Und daß diese Werbeflut auf wundersame Weise verebbte, sobald er wieder Arbeit gefunden hatte. Und zwar auch dann, wenn er an keiner Umfrage teilgenommen und auch sonst nirgendwo angegeben hat, arbeitslos zu sein.

Und ich sehe da eben auch die große Gefahr, daß die DNA-Analyse weit überbewertet wird und daß man dann aus finanziellen und personellen Gründen immer öfter auf andere Ermittlungsmethoden verzichten wird. Schon jetzt sind genügend Fälle bekannt, in denen Polizisten nach Verhaftung eines Verdächtigen den Fall schon ad acta gelegt und teilweise sogar mit dubiosen Methoden Geständnisse von Unschuldigen erreicht haben. Nur um wieder einen Erfolg nachweisen zu können, so ihre Statistik zu schönen und Ruhe zu haben. Da kann man sich vorstellen, wie es ablaufen würde, wenn es eine allgemeine DNA-Datenbank gäbe und dann mal ein Unschuldiger durch diese Datenbank auf die eine oder andere Weise in Verdacht geraten würde.

Freundliche Grüße
von Garfield


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