Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen

Garfield, Monday, 04.08.2003, 15:25 (vor 8220 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Problematik bei Massengentests ... und das Dilemma der Linksliberalen von Martin am 03. August 2003 14:35:01:

Hallo Martin!

Dann stell dir mal folgendes Szenario vor:

Du bewirbst dich um eine Arbeitsstelle oder möchtest dich privat krankenversichern. Das Unternehmen fragt daraufhin bei einem Informations-Unternehmen an, daß eine riesige Datenbank unterhält, die auch Infos zu deiner Person enthält. Dieses Unternehmen hat sich illegal deine DNA-Daten besorgt. Und zwar nicht nur den Teil, der offiziell in der Datenbank der Polizei gespeichert wird, sondern die von dir abgegebene Probe, die eigentlich vernichtet werden sollte. Somit haben sie nun deinen kompletten genetischen Code, stellen dabei vielleicht fest, daß du eventuell Krebs bekommen könntest, bewerten dich deshalb negativ, und schon kriegst du eine Absage.

Oder folgendes Szenario: Du gehst irgendwo spazieren, rauchst eine Zigarette und wirfst den Stummel schließlich achtlos weg. Nur wenige Minuten später geschieht zufällig an dieser Stelle ein Mord. Die Ermittler finden nur eine Spur: Deinen Zigaretten-Stummel. Du wirst verhaftet und verhört. Da du kurz vor dem Mord tatsächlich am Tatort warst, hast du auch kein Alibi. Was meinst du, wie deine Chancen dann vor Gericht stehen? Vielleicht wirst du schließlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Aber wie lange mußt du vorher in U-Haft sitzen? Und wie wirkt ein Freispruch aus Mangel an Beweisen auf deine Umwelt?

Jeder Mörder oder auch Einbrecher könnte sich dann sogar einfach Zigaretten-Stummel oder Kaugummis aus Mülleimern fischen, um so falsche Spuren zu legen. Wie nützlich wäre so eine DNA-Datenbank dann noch?

Und Sexualstraftaten sind ohnehin eher selten - sie werden nur in der Öffentlichkeit immer hochgespielt, was dann aber immerhin den Effekt hat, daß sich die Polizei noch stärker engagiert und diese Straftaten dann auch oft aufgeklärt werden.

Ich sehe da noch genügend andere Möglichkeiten, um Verbrechen aufzuklären. In Österreich ist die Mord-Quote doppelt so hoch wie in Deutschland. Das kann durchaus damit zusammen hängen, daß dort etwa viermal soviele Autopsien durchgeführt werden, wenn Todesursachen unklar sind. Es ist also gut möglich, daß in Deutschland die Mordquote nur deshalb niedriger ist, weil etwa die Hälfte aller Mordfälle gar nicht als solche erkannt werden!

Die Polizei hat auch für Autopsien ein Budget, das offensichtlich zu eng bemessen ist. Obendrein werden auch immer mehr Zentren für Gerichtsmedizin geschlossen.

Überhaupt werden bei der Polizei immer mehr Stellen abgebaut. Bei der Verkehrspolizei ist geplant, den Einsatz von Überwachungsfahrzeugen zu reduzieren und dafür mehr Radargeräte aufzustellen. Das bedeutet, daß extreme Raser, die von festen Radargeräten aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit gar nicht geblitzt werden können und auch Links-Langsam-Fahrer in Zukunft immer seltener belangt werden. Diejenigen, die die Verkehrssicherheit am meisten gefährden, bleiben also ungeschoren, während der Durchschnitts-Fahrer, der vielleicht mal 10-20 km/h zu schnell ist, damit aber seit Jahrzehnten unfallfrei fährt, in Zukunft häufiger zur Kasse gebeten wird.

Das alles läßt sich durch Forderung nach einer allgemeinen DNA-Datenbank natürlich prima überspielen.

Was auch viele Menschen nicht wissen: Eine DNA-Datenbank für vorbestrafte Gewalttäter (nicht nur für Sexualstraftäter!) existiert schon lange.

Freundliche Grüße
von Garfield



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