Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Wo ist er denn, der "Kapitalismus"

Maesi, Tuesday, 15.06.2010, 10:13 (vor 5688 Tagen) @ Movemen

Hallo Movemen

Das ist mir in der Analyse alles zu zersplittert. Stefan Luft schrieb in
seinem Buch über die Zuwanderung davon, dass eigentlich alle
gesellschaftlich relevanten Gruppen daran beteiligt waren und die Sache in
den Sand gesetzt haben. Die Aufgabenverteilung dürfte sich bis heute nicht
geändert haben, weil eine verschiedene Gruppen durch Lobbyismus ihr Ziel
verfolgen und sich damit oft als gegenseitige Verstärker erweisen.[snip]

Zustimmung zu Deinem Text Movemen. Du hast die Problematik des heutigen politisch gelenkten (vulgo 'regulierten') Marktes gut dargelegt. Die Politiker sind allesamt astreine Kollektivisten, die nie anders denn kollektivistisch denken und handeln koennen. Fuer den Bereich der Wirtschaftspolitik trifft das ebenso zu wie im Bereich Geschlechterpolitik, Erziehungspolitik, Sozialpolitik usw. usf. Alles wird fein saeuberlich in Kollektive aufgeteilt, die in der Folge politisch verwaltet und bei Bedarf auch gegeneinander ausgespielt werden; je nach ideologischem Standpunkt, weist man den konstruierten Kollektiven das Attribut 'gut' und anderen das Attribut 'boese' zu und fertig ist das kollektivistische Weltbild. Kurz und schlecht: Kapitalismus ist eine Projektionsflaeche, auf der jeder nach seinem Gusto irgendetwas projizieren kann. Die Kapitalismusprojektionen sagen jedoch normalerweise wesentlich mehr ueber den Projizierenden aus als ueber das Objekt 'Kapitalismus' selbst.

Ich persoenlich halte es mit Milton Friedman, der da einmal sagte: 'Ich bin nicht wirtschaftsfreundlich, ich bin fuer freie Marktwirtschaft, was etwas ganz anderes ist.' Den voellig korrumpierten Begriff 'Kapitalismus' vermeide ich normalerweise, da darunter so gut wie alles und somit in letzter Konsequenz dann ueberhaupt nichts sinnvolles mehr verstanden werden kann.

Freie Marktwirtschaft ist nichts anderes, als dass man den einzelnen Marktteilnehmern weitestgehend selbst ueberlaesst, inwieweit sie sich in welcher Form am Markt beteiligen. Was wir derzeit in Europa haben, hat nur noch wenig mit freiem Markt zu tun. Aber das haelt gewisse Leute nicht davon ab, trotzdem davon zu halluzinieren und ihre beliebigen Halluzinationen dann 'Kapitalismus' zu nennen. In einem freien Markt waeren konkursite Grosskonzerne (z.B. gewisse Banken) selbstredend NICHT von Staates wegen gerettet worden, dasselbe gilt fuer konkursite Staaten.

Fazit: Die freie Marktwirtschaft ist keine Religion. Sie ist einfach die Summe aller freiwillig getroffenen Tauschvereinbarungen zwischen freien Marktteilnehmern. Getauscht wird alles, wofuer Anbieter von und Nachfrager nach bestimmten Guetern/Dienstleistungen bestehen. Die Preise bilden sich gemaess gerade aktuellem Angebot und Nachfrage heraus. Mehr steckt nicht dahinter. Aber es gibt viele Menschen, die machen daraus einen Goetzen oder einen Teufel - je nach ideologischer Praegung und persoenlicher Betroffenheit. Haengt vielleicht damit zusammen, dass sie keinen Gott und Teufel mehr anerkennen und sich deshalb kuenstlich welche erschaffen muessen.


Gruss

Maesi


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