Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Die Problematik des gegenwärtigen Verfahrens für heimliche Vaterschaftstests

Garfield, Thursday, 13.01.2005, 21:13 (vor 7692 Tagen) @ Nils

Als Antwort auf: Die Problematik des gegenwärtigen Verfahrens für heimliche Vaterschaftstests von Nils am 13. Januar 2005 18:03:23:

Hallo Nils!

Deine Bedenken teile ich durchaus.

Mit Vertrauenspersonen ist das aber auch so eine Sache... Du hast da u.a. an Notare gedacht.

Stell dir mal folgendes Szenario vor:

Du möchtest ein Haus kaufen und wirst fündig. Du einigst dich mit dem Verkäufer über den Preis und dann geht ihr zu einem Notar, um den Kaufvertrag aufzusetzen. Der Notar versichert dir, daß mit dem Haus alles in bester Ordnung ist, daß es schuldenfrei wäre, und er teilt dir auch bald mit, daß eine Eigentumsvormerkung zu deinen Gunsten im Grundbuch erstellt worden ist.

Alles sieht normal aus, also zahlst du die vereinbarte Summe an den Verkäufer.

Leider stellt sich dann aber heraus, daß der Notar dich belogen hat. Er steckte offenbar mit dem Verkäufer unter einer Decke. Dein Geld ist weg und das Haus kriegst du trotzdem nicht.

Fantasie? Nein - vor kurzem ist genau das in Deutschland geschehen.

Wenn sich ein Notar schon solch ein Fehlverhalten erlaubt, obwohl er weiß, daß das ziemlich schnell herauskommen und daß er dann seinen Beruf zumindest in Deutschland kaum noch ausüben können wird, wieviele Notare würden wohl still und heimlich einen Teil der DNA-Probe abzweigen und mit den dazugehörigen Personen-Daten an irgendein Auskunfts-Unternehmen schicken, das eine illegale Datenbank betreibt und dafür gut zahlt? Das kommt nämlich nicht so schnell heraus. Da wundert man sich vielleicht irgendwann mal darüber, wieso man bei einer Lebensversicherung nur noch Angebote mit extrem hohen Beiträgen bekommt oder gar keine, oder daß man auf einmal bei Bewerbungen nur noch Absagen erhält. Aber auf die Idee, daß das vielleicht mit einem 10 Jahre zurück liegenden Vaterschaftstest zusammen hängen könnte, kommt man nicht so einfach. Und selbst wenn man darauf kommt, hat man kaum Chancen, da irgendetwas zu beweisen. Wie hoch wäre die Hemmschwelle da wohl?

Allerdings könnte so gesehen jetzt schon jeder Arzt solche DNA-Proben samt Daten heimlich irgendwohin übermitteln.

Ich denke, die beste Möglichkeit, Mißbrauch mit DNA-Proben weitgehend auszuschließen, besteht darin, so einen Test von jemanden beauftragen zu lassen, dem man wirklich vertraut. Das könnte ein guter Freund sein oder auch Mitarbeiter eines Vereins, der vertrauenswürdig ist. Bei solchen anonymen Tests sind DNA-Daten wertlos, weil man die Identität der Spender nicht sicher feststellen kann. Natürlich könnte ein Testlabor beispielsweise durch Privatdetektive mit hoher Sicherheit herausfinden lassen, woher die Proben stammten, aber so ein Aufwand würde sich finanziell dann doch nicht lohnen. Deshalb wird das auch niemand tun.

Aber genau das soll ja nun nach dem Willen der Frau Zypries wohl auch abgeblockt werden. Jedenfalls habe ich einige Äußerungen dazu so verstanden.

Und gerade darin sehe ich große Probleme bezüglich Datenschutz. Denn wenn grundsätzlich für Vaterschaftstests auch Personendaten erfaßt werden, dann wird Mißbrauch der Daten ja überhaupt erst möglich.

Die immer wieder zitierte Schwiegermutter, die einen Vaterschaftstest machen läßt, um damit eine Ehe zu torpedieren, halte ich für wenig problematisch. Das ist nur ein bewußt so konstruiertes Beispiel, um die Männer dem Vorhaben gewogener zu machen und von den wahren Absichten abzulenken. Selbst wenn eine Schwiegermutter so etwas tut und damit erfolgreich ist, dann hat doch tatsächlich nicht der Vaterschaftstest die Ehe zerstört, sondern das Fehlverhalten der Ehefrau.

Freundliche Grüße
von Garfield


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