Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Männer sind ... Bürojobs sind weiblich

Ferdi, Tuesday, 20.04.2004, 01:13 (vor 7963 Tagen) @ Pokemon

Als Antwort auf: Re: Männer sind ... Bürojobs sind weiblich von Pokemon am 19. April 2004 21:10:34:


Hallo Pokemon!

Die männlichen (Real-)Schulabgänger werden, wenn sie nicht qualifiziert genug sind sind für anspruchsvollere Büro-Ausbildungsberufe wie Bankkaufmann, Steuerfach- oder Verwaltungsfachangestellter (nach meinem Eindruck sind die Ausbildungsklassen auch hier überwiegend weiblich), ins Handwerk abgedrängt.

Hier muss ich Dir aber mal ganz lautstark widersprechen. Wieso "abgedrängt"? Das kam jetzt so bei mir an, als wenn Handwerksberufe das Auffangbecken für weniger qualifizierte männliche Azubis seien. Auch hier wird wieder ein jahrzehntealtes Klischee bedient: Büroberufe sind die "Kopfarbeiter", Handwerksberufe sind die "Handarbeiter". Auch wenn man von Handwerksberufen spricht, so werden heutzutage in sehr vielen solchen Berufen Qualifikationen verlangt, die denen der kaufmännischen Berufe in nichts nachstehen, sie sogar bei weitem übersteigen. Ausserdem ist die Ausbildung in sehr vielen Handwerksberufen derartig vielseitig, da machen sich kaufmännische und verwaltende Sesselpupser überhaupt keine Vorstellung von. Egal ob Automechaniker, Energieanlagenelektroniker oder Telekommunikationselektroniker, die Jungs müssen heute so viel wissen, das ahnst Du nicht. Die Azubis in den Berufen der Elektrotechnik und Elektronik sowie gerade auch in der Telekommunikationselektronik müssen vom einfachen Ohmschen Gesetz bis zu komplizierten Frequenzaufbereitungen und Modulationsverfahren in Sendern und Empfängern (ich sage nur Handy) alles wissen! Ich habe selber Empfänger und Sender gebaut (bin lizenzierter Funkamateur, da darf man das). In der Meisterprüfung muss der Prüfling nicht nur das gesamte Fachwissen seines Berufes nachweisen, nein, er muss auch noch eine umfangreiche kaufmännische Prüfung ablegen, einschliesslich Bilanz. Denn er erhält ja damit die Berechtigung, selbstständig einen Handwerksbetrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden. Zwar ist das ganze durch den teilweisen Wegfall des Meisterprüfungszwanges liberalisiert worden, aber der Nachweis der beruflichen Fähigkeiten ist geblieben.

Die Qualifikationsanforderungen in kaufmännischen Berufen sind nicht höher, sie sind anders. Handwerksberufe stellen ganz andere Qualifikationsanforderungen und sind keineswegs dazu da und geeignet, minderqualifizierte Jugendliche aufzunehmen, die den Anforderungen der Kaufleute nicht genügen. Die Handwerksmeister suchen ja verzweifelt nach fähigen Azubis und finden sie nicht, weil PISA so zugeschlagen hat. Mit minder qualifizierten Azubis können die Betriebe einfach nichts anfangen. Also schreibe in Zukunft nicht einfach so locker und flockig, dass weniger qualifizierte Azubis in die Handwerksberufe abgedrängt werden. Das empfinde ich als in höchstem Masse arrogant!

Gruss,
Ferdi


gesamter Thread:

 

powered by my little forum