Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Ist Alive verrückt? - Das Problem der Pathologisierung

Maesi, Thursday, 21.08.2003, 23:04 (vor 8203 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Ist Alive verrückt? - Das Problem der Pathologisierung von Manfred am 19. August 2003 13:43:32:

Hallo Manfred

...Wir sollten deren Methoden nicht übernehmen.

Warum denn nicht?
Weil der Zeitgeist uns vorgibt, daß es für den "modernen Mann" schicker ist, würdevoll und mit viel Contenance unterzugehen, als einmal den groben Keil zu benutzen, der auf den groben Klotz gehört?

Auf einen groben Klotz gehoert gewiss ein grober Keil; man(n) sollte nicht den Fehler begehen, dem mit einem Zweihaender fechtenden Gegner mit einem Florett entgegenzutreten, genausowenig natuerlich das Umgekehrte.

Ich wuerde es so sagen: wir sollten nicht alle Methoden von Feministen uebernehmen. Den tumben Sexismus beispielsweise koennen Feministen getrost fuer sich behalten.

Wer geschichtlich besser bewabdert ist als ich, mag mich widerlegen, aber an dieser Haltung des überzogenene Edelgeistes ist schon die Hochkultur der Griechen zugrunde gegangen.

Die griechische Hochkultur ist keineswegs mit der Aufnahme ins Roemische Reich untergegangen. Im Gegenteil: die Roemer haben recht vieles von den Griechen adaptiert und teilweise weiterentwickelt.

Griechen und Römer waren unbestreitbar "intelligent", nur haben letzere diese Intelligenz nicht ausschließlich für Philosophie und mathematische Lehrsätze verwendet sonder damit u.a. Galeeren gebaut.

Du solltest nicht dem Irrtum verfallen, die Griechen seien philosophierend und weltfremd in der Gegend herumgelaufen. Die griechischen Stadtstaaten waren in ihrer kulturellen Bluetezeit militaerisch recht stark, bezwangen sie doch beispielsweise bei Marathon, Salamis und Himera die Perser bzw. Karthager. Waehrend Jahrhunderten stuetzten griechische Soeldner den aegyptischen Staat. Die von den Spartanern erfundene Hoplitentaktik machte waehrend der gesamten Antike die Infanterie zum dominierenden und wichtigsten Kampfverband. In der hellenistischen Zeit entfaltete sich die militaerische Macht der Griechen unter makedonischer Fuehrung (Philipp, Alexander) erst richtig. Nach Alexanders fruehem Tod zerfiel das von ihm eroberte Riesenreich in die Diadochenreiche (z.B. Seleukidenreich, Ptolemaeer in Aegypten etc.). Als die griechischen Stadtstaaten unter die roemische Oberherrschaft gerieten war die grosse kulturelle Zeit der Griechen schon vorbei. Nichtsdestotrotz ueberlebte die griechische Kultur (wenn auch christianisiert) und blieb in der Levante in Form des Byzantinischen Reiches auch ueber den Untergang Westroms hinaus die wichtigste Hegemonialmacht.

Bezueglich der Galeeren: die Griechen bauten, genauso wie die Phoenizier, wesentlich bessere Galeeren als die Roemer und waren auch die geschickteren Seefahrer. Die Roemer waren naemlich ein typisches Landvolk; ihre Staerke war nicht der See- sondern der Landkrieg. Die Karthager sowie andere seefahrende Voelker (z.B. Veneter) wurden von den Roemern auf See damals mit einer neuen Erfindung besiegt: roemische Galeeren wurden mit schwenkbaren Landungsbruecken ausgeruestet, die man auf die gegnerischen Schiffe (aehnlich einer Zugbruecke) runtersausen lassen konnte. Vorne waren diese Bruecken mit einem Eisensporn versehen, der sich fest ins gegnerische Deck bohrte und die beiden Schiffe fest aneinander band. Daraufhin konnte die ueberlegene roemische Infanterie ueber die Bruecke das gegnerische Schiff entern und im gewohnten Nahkampf wie an Land den Feind niederkaempfen.

Gruss

Maesi


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