Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Ist Alive verrückt? - Das Problem der Pathologisierung

Garfield, Tuesday, 19.08.2003, 17:11 (vor 8205 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Ist Alive verrückt? - Das Problem der Pathologisierung von Lars am 19. August 2003 13:11:54:

Hallo Lars!

"Ich finde, anstatt Gegner dadurch abzufertigen, daß man über die "wahren" Motivation HINTER ihren Argumenten spekuliert - hiergegen kann sich der Betroffene ja nicht wehren -, sollte man redlicher Weise sich darauf bechränken, dessen explizit vorliegende ARGUMENTE AN SICH auseienanderzunehmen."

Hm, das klingt erst einmal vernünftig. Wenn man das dann aber praktiziert, dann stellt man schnell fest, daß solche Fanatiker(innen) sachlichen Argumenten überhaupt nicht zugänglich sind. Die wollen, daß die Welt so ist, wie sie sie sehen, und alles, was das Gegenteil beweist, versuchen sie zu unterdrücken oder aber sie ignorieren es schlichtweg, wenn es sich nicht unterdücken läßt.

Deshalb denke ich, daß es ab und zu schon sinnvoll ist, die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn du Verteidiger in einem Gerichtsprozeß und sicher wärst, daß dein Mandant unschuldig ist, und ein Zeuge würde nun wilde belastende Aussagen machen, die sich nur umständlich widerlegen lassen, dann wäre es auch einfacher, mal zu überlegen, wieso dieser Zeuge eigentlich sowas erzählt und ob da nicht irgendwelche persönlichen Motive dahinterstecken. Z.B. daß vielleicht tatsächlich dieser Zeuge die Tat begangen hat, die deinem Mandanten zur Last gelegt wird. Wenn du dich nun ewig damit verzettelst, eine seiner Aussagen nach der anderen mühselig zu zerpflücken, hast du damit vielleicht Erfolg. Vielleicht unterbricht dich der Richter aber auch, bevor du etwas erreichst, weil er den Sinn des Ganzen nicht erkennt. Dann könnte es also weitaus sinnvoller sein, wenn du die Sachebene verläßt und die Aufmerksamkeit des Gerichts auf die Person dieses Zeugen lenkst. Das könnte den Richter davon überzeugen, daß die Aussagen des Zeugen nicht einfach nur zur Kenntnis genommen werden dürfen, sondern daß man da schon noch etwas nachprüfen muß.

Wenn sich nun jemand in der Öffentlichkeit hinstellt und gebetsmühlenartig immer wieder denselben Unsinn wiederholt, ohne dabei Gegenargumente überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, dann ist das eine sehr ähnliche Situation. Da finde ich es dann schon sinnvoll, mal nachzuhaken, worin denn eigentlich die Motivation dieses Menschen besteht.

Im Fall Alice Schwarzer kommt als Motivation auch einfach noch dazu, daß sie ja nun mal mit Feminismus ihren Lebensunterhalt bestreitet. Der Verkauf von "Emma" wird ihr wohl nicht unbedingt soviel einbringen, aber sie veröffentlicht ja auch noch anderswo Artikel, schreibt Bücher, gibt Interviews, tritt im Fernsehen auf... Da kommt dann schon einiges zusammen.

Sie hat aber nur Anhängerinnen im radikalfeministischen Lager (und selbst da hat sie durchaus auch Gegnerinnen), die noch durch einige Mitläufer(innen) verstärkt werden. Wenn sie sich nun öffentlich hinstellen und das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Thesen verkünden würde, würden ihr das ihre Anhängerinnen sehr übel nehmen. Und sie würde damit kaum neue Anhängerinnen finden. Das würde sich sehr negativ auf ihre journalistische Tätigkeit auswirken, und es wäre zu befürchten, daß auch die Medien sie dann bald fallen lassen.

Das ist schon ein gewichtiger Grund, um stur an ihren alten Positionen festzuhalten. Überhaupt würde es sie sicher auch ein enormes Maß an Selbstüberwindung kosten, zuzugeben, daß sie sich jahrzehntelang geirrt hat und daß eigentlich alles, was sie getan hat, umsonst war. Wer gibt so etwas schon gern zu, noch dazu in aller Öffentlichkeit?

Also wird sie selbst, wenn sie geistig völlig gesund sein sollte (was ich im Übrigen auch bezweifele), immer so weitermachen wie bisher.

Freundliche Grüße
von Garfield



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