Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das Problem der Pathologisierung

Odin, Thursday, 21.08.2003, 22:50 (vor 8203 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Das Problem der Pathologisierung von Lars am 21. August 2003 16:44:35:

Zur "Pathologisierung" speziell:
Ich stimme zu, daß ich selber immer ein sehr ungutes Gefühl habe jemanden als geistig krank zu bezeichen. Ich tue es auch nicht, wenn ich das Gefühl habe, daß ein höherer Zweck mir dieses Mittel erlaubt. Siehe oben.
Dann aber gehe ich so weit, daß ich auch der Psychatrie und der Psychologie Das Recht hierzu weitgehend abspreche. Der derzeitige Kenntnisstand auf diesen Wissengebieten ist imho nicht annähernd ausreichend um solche Schlüsse zuzulassen. Schamanen machen ja auch keine Gentests :-)

Das sehe ich genau so. Die "Psychologie" ist die am meisten überschätzte Halbwissenschaft, die Leute verlassen sich auf psychologische "Expertenmeinungen" als währen es naturwissenschaftliche Messungen, räumen den "Psychologen" also eine Auroität ein, die zum Mißbrauch geradezu ermutigt. Tatsächlich reflektieren psychologische Lehrmeinungen oft nur den jeweiligen Zeitgeist, bzw sie gegen den jeweils eigenen Vorurteilen einen wissenschaftlichen Anstrich.
Nimm etwa die Adler- und Freund-Zitate aus Ingo´s Posting über "Frauen und Schwule": heute lachen wir darüber, aber noch in den 60er Jahren galt diese Sichtweise als hochwissenschaftlich. Und "IN SICH" hört sich das ja alles erstmal "irgendwie plausibel" an. Man fragt sich dann immer: "Hmm, was spricht eigentlich gegen diese Sichtweise?" ... obwohl man sich doch zuerst einmal fragen sollte, was denn so zwingend FÜR diese Sichtweise spricht. Aber "in sich" hören sich psychologische Theorien IMMER "irgendwie plausibel" an, weil sie mit den Mitteln des Zirkelschlusses und der sich selbst beweisenden Behauptung arbeiten.
Und so wie wir heute (zurecht) über den schwulen-pathologisierenden Unsinn von Freud und Adler lachen, oder über die Ärzte um 1900, die sexuell regere Frauen als "hysterisch" einstuften, so werden wird die breite Öffentlichkeit in 20 Jahren hoffentlich über die feministische Schule der Psychologie lachen.

Du vergißt nur, daß ALLE Wissenschaft nur den gegenwärtigen Stand des Irrtums beschreibt.


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