Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das Problem der Pathologisierung

Lars, Tuesday, 19.08.2003, 20:09 (vor 8205 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Das Problem der Pathologisierung von Garfield am 19. August 2003 16:01:35:

Aber nehmen wir mal Valerie Solanas. Die Frau ist definitiv geistesgestört. Ein geistig gesunder Mensch verfaßt nicht solche Haß-Pamphlete und schießt auch nicht einfach so auf jemand anderen. Sie war sogar schon in psychiatrischer Behandlung, womit ihr derzeitiger Geisteszustand quasi amtlich festgehalten wurde.
Wenn nun jemand anderer - wie z.B. Alice Schwarzer - daher kommt und solch ein Haß-Pamphlet von Valerie Solanas lobt, dann liegt doch die Annahme nahe, daß die Psyche dieses Menschen auch einen Knacks weg hat. Und was ist so schlimm daran, das eben auch auszusprechen?

Das Problem sind die Grauzonen. Beispiel:

Als Oscar Lafontaine nach seinem Rücktritt in seinem Buch die Politik von Schröder kritisiert hatte, hieß es in der "BILD-Zeitung", hier sei nur gekränkter Stolz am Werke und anstatt Bücher zu schreiben solle Lafontaine lieber eine Theraphie machen (es wurde sogar irgendein Psychologe herbeizitiert). Inhaltlich wurde auf seine Ansichten zur Politik überhaupt nicht eingegangen

Nun ist es bei den Biographien der beiden gut vorstellbar, daß persönliche Rachegelüste MIT-federführend bei diesem Buch waren. Dennoch bleibt im Kern die inhaltliche, sachliche Differenz zwischen den beiden Politikern. Und da finde ich es von der politischen Kultur her schlichtweg demagogisch einen Kritiker der Regierungspolitik einfach als geistig unzurechnungsfähig abzutun und damit die Sachdiskussion abzuwürgen(unabhängig davon, wie man zu den Sachfragen selbst jetzt stehen mag).

Du meintest nun aber, daß man nicht mit den Radikalfeministinnen, sondern mit normalen Menschen darüber diskutieren sollte. Diejenigen, die die radikalfeministische Ideologie positiv finden, übernehmen aber auch oft den radikalfeministischen Diskussionsstil. Und mit denjenigen, die vom Radikalfeminismus nichts halten, muß man darüber auch nicht diskutieren.

Es geht mir um die große Masse jener, die weder in der einen noch in der anderen Richtung festgelegt sind. Ich glaube, das ist die Mehrheit.


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