Re: Das Problem der Pathologisierung
Als Antwort auf: Das Problem der Pathologisierung von Lars am 19. August 2003 15:13:15:
Hallo Lars!
Ich stimme dir zu, wenn du meinst, daß man immer fair bleiben muß und sich nichts irgendwie zusammen konstruieren darf, nur um jemand anderen schlecht dastehen zu lassen.
Aber nehmen wir mal Valerie Solanas. Die Frau ist definitiv geistesgestört. Ein geistig gesunder Mensch verfaßt nicht solche Haß-Pamphlete und schießt auch nicht einfach so auf jemand anderen. Sie war sogar schon in psychiatrischer Behandlung, womit ihr derzeitiger Geisteszustand quasi amtlich festgehalten wurde.
Wenn nun jemand anderer - wie z.B. Alice Schwarzer - daher kommt und solch ein Haß-Pamphlet von Valerie Solanas lobt, dann liegt doch die Annahme nahe, daß die Psyche dieses Menschen auch einen Knacks weg hat. Und was ist so schlimm daran, das eben auch auszusprechen?
Unfair finde ich nur, wenn man sich etwas aus den Fingern saugt, um jemand anderen zu verleumden. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob man das nur über eine Behauptung oder ein Gerücht tut, oder ob man das sogar mit dem Gutachten eines inkompetenten Psychologen zu untermauern versucht.
Die Wahrheit auszusprechen, finde ich aber grundsätzlich in Ordnung.
"...wenn ich davon spreche, man solle sachbezogen argumentieren, meine ich nicht, man solle dies MIT ALICE SCHWARZE oder ihren Anhängerinnen tun, sondern ich meine, man sollte GEGENÜBER DRITTEN darlegen, was an Schwarzers Argumenten Quatsch ist!"
Hm, nur wirst du außerhalb des feministischen Lagers kaum jemanden finden, der oder die offen zugibt, Schwarzers Theorien zuzustimmen. Viele Frauen (und leider auch Männer) haben zwar diverse radikalfeministische Dogmen mittlerweile tief verinnerlicht (zumal diese Dogmen zumeist auch älter sind als der Feminismus), aber das wird den meisten Menschen gar nicht bewußt. Viele Frauen werden sagen, daß sie von Alice Schwarzer nicht viel halten. Wenn du sie aber fragst, ob ihrer Meinung nach z.B. Männer gewalttätiger sind als Frauen, werden sie trotzdem mit "ja" antworten.
Das trägt auch dazu bei, Radikalfeministinnen in eine relativ unangreifbare Position zu rücken. Zwar sickern ihre Theorien emsig in die Gesellschaft hinein, aber viele Menschen wollen das nicht wahrhaben, und natürlich wollen die allermeisten Radikalfeministinnen auch nie Männerhaß geschürt haben.
Sehr beliebt sind auch vage Formulierungen, in denen immer wieder die Worte "Patriarchat" oder "patriarchal" vorkommen. Das Wort "patriarchal" bedeutete ursprünglich nichts weiter als "altväterlich", und das Wort "Patriarchat" ist in vielen älteren Wörterbüchern gar nicht enthalten. Feministinnen haben diese Begriffe dermaßen aufgebläht, daß man mittlerweile so ziemlich alles darunter verstehen kann. Sie verwenden sie gern in einem Sinn, der die Schuld an allen Übeln auf dieser Welt den Männern zuweist. Argumentiert man dann sachlich dagegen, weichen sie einfach mit der Antwort aus, daß sie das doch gar nicht so gemeint hätten. Dann auf einmal wollen sie das Wort "Patriarchat" plötzlich als gleichbedeutend mit "Gesellschaft" gemeint haben, also nicht bezogen nur auf Männer. Allein das macht es schon sehr schwierig, sachlich zu argumentieren. Wenn jemand immer wieder ausweicht und sich vor sachlicher Argumentation drückt, bleibt nichts anderes übrig, als dann mal an der Person selbst und ihren Beweggründen für solch ein Verhalten anzusetzen. Dann ist Ausweichen nämlich nicht mehr so einfach möglich.
Du meintest nun aber, daß man nicht mit den Radikalfeministinnen, sondern mit normalen Menschen darüber diskutieren sollte. Diejenigen, die die radikalfeministische Ideologie positiv finden, übernehmen aber auch oft den radikalfeministischen Diskussionsstil. Und mit denjenigen, die vom Radikalfeminismus nichts halten, muß man darüber auch nicht diskutieren.
Außerdem sind gerade Frauen auf der emotionalen Ebene oft empfänglicher als auf der Sachebene.
Ich denke, man sollte sowohl auf der sachlichen als auch auf der persönlichen Ebene argumentieren. Letzteres aber eben nicht über aus der Luft gegriffene Behauptungen, sondern über Schlußfolgerungen, die aufgrund des Verhaltens des Gegenübers einfach nur folgerichtig sind. Eben - wie du es ausgedrückt hast - über "HANDFEST nachweisbare Motive".
Freundliche Grüße
von Garfield
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21.08.2003, 23:04
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