Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Haben die Frauen-Illustrierten heute einen feministischen Einschlag?

Lars, Tuesday, 19.08.2003, 22:49 (vor 8205 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Sogenannte Frauenzeitschriften von Xenia am 19. August 2003 17:40:19:

(abgesehen einmal davon, daß man hier wohl noch zwischen den einzelnen Heften etwas differenzieren müßte)

Diese Blätter sind gewiß nicht Teil einer feministischen Verschwörung, sozusagen die "trendigen" Tarn-Projekte der "Emma". a) weil es eben kommerzielle Blätter in rein kommerziell orientierten Verlagen sind, b)weil die meisten der dortigen Redakteurinnen von ihrem Background her wohl einfach zu unpolitisch und denkfaul sind, als daß sie sich mit langen, ernsten Texten voller "-ismen" befassen würden.

Es geht in den Redaktionen wohl eher pragmatisch, unssystematisch zu: Man bedient die ermittelten Leserinnen-Erwartungen in all ihrer Widersprüchlichkeit, und im Rahmen dessen dürfen die Redakteurinnen dann noch ihren persönlichen Launen folgen. Was rauskommt ist ein etwas widersprüchlicher Mix:

- Die meisten Leserinnen wollen bei Männern gut ankommen, also müssen ganz und gar unfeministische Diät-Tipps rein.

- Die Leserinnen gefallen sich(!) in ständig wechselnden Moden, also müssen Mode-Tipps rein, auch wenn den meisten Männern, die neue Frisur-Nuance bei ihrer Gattin gar nicht auffällt (und wenn dann meist negativ)

- Die meisten Frauen (insbes. jene, welche Zeit haben, diese Blätter zu lesen!) arbeiten eher halbtags, verbringen also relativ viel Zeit im Haus, also bieten sich Kochrezepte an.

- Gleichzeitig kommt es bei den Leserinnen aber natürlich auch gut an, wenn man ihnen ständig auf die Schulter klopft und sagt, daß sie dem besseren Geschlecht angehören, daß kaum ein Mann gut genug ist für sie (insbesondere Single-Frauen lesen dies gerne!), bzw. daß im Konfliktfall der Mann es ist, der sich ändern muß (dies lesen dann Frauen in kriselnden Beziehungen gerne). Also müssen Psychotests und Psycho-Reports rein, die diese Sichtweise bestätigen (siehe mein "AMICA"-Link)

- Und schließlich sind da noch die Redakteurinnen selbst. Zumindest in den "jüngeren, flippigeren" Frauen-Illustrierten halten die sich wohl alle für Carrie aus "Sex and the City". Sie sind einfach hingerissen von ihrem "hippen" Lebenstil und ihrer eigenen brillianten Schreibe und glauben die Welt an ihren tiefen Erkenntnissen über die Geschlechterproblematik und guten Sex teilhaben lassen zu müssen. Und sie sind aufgewachsen nach der Frauenbewegung, aber mit Songs wie "Ich findDich Scheiße" und "Mir geht´s so gut weil ich ein Mädchen bin". Und wenn es bei denen dann mal gerade nicht so gut läuft mit den Männern, dann fabrizieren sie in ihren kolumnen auch shcon mal blanke Zynismen wie in dem weiter unten geposteten Sorgerechts-und-Unterhalts-Kommentar aus der "Allegra".

Fazit: Diese Blätter sind nicht i. e. S. feministisch geprägt, aber sie tragen aus Gründen der Leserinnen-Erwartung und der Redakteurinnen-Launen die Klischees vom tendenziell beziehungsunfähigen, aggressiven Versager-Mann weiter.


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