Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Hast Du eigentlich jemals

Krischan 02, Saturday, 15.05.2010, 02:05 (vor 5712 Tagen) @ Garfield

Hallo Garfield!

z.B. sagen, daß Eltern, die ihre Kinder
nicht täglich ordentlich durchprügeln, keine guten Eltern wären. Und wenn
dies von anderen Christen zwar nicht direkt gutgeheißen, aber doch
weitgehend toleriert werden würde.

Du solltest mal sehen, wie in anderen christlichen Ländern die Kinder erzogen werden. Für das Folgende möchte ich mich ausdrücklich nicht verbürgen, aber ich kenne das Buch einer ehemaligen Zeugin Jehovas, die schreibt, daß Kinder zu schlagen bei ihrer Gemeinschaft eben mit dem Verweis auf besagten Satz Pauli als richtig anerkannt wird. Die Zeugen Jehovas sind m.E. nicht gerade eine zahlenmäßig zu vernachlässigende Gruppe. (Trotzdem nochmals: Ich weiß nicht, ob die Aussage selbst stimmt, noch weiß ich, ob das für die ganze Glaubensgemeinschaft stimmt.) In diesem Zusammenhang kann ich dir auch das Buch "Gestohlene Kindheit. Ein Heimkind packt aus" von Alexander Markus Homes empfehlen. Was dieser an Gewalt, angeblich im Namen Gottes (in den 80ern!) erlebt hat, ist kaum zu fassen.

In der islamischen Welt gibt es aber eine ganze Reihe von Staaten, wo
genau das, was einige hier am radikalen Islam kritisieren, ganz offiziell
und legal praktiziert wird. Und in den gemäßigten islamischen Staaten gibt
es oft eine Tendenz hin zur Radikalisierung des Islam.

Die Staaten, genauer gesagt ihre Regierungen selbst stehen nicht für den Glauben an sich. Der Glaube ist zum Einen das Fundament, also im Islam Koran und Sunna, ferner die Interpretation durch die namhaften Geistlichen und zum Anderen das Alltagsleben der Gläubigen. Von Letzeren möchte die überwiegende Mehrheit einfach in Ruhe leben. Die Gesetze werden von Leuten gemacht, die vom Islam auch nicht mehr verstehen als Merkel vom Christentum, und sicherlich nicht selten mißbrauchen sie den Islam, um Menschenrechtsverletzungen zu rechtfertigen. Daß der Islam eine Trennung von Religion und Staat nicht vorsieht, heißt noch lange nicht, daß ihre Regierungen den Islam nicht für eigennützige Ziele mißbrauchen. Der Islam sieht dabei ausdrücklich den Widerstand gegen solche Regierungen vor: "Der beste Jihad ist, zum Unterdrücker zu gehen, und ihm offen seine Verfehlungen zu sagen" (Kalif Omar Ibn Al-Khattab, glaube ich).
Die meisten christlich geprägten Staaten sind auch nicht unbedingt Vorbilder an Menschenrechten, trotzdem käme niemand auf die Idee, dies auf den Glauben zurückzuführen. Mit der Bibel haben dennoch einige von ihnen argumentiert. Pinochet rechtfertigte seine Sozialistenschlächterei mit einem "Schutz des Christentums vor dem Kommunismus", Bush Junior wähnte sich gar in einem von Gott persönlich angeordneten Krieg (in anderen Ländern landen Leute in der Klapse, wenn sie Stimmen hören). In Uganda betreibt die Lord's Resistance Army seit über 20 Jahren brutalste Schlächterei, angeblich im Namen des Herrn. Selbst die Apartheid in Südafrika wurde mit dem Christentum gerechtfertigt. Ganz zu schweigen von der aktiven Mithilfe der christlichen Kirchen in der Nazizeit. Die Mehrheit hatte mitgemacht. Mit dem Alten Testament rechtfertigen die israelischen Siedlerverbände auch die Besatzung Palästinas, mit Rückendeckung der angeblich säkularen Regierung. Alles in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, bzw. kurz zuvor. Und wenn die CDU von Christentum und dessen Werten redet, frage ich mich immer wieder, ob wir wirklich denselben Glauben haben. Wenn ein Christenhasser Argumentationsmunition für Hetze sucht, die findet er. Es braucht lediglich denselben bösen Willen, den unsere selbsterklärten Abendlandverteidiger mitbringen.

Viele Grüße
Krischan


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