Re: Nochmal Gender Mainstreaming
Als Antwort auf: Re: Nochmal Gender Mainstreaming von Bruno am 18. Oktober 2004 11:48:57:
Hallo Bruno
natürlich wurde GM von den Feministinnen erfunden. Das macht es doch umso schöner, es gegen sie selbst zu verwenden. Ich habe schon öfters mit Frauenpolitikerinnen oder Feministinnen Kontakt gehabt. Es sind gerade die Radikalfeministinnen, die GM ablehnen. Es macht der Frauenförderung Konkurrenz.
GM ist die Gleichberechtigungspolitik der EU. Deshalb ist es wichtig, dass Männer sich aus diesem Prozess nicht herausdrängen lassen. Wenn wir uns da herausdrängen lassen, heißt es, wir hätten ja kein Bedarf angemeldet, also selber schuld.
Texaco hat IMHO recht gut beschrieben, inwiefern GM von seinen grundsaetzlichen Gegnern punktuell verwendet werden kann und wo fuer diese die Grenzen der Anwendbarkeit liegen. Es gibt viele moegliche Gruende, GM abzulehnen; bloss weil es Radikalfeministinnen (aus welchen Motiven auch immer) tun, heisst das noch lange nicht, dass Maskulisten deshalb zwingend das Gegenteil tun muessen. Ich und andere haben die Gruende unserer Ablehnung genuegend klar dargelegt. Diese Gruende konnten zumindest in diesem Forum noch nicht einmal annaehernd entkraeftet werden.
Die beiden stichhaltigsten Pro-Argumente zu GM sind IMHO folgende:
1. GM existiert; man(n) kann diesen Ansatz, da weitgehend geschlechtsneutral formuliert, gegen die real existierende Nur-Frauenfoerderung in der Geschlechterpolitik und natuerlich auch gegen den Radikalfeminismus wenden.
2. wer im GM nicht mitmacht, droht aus der Gleichberechtigungspolitik der EU hinausgedraengt zu werden.
Zu Punkt 1: man braucht sich nicht notwendigerweise auf GM zu berufen; man kann sich auch auf Grundrechte in der Verfassung, in den Menschenrechtserklaerungen oder sogar auf ein gesundes Rechts- und Fairnessempfinden der Menschen berufen. Das bedeutet zwar nicht, dass GM nie als Argumentationsgrundlage verwendet werden darf; aber man sollte, wenn immer moeglich, sich ueber GM hinaus auf Grundrechte berufen. Die Menschenrechte werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in 100 Jahren noch Gueltigkeit haben - GM wahrscheinlich nicht.
Zu Punkt 2: in diesem Dilemma befindet sich der Gegner einer bestimmten Politik immer. Zugespitzt gesehen wuerde das bedeuten, dass man niemals gegen eine bestimmte Entwicklung, Institution usw. sein kann aus Angst, bei Nichtteilnahme etwas zu verpassen. Manchmal ist es aber besser abseits zu stehen und zuzuschauen, wie irgendwelche Protagonisten herumwursteln. Nachdem sie ihre Sache schlecht genug gemacht haben, werden sie dorthin befoerdert, wohin sie gehoeren - auf den Abfallhaufen der Geschichte.
GM macht den Menschen generell zum Bittsteller fuer irgendwelche staatliche Foerderungen und Vorteile. Der Opportunist wird sich so verhalten, dass er mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Gewinn herauszieht. Der Aufwand, um Ansprueche im Rahmen von GM geltend zu machen, ist minimal: das Geschlecht sowie die Zugehoerigkeit zum gesellschaftlichen Geschlechter-Mainstream reichen als Anspruchsgrundlage voellig aus; gleichzeitig werden ueberhoehte Maximalforderungen gestellt, um bei einem Kompromiss die anvisierten Vorteile wenigstens annaehernd zu erhalten. Sowas nennt man Geschacher und ist seit Jahrtausenden gaengige Praxis. Da der zu verteilende Kuchen begrenzt ist, wird es zwangslaeufig zu Verteilungskaempfen kommen; die Frontlinien werden v.a. zwischen den Geschlechtern verlaufen, da diese als Verteilungs- und Beurteilungskriterium im GM-Ansatz ausdruecklich festgelegt sind.
Mit GM wird man(n) bestenfalls kurzfristig etwas gewinnen koennen; langfristig wird die gesamte Gesellschaft verlieren, weil kuenstlich eine Konkurrenzsituation zwischen den Geschlechtern geschaffen wird und obendrein die entstehenden Foerder- und Administrationskosten an die nachkommenden Generationen vererbt werden. Die Konkurrenzsituation wird systematisch und dauerhaft Geschlechterkonflikte in der Gesellschaft anheizen, weil Angehoerige der beiden Geschlechter 'gezwungen' sind, im Wettbewerb gegeneinander anzutreten, um Foerdergelder und Vorteile zu erlangen. Aber auch innerhalb der Geschlechter wird es Gerangel um Foerderungen und Vorteile unter verschiedenen Gruppen geben.
Die GM-Buerokratie ist dabei jene Instanz, an die der Bittsteller seine Forderungen zu richten hat und die entscheidet, ob und in welchem Ausmass diese erfuellt werden; der Machtmissbrauch durch die GM-Buerokratie ist damit systemimmanent, und da ausdruecklich saemtliche Massnahmen des Staates durch diese Buerokratie im Sinne des GM-Ansatzes zu pruefen sind, wird der zu erwartende Machtmissbrauch geradezu gigantisch sein. Wer dabei mitmacht, ist mitverantwortlich; egal, ob er es aus ehrlicher Ueberzeugung oder aus Opportunismus tut.
Wettbewerb ist eine feine Sache, wenn damit Effizienzsteigerungen oder neue Produkte, Erfindungen, Errungenschaften etc. erzielt werden, die letzten Endes allen irgendwie zugute kommen (wenn auch vielleicht nur indirekt), und solange eine gewisse Fairness dabei herrscht. Bei GM geht es aber gar nicht um solche Dinge: der Wettbewerb wird sich lediglich und ausschliesslich um die Gunst der GM-Buerokratie drehen, die auf dem Foerdergeldtopf hockt. Es ist wie bei einem Schoenheitswettbewerb, derjenige der sich am besten vor der Jury praesentieren kann, ist der Sieger. Im Unterschied zu einem Schoenheitswettbewerb, bei dem jedes Individuum selbst entscheiden kann, ob und in welcher Form es daran teilnehmen will, kann sich niemand den Auswirkungen von GM entziehen - jeder ist betroffen, ob er will oder nicht: entweder, wenn er seine Ansprueche durch die GM-Buerokratie befriedigt sehen will oder als Steuerzahler, der den ganzen Zauber finanzieren muss.
Von der EU gibt es mittlerweile kein Geld mehr für Jugendförderung, wenn keine Gender-Analyse durchgeführt wurde. Und auch bei neuen Gesetzen wird so etwas gefordert.
Und diese Gender-Analysen findest Du gut?
Wenn wir es jetzt verpennen, unser Recht auf Mitsprache und Beteiligung bei GM zu fordern, werden wir es nie mehr bekommen.
Naja, man muss ja nicht bei jedem Unfug mitmachen, und das 'nie' kaufe ich Dir in diesem Fall nicht ab...
Gruss
Maesi
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- Nochmal Gender Mainstreaming -
Bruno,
15.10.2004, 13:13
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Martin,
15.10.2004, 17:10
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Peter, 16.10.2004, 02:15
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
susu,
16.10.2004, 21:23
- Das habe ich nicht verstanden. (n/t) -
Texaco,
16.10.2004, 22:05
- Kannst du... -
susu,
16.10.2004, 22:59
- Re: Kannst du... - Texaco, 18.10.2004, 00:19
- Kannst du... -
susu,
16.10.2004, 22:59
- Das habe ich nicht verstanden. (n/t) -
Texaco,
16.10.2004, 22:05
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Bruno,
18.10.2004, 14:48
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Max, 18.10.2004, 22:37
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Maesi, 19.10.2004, 22:15
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Texaco,
15.10.2004, 17:14
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Nick, 16.10.2004, 00:39
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Peter,
16.10.2004, 01:25
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Jolanda,
16.10.2004, 04:51
- Nochmal Gender Mainstreaming -
Chrissi,
17.10.2004, 00:39
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Jolanda,
17.10.2004, 04:51
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Odin,
17.10.2004, 17:53
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Jolanda,
18.10.2004, 05:04
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Nick,
18.10.2004, 09:58
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Jolanda, 18.10.2004, 19:00
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Sven75,
18.10.2004, 13:26
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Arne Hoffmann,
18.10.2004, 14:55
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Freeman, 18.10.2004, 21:53
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Nick,
18.10.2004, 09:58
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Jolanda,
18.10.2004, 05:04
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17.10.2004, 22:58
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17.10.2004, 17:53
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- Nochmal Gender Mainstreaming -
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- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Eugen Prinz, 16.10.2004, 13:13
- Gender Mainstreaming - oder die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft - Sven, 15.10.2004, 18:02
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming - Max, 17.10.2004, 00:55
- Re: Nochmal Gender Mainstreaming -
Martin,
15.10.2004, 17:10