Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Nochmal Gender Mainstreaming

Nick, Monday, 18.10.2004, 09:58 (vor 7781 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Nochmal Gender Mainstreaming von Jolanda am 18. Oktober 2004 02:04:18:

Liebe Jolanda,

ich schreib dir hier mal auf, warum ich so prinzipiell gegen Gender-Mainstreaming eingestellt bin - und warum ich es (leider) für so wichtig halte, sich ein klares Urteil darüber zu bilden. Warum also auch die Diskussion darüber meiner Ansicht nach so eminent wichtig ist.

GM ist nicht deshalb abzulehnen, weil es nur die Frauen bevorzugen würde. Das ist in der Tat formal nicht so. Es ist wirklich geschlechtsneutral formuliert. Aber darin liegt überhaupt nichts Positives. Es ist dennoch (bzw. gerade deswegen) ein Mittel, den Geschlechterkrieg noch weiter anzuheizen, ihn gewissermaßen von Staats wegen zum ideologischen Hauptprojekt für jeden einzelnen Bürger zu machen, ob der nun will oder nicht, indem einfach alle Intimbeziehungen restlos bürokratisiert, "gemessen", "geregelt" und gesetzlich "administriert" werden und die Liebe so zu einem öffentlichen Zankobjekt unter staatlicher Oberaufsicht pervertiert wird.

Das würde für die allermeisten Menschen das endgültige Ende der Liebe bedeuten, ja des Privaten überhaupt. Der Gedanke ist dermaßen monströs und atemberaubend unverschämt, daß es für mich einfach keine Alternative gibt, als gegen diese Endform der "Politisierung des Privaten", wie sie sich die linken Durchmaschierer seit Jahrzehnten erträumen, Sturm zu laufen!

"Feminismus" ist dagegen sozusagen nur ein kleines Vorgeplänkel gewesen. Es geht bei GM erkennbar um viel mehr: Macht und Kontrolle über jede Lebensäußerung, selbst noch und gerade im innersten Kern des Privaten, zu erlangen. Die verlogenen Phrasen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sollen einen bloß nicht täuschen und hinters Licht führen.

Denk doch mal nach: Jede staatliche Maßnahme soll auf ihre Auswirkungen auf die Beziehungen der Geschlechter untersucht werden? Das heißt doch im Klartext nichts anderes, als daß umgekehrt jede intime Beziehung zum Gegenstand staatlicher Kontrolle wird und damit entsprechende bürokratische "Maßnahmen" legitimiert.

Was das konkret bedeutet, kann ich beruflich jeden Tag am Beispiel der realen Praxis beim sog. 'Gewaltschutzgesetz' studieren. Das ist schließlich auch "geschlechtsneutral formuliert". GM ist in seiner perfiden ideologischen Heimtücke totalitärer als alle bisherigen Versuche, das menschliche Individuum in den Griff zu bekommen und seine Personalität vollkommen zu brechen. Den Männern, die es mit dem Gewaltschutzgesetz zu tun bekommen (und die mehrheitlich absolut keine "Schläger" sind!), erleiden das heute schon, ähnlich wie die abgezockten und entsorgten Väter, nur noch stiller und demütigender, unter dem allgemeinem "Applaus der Leute", die ja mehrheitlich ganz treuherzig denken, daß mit diesem Gesetz etwas sehr Gutes erreicht wird: "die armen Frauen beschützen".

GM bedeutet, Irrsin solcher Art zur allgemeinen Regel zu machen und die Leute dazu zu bringen, das dennoch für "gerecht", "fortschrittlich", "frei" und sonstwas zu halten. Der Mensch ist dazu fähig, den allergrößten Unsinn für "prima" zu halten, wenn man es nur oft und eindringlich genug behauptet, für entsprechende (mediale!) "Stimmung" sorgt und ab und zu kleine Zuckerstückchen unters meinende, findende und jubelnde Volk wirft. Man wird vergessen bzw. gar nicht erst durchschauen, wer eigentlich der wahre Verursacher des Zwists ist, in dem man sich dauernd befindet, sondern "brav" die Ehefrau / Freundin / Mann /Geliebten etc... als den bösen Feind betrachten, der an allem Elend schuld ist. Eine Art Hexenwahn also, bei dem keiner mehr durchblickt, wie er eigentlich entstanden ist und warum es bloß pötzlich überall soviele hexerische Bedrohungen gibt, die nichts als Panik erzeugen, überall auf der Welt und sogar im allerengsten persönlichen Kreis...

Kann man sich bei solchen Aussichten trotzdem auf GM beziehen, wenigstens taktisch, um es "im eigenen Sinne auszunutzen", wie manche hier meinen? Jeder taktische Umgang damit müßte dann aber auch die hinterhältige Herrschaftsintention dieses Ideologiekonstruktes immer glasklar berücksichtigen. Gerade da bin ich aber mehr als bloß skeptisch. Die Erfahrung lehrt mich, daß der Freiheitsdrang der Menschen höchst unterschiedlich entwickelt ist. Es gibt immer genügend Leute, die eine "Erleichterung ihrer Sklaverei" als völlig ausreichend betrachten, weil sie sich sowieso gerne unterwerfen, wenn sie sich nur einen Vorteil davon ausrechnen. Genau denen erscheint dann notwendigerweise jeder, der die Kontrolle seines Privatlebens überhaupt und rundweg ablehnt, als "Verräter", der ihnen ihre schönen Onkel-Tom-Erfolge ruiniert. GM trägt also von Beginn an auch dieses Element der Spaltung in sich.

Meine Parodie über das "Atem-Ministerium" habe ich keineswegs zur sinnfreien, allgemeinen Erheiterung geschrieben, sondern als ganz ernste Warnung und Analogie, wohin die Reise im Kern gehen soll. Liebe ist genauso intim und persönlich, wie das Atmen. Deswegen braucht es bei beidem keine staatlichen "Regelungen". Das gälte es also wohl doch alles sehr sorgfältig zu durchdenken, oder nicht? Sonst endet man tatsächlich am Ende als "Onkel Tom" - auch wenn man das gar nicht beabsichtigt hat.

Den allerwenigsten hier will ich natürlich eine bewußte, hinterhältige Absicht unterstellen, wenn sie sich nun auf GM einlassen möchten und sich etwas davon versprechen. Aber ich möchte auch die gerne davon überzeugen, warum man das vielleicht besser lassen sollte.

Mehr kann ich hier ja ohnehin nicht tun, als zu warnen und darzulegen, aus welchen Gründen ich das so sehe. Am Ende handelt sowieso jeder, wie er eben meint und findet. Also braucht man sich darüber nun wirklich nicht zu beklagen, daß ich GM so fundamental kritisiere. Die "Freiheit", sich freiwillig auszuliefern und den Gender-Study-Bürokraten in ihre Allmachtsansprüchen zu unterwerfen, die ist ja dadurch für keinen eingeschränkt.

Das "darf" jeder!
In der Tat...

Ganz liebe Grüße
vom Nick


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