Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

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ENDLICH! Wurde ja auch langsam Zeit! (Link inside)

Der Eman(n)ze, Friday, 06.08.2004, 23:35 (vor 7853 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Off Topic - Orthographische Konterrevolution - Hurra! von Ekki am 06. August 2004 13:06:51:

Hi!

Ich habe die klassische deutsche Rechtsschreibung auch durch sehr viel Lesen in der Kinder- und Jugendzeit erlernt und schrieb mühelos Einser in Diktaten und Aufsätzen.

Das Auftauchen neuer Schreibweisen Ende 90er Jahre bereitete mir intuitiv große Bauchschmerzen. Bald begriff ich, daß durch die willkürliche Zwangs-Getrenntschreibung und die ersatzlose Streichung zusammengeschriebener Varianten die Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Schriftsprache stark eingeschränkt wurden. Zahlreiche natürlich gewachsene Varianten haben nämlich - je nach Schreibweise - eine ganz unterschiedliche Bedeutung.

Die Einebnung dieser Unterschiede führte zu einem erschwerten Textverständnis oder sogar zu total mißverständlichen Sätzen.

"Vor allem haben allein Erziehende Probleme, Beruf und Kinderbetreuung [...]" -> Haben Alleinerziehende diese Probleme, oder Erziehende, die sich ausschließlich dieser Tätigkeit widmen, also allein Erziehende?

Es gibt noch viel krassere Varianten, die mir aber spontan nicht mehr einfallen, da die Zeitungen diesen Wahn etwas zurückgefahren haben und die "Rechtschreibkommission" unzählige schleichende Demontagen der "neuen Regeln" durchführten (Wiedereinführung "alter" Schreibweisen), was natürlich zum schnellen Verfall der jeweis aktuellen Duden- und Wörterbuchausgaben mit den "neuen Regeln" (*LOL*) führte.

Ein Thema für sich ist die Einführung des ss nach kurzem Vokal. Auf dem ersten Blick logisch, aber in zweierlei Hinsicht zum Scheitern verurteilt: Zum einen konnte diese Regel niemals konsequent umgesetzt werden ("Tipp", aber nicht "Topp" oder "Buss") und führte die erhoffte Lernerleichterung ad absurdum. Zum andern wurden ja zusammengesetzte Substantive beibehalten. Da nun ss auch am Wortende vorkommen konnte, trat in der deutschen Sprache als einzigste der Welt das sss auf, das sowohl unästhetisch ist als auch schwer leserlich war, z.B. "Messserie". Aber auch das bloße Verschwinden des ß am Wortende kann bei zusammengesetzten Substantiven die Leserlichkeit erschweren, bis hin zur Mißverständlichkeit, denn das ß als harter Vokal am Wortende hatte bisher auch eine Signalwirkung für die "Wortfuge": "Messergebnis" -> "Messer...?" vs. "Meßergebnis"

Alles in allem:

Herzlichen Glückwunsch zu Eurer Mündigkeit, Ihr Redaktionen und Verlage

Zwischen dieser "von oben" verordneten kultusbürokratischen Rechtschreibreform und der politisch korrekten Femokratie gibt es m.E. viele Parallelen. Beharrlichkeit unzähliger Gelehrter und Normalsterblicher sind sicher mitverantwortlich für das Kippen dieses Unsinns. Seiten, die ich schon seit 3 Jahren kenne, zeugen vom Widerstand und von der Bedeutung des relativ unzensierten Mediums Internet:

http://www.rechtschreibreform.com
http://www.rechtschreibreform-neindanke.de

Laßt und dies ein Lehrstück sein!

In Hochstimmung :-)

Der Eman(n)ze


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