Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Du täuscht Dich. Ich kenne ihn seit einem Jahr.

Garfield, Monday, 26.04.2004, 22:34 (vor 7956 Tagen) @ Jens

Als Antwort auf: Re: Du täuscht Dich. Ich kenne ihn seit einem Jahr. von Jens am 26. April 2004 10:02:19:

Hallo Jens!

Ich sehe es nicht so, daß der Radikalfeminismus die Hauptursache für heutige Diskriminierungen von Männern ist.

Radikalfeministinnen und Radikalmaskulisten hat es schon immer gegeben. Schon aus der Antike sind Pamphlete von Leuten überliefert, die das jeweils andere Geschlecht verunglimpft und das eigene Geschlecht verherrlicht haben.

Der Unterschied zu heute bestand nur darin, daß in früheren Zeiten die meisten Menschen gar nicht lesen konnten und solche Machwerke somit auf die breite Masse des Volkes keine Wirkung hatten. Auch war es damals nicht so einfach, die Menschen durch Reden zu beeinflussen. Es gab weder Radio noch Fernsehen, es gab keine schnellen Beförderungsmittel, so daß man schon zu Fuß losstiefeln mußte, um seine Ansichten unter's Volk zu bringen. Das setzte jedoch voraus, daß man sein Hab und Gut im Stich ließ und sich seinen Lebensunterhalt irgendwie unterwegs erbetteln oder erarbeiten mußte. Davor schreckten viele Leute zurück.

Daß der Radikalfeminismus sich so sehr in der Gesellschaft etablieren konnte, verdankt er jedoch keineswegs nur den modernen Medien. Es kamen noch zwei andere Gründe dazu:

Der erste ist auch schon uralt. Schon seit Urzeiten gab es eine Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, die in früheren Zeiten tatsächlich überlebenswichtig war. Um sicherzustellen, daß auch alle Menschen sich möglichst daran halten, wurden gesellschaftliche Normen und Klischees etabliert. Laut diesen Klischees mußten Männer immer aktiv und stark sein, und sie durften niemals Opfer sein. Damit sie Frauen und Kinder möglichst gut vor den Gefahren aus der Umwelt abschirmen konnten. Frauen dagegen durften immer Opfer sein und in dieser Situation jegliche Unterstützung einfordern.

Solange sie das im privaten Umfeld taten, wirkte sich das zwar auf die Partnerschaften oder Ehen aus, auf die Gesellschaft jedoch nicht direkt. Die modernen Möglichkeiten gaben Frauen dann in der Neuzeit die Möglichkeit, sich auch öffentlich ausgiebig zu beklagen. Männern ist dasselbe bis heute weitgehend verwehrt. Nach wie vor werden männliche Opfer ignoriert oder sogar verhöhnt. Als Opfer von Kriegen, Attentaten oder Naturkatastophen erwähnt man sie nur am Rande oder gar nicht, und wenn sie gegen sie betreffende Ungerechtigkeiten protestieren, beschimpft man sie als Memmen und Jammerlappen. Durch diese einseitige öffentliche Darstellung wurde der Opferstatus des weiblichen Geschlechts erst so richtig in der Gesellschaft etabliert.

Dann kam noch die Werbung dazu. Die betrachtet bei vielen Produkten Frauen als die hauptsächliche Zielgruppe. Es ist eine Grundregel der Werbung, bei den potenziellen Kunden positive Assoziationen zu wecken. Das schafft man z.B., indem man sie richtig schön bauchpinselt, so nach dem Motto "du bist toll, du bist allen überlegen, es ist alles prima, du kannst uns ruhig dein Geld geben, und mit unserem Produkt wirst du noch toller werden".

Viele Fernseh- und Radiosender und viele Zeitschriften erwirtschaften ihre finanziellen Einnahmen vor allem durch Werbung. Also sind sie natürlich bestrebt, für diese Werbung genau das Rahmenprogramm zu schaffen, das die bevorzugte Zielgruppe anzieht. Deshalb stoßen sie in dasselbe Horn wie die Werbung und bauchpinseln ebenfalls fleißig die Frauen.

Es gibt durchaus auch Fernsehsendungen, die eher frauen- als männerfeindliche Aussagen haben, wie z.B. die "Freitagnacht-News". Das sind oft Sendungen, die spät abends laufen - da rechnet man nämlich damit, daß zu der Zeit überwiegend Männer vor dem Fernseher sitzen (weshalb dann auch immer Telefonsex-Werbung läuft). Zu den Hauptsendezeiten strahlt man aber lieber Sendungen aus, die Frauen verherrlichen. Dann sitzt die Masse der Bevölkerung vor den Fernseher, und die werden dann allesamt damit berieselt. Auch die Kinder. Die erfahren dann aus den Medien, daß Frauen viel besser darin wären, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, daß Frauen friedliebender und weniger gewalttätig wären, daß Frauen überall ganz schlimm von den bösen Männern mißhandelt werden, daß sie ja überhaupt die besseren Menschen wären und daß ihnen somit auch die Zukunft gehören würde, auch weil Männer aufgrund des angeblich degenerierten Y-Chromosoms sowieso bald aussterben...

Der Feminismus hat nun nichts weiter getan, als auf diesen Zug aufzuspringen und das alles für seine Zwecke auszunutzen. Natürlich war da von Anfang an eine gewisse Wechselwirkung zwischen Werbe-Medien und Feminismus da. Die Medien griffen so manche Behauptung von Radikalfeministinnen willig auf, was Radikalfeministinnen dann wiederum in ihrem Schwachsinn bestätigte. Aber auch die Behauptungen von Radikalfeministinnen beruhen häufig auf uralten Dogmen, die viel älter sind als die uns bekannte Frauenbewegung.

Deshalb kann man das Problem auch nicht nur dadurch lösen, daß man gegen Radikalfeministinnen vorgeht. Natürlich muß man den Unsinn ihrer Behauptungen aufzeigen, so oft man Gelegenheit dazu bekommt. Aber das allein reicht nicht. Man muß auch sonst gegen alle die uralten Dogmen und Klischees angehen, und auch Männer müssen diese Dogmen und Klischees aus ihren Köpfen herausbekommen.

Feministinnen haben ihre gesellschaftlichen Machtpositionen immer vor allem durch die Bereitwilligkeit der Männer bekommen. Wenn die Mehrheit der Männer sie endlich fallen lassen und ihr Gejammer und Geheul ignorieren würde, dann wäre sehr schnell Schluß mit dem ganzen Blödsinn. Denn wieviel Unterstützung der Feminismus von Frauen bekommt, zeigen z.B. die Wahlergebnisse der "Feministischen Partei" und auch Umfragen unter Frauen, die regelmäßig ergeben, daß viele Frauen bei Wahlen männliche Kandidaten bevorzugen.

Und wenn Männer die alten Rollen-Klischees aufbrechen wollen, dann müssen sie bereit sein, auch außerhalb des Berufslebens für sich selbst zu sorgen. Wer nicht einmal weiß, wie man eine Waschmaschine bedient, wird zeitlebens von seiner Partnerin abhängig sein. Aber die jüngere Männer-Generation hat sich in der Hinsicht doch schon weitgehend emanzipiert, und auch das läßt hoffen, daß zumindest das Klischee vom faulen, egoistischen Mann, der seine Frau für sich putzen läßt und sie so an einer eigenen Karriere hindert, durch die Realität auch fast für den letzten Hohlkopf bald eindeutig überholt sein wird.

Freundliche Grüße
von Garfield



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