Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Weiter im Interview

Simon, Friday, 19.09.2003, 17:22 (vor 8174 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Re: Weiter im Interview von Xenia am 19. September 2003 12:11:19:

Pervertierte, naturfremde Situation? Wer ist denn hier wohl krank! Warum ist es keine pervertierte Situation, wenn der Mann der Rudelführer ist. Und was ist das überhaupt für eine Auffassung? Rudelführer? Was sind wir, Wölfe? So ein Schmarrn!

Da geb ich Dir ausnahmsweise recht, hier habe auch ich den Kopf geschüttelt.

Und was das naturfremde angeht: soll er mir doch bitte mal sagen, woher ER weiß, was natürlich ist, das würde ich doch gerne mal wissen. Wo bleibt denn da die Beachtung der tatsache, dass der Mensch gar nicht wissen *kann* was natürlich ist, weil er alles immer durch seine subjektive menschliche Brille sieht?

Ganz so radikalkonstruktivistisch sehe ich die Sache allerdings nicht. Was "natürlich" ist, ist der Gegenstand der Naturwissenschaft. Und daß diese kein gar so falsches Bild der Natur liefert, beweist ihre erfolgreiche Anwendung, etwa in Technik und Medizin. Kein Auto würde fahren und keine Blinddarmoperation gelingen, lieferte die Wissenschaft kein einigermaßen angemessenes Bild von "der Natur", weshalb man die Anführungszeichen eben auch weglassen kann.

Eheliche Zugewinngemeinschaft und Monogamie passen nur zur alten
Rollenteilung. Es war richtig und notwendig, die Frau via Gesetz zu
schützen, da sie ja damals wenige Möglichkeiten hatte, ihre Existenz zu
gewährleisten und zu sichern, geschweige denn sich als Individuum zu
entfalten.

Bitte, das schreibt euch mal hinter die Ohren, wenn ihr schon den ganzen andern Unsinn von dem Typen glaubt, dann bitte sehr auch DAS hier!

Er erzählt doch von vergangenen und überwundenen gesellschaftlichen Verhältnissen. Wo ist die Kontroverse?

Viele Männer erklärten
bei einer Umfrage, die Frauen seien die wichtigste Quelle für
Geborgenheit, Liebe und Glück. Diese Bedürftigkeit des Mannes gesteigert
durch die auf Grund der vorherrschenden Monogamie entstandene
Verknappung von Sexualität und Erotik verleiht der Frau eine ungeheure
Macht.

Das ist das Dumme, dass ihr euch sowas eingeredet habt. Ihr habt eindeutig den Zug vepasst, während sich die meisten Frauen bereits von der Vorstellung gelöst haben, dass zum Glück auf jeden Fall ein Mann gehört, hängt ihr (ausser ferdi natürlich) anscheinend immer noch diesem Ideal nach. Lasst das mal sein, ihr könnt auch ganz gut ohne Frauen leben.

Die Frage ist nur, ob man das will, und warum man das wollen soll, bzw. warum man sich einzureden gezwungen ist, etwas zu nicht zu wollen, was man nur unter Schwierigkeiten kriegen kann, warum also die zu hoch hängenden Trauben eh nur sauer sein können. Zu den Frauen, die ohne Mann gar so glücklich zu leben imstande sind, sage ich mit Nietzsche: Sie müßten mir getrösteter aussehen. Klar kann ein Mann ohne eine Frau und eine Frau ohne einen Mann glücklich werden, wenn darunter eine feste, monogame Dauerbeziehung zu verstehen ist, die ich keineswegs propagiere. Aber gänzlich ohne Sexualität, Erotik und Zärtlichkeit zu leben, erscheint mir und den meisten Menschen wenig wünschenswert. Sicherlich kann man auch von Wasser und trocken Brot leben, aber warum soll man das wollen?

Zu der Verknappung von Sexualität und Erotik: Da lachen ja die Schwarzers, also bitte, unsere Gesellschaft ist durch und durch seuxalisiert! Erotik gibts heute schon in der Fernsehwerbung, und dann sind da immer noch die vielen, vielen Prostituierten, die von Männern, denen Erotik und Sexualität wohl auch zu knapp kommt, besucht werden. Einen Mangel daran gibt es sicherlich nicht.

Erotik in der Werbung funktioniert und Prostitution floriert doch gerade deswegen, weil Sexualität in normalen zwischenmenschlichen Umgang radikal verknappt wird. Der Mangel treibt die Männer zu Prostituierten und vor den Fernseher, MTV gucken u. dgl., so einfach ist das. Man könnte sagen (und irgendjemand hat's schonmal gesagt, ich komme nur grad nicht drauf, wer), die Gesellschaft ist durch und durch sexualisiert, nur die Sexualität ist entsexualisiert.

Und ihre Machtposition wir immer wieder bestätigt und verstärkt,
wenn sie die begehrlichen Blicke sieht, ständig von den Männern
angemacht wird, und wenn sie es sich erlauben kann, Körbe auszuteilen.

Von was für einer Frau redet der eigentlich? Sicherlich nicht von der durchschnittlichen Frau von nebenan. Und Bunnys zählen nicht, das sind keine Prototypen. Und die Frauen, die tatsächlich ständig angemacht werden, sind davon nach einiger Zeit ziemlich angenervt.

Die genervte Klage über ständige Anmache hat aber immer auch einen Subtext: Hört mal alle her, wie begehrenswert ich bin, so sehr, daß alle mit mir schlafen wollen. Die Klage über Anmache befriedigt mithin auch ein narzißtisches Bedürfnis und klingt unter diesem Gesichtspunkt oft unangenehm kokett. Was würdest Du sagen, wenn ein durchschnittlich gutaussehender Mann sich über permanente Anmache durch Frauen beklagen würde? Nähmest Du sein Problem so ganz ernst? Siehst Du. Und das weibliche Körbeverteilen ist nunmal Realität, da die Rollen im Balzverhalten immer noch klar festgelegt sind: der Mann hat der Aktive, Werbende zu sein, ist er's nicht, passiert gar nichts, die Frau ist die Abwartende, Prüfende. Da sind die starken, unabhängigen Frauen von heute so gar nicht bereit, traditionelles Verhalten aufzugeben. Lieber ohne Männer leben als selber mal aktiv werden.

Meyer:Fast alle Erfindungen dieser Welt sind von Männern gemacht worden.
Ohne uns würden die Frauen im Neandertalzeitalter leben, sie müssten
wieder in Höhlen hausen oder auf Bäumen Nistplätze schaffen. Ohne uns
gäbe es weder Telefon noch Fax, noch Computer, es gäbe keine Autos und
kein Flugzeug, es gäbe keinen Kühlschrank und keine Waschmaschine

Wenn es kein Mann erfunden hätte, dann hätte es eine Frau getan - so simpel.

Tja, hamse aber nicht. Wenn Einstein mir nicht dummerweise zuvorgekommen wäre, hätte ich die Relativitätstheorie entwickelt, hätte es Joyce nicht schon getan, hätte ich den Ulysses geschrieben. Komischerweise habe ich das Argument noch nie umgekehrt gehört: Wenn Männer nicht Kriege geführt, Kontinente unterjocht, Arbeiter ausgebeutet, ihre Partner geprügelt, vergewaltigt und ausgenutzt hätten, dann hätten es eben Frauen getan - so simpel?

es
gäbe niemanden mehr, der irgendwas reparieren könnte,

Na klar, Frauen sind ja soooo unselbständig, die können nicht mal enen Reifen wechseln...

Können schon, aber wenn's ein Mann für sie tut, umso besser. (Übrigens kann ich auch keinen Reifen wechseln, ist keine Schande *g*).

niemand mehr dem
sie die Schuld für ihr eigenes Versagen in die Schuhe schieben könnte,

Natürlich, andere Frauen z.B. ...

Zum Beispiel.

und es gäbe niemand mehr, der sie seelisch auffängt, beruhigt, drückt,
begehrt und für sie durchs Feuer geht.

Für sowas kann man immer noch lesbisch werden - oder man schafft sich einen Hund an.

Etwas komplexer verläuft die psychosexuelle Entwicklung dann doch, als daß man einfach so mal eben per Willensakt seine sexuelle Orientierung wechseln und "lesbisch werden" könnte. Und wenn Du Deine emotionalen Bedürfnisse mit einem Hund befriedigen willst - bitteschön. Eine reife und gelungene Objektbeziehung sieht anders aus.

2. Er muss der Frau Grenzen setzen, sonst tanzt sie ihm auf der Nase rum
und ufert mit ihren Forderungen aus. Sie testet zuerst einmal aus, wie
weit sie gehen kann. Wenn der Mann alles zulässt und sich dabei selbst
verleugnet, verliert sie den Respekt vor ihm.

Interessant, dass hier von der Frau, wie von einem Kind geredet wird, das hatten wir doch schonmal alles ...

Frauen, die sich wie Kinder verhalten, dürfen sich nicht wundern, wenn über sie wie von Kindern geredet wird.

4. Es wäre günstig für ihn, von der Partnerin in Bezug auf Versorgung
und auch sexuell unabhängiger zu werden. Dies kann durch die
Organisation "Essen auf Rädern",

Warum lernt der Schmockes nicht einfach selber kochen?

Vielleicht hat er keine Zeit oder Lust, neben einem full-time-Job auch noch zu kochen. Und ob man essen geht oder sich's liefern läßt, ist doch gleichgültig. Wenn dort statt "Essen auf Rädern" "Pizzaservice" gestanden hätte, wärest Du dann ebenso konsterniert? Wohl nicht, denn bei "Essen auf Rädern" läuft die Assoziationskette so: Sozialbereich -> Frauenarbeit -> schlechte Bezahlung -> Ausbeutung von Frauen durch Männer. Beim Pizzaservice verläuft die Assoziationskette nicht so, obwohl es in der Sache nichts anderes ist.

... oder ganz einfach akzeptieren, dass man in einer Beziehung *immer* ein gewisses Maß an Abhängigkeit hat - da kommt weder Mann noch Frau drumherum.

Das klingt doch mal vernünftig *g*


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