Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: metrosexuell

Garfield, Wednesday, 13.08.2003, 16:14 (vor 8211 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: metrosexuell von Andreas am 13. August 2003 12:24:41:

Hallo Andreas!

Das sehe ich ganz genauso. Auch bei meiner Verlobten (die mit Feminismus usw. eigentlich nichts am Hut hat) merke ich das ab und zu deutlich.

Z.B. einmal im Urlaub:

Wir saßen an einer Bushaltestelle, und ein alter Mann kam dazu. Er stellte sich zu uns und fing plötzlich an zu reden. Ich hab erstmal kaum etwas verstanden. Der Typ nuschelte so komisch und sabberte dabei auch noch ständig. Ich dachte zunächst, der wäre geistig behindert, aber dann roch ich, daß er eine Fahne hatte, und er nahm dann auch gleich noch einen Schluck aus einem Flachmann, den er wohl ständig in der Tasche bei sich trug.

Er redete meist mit mir und sah dabei immer wieder zu meiner Verlobten rüber. Ich verstand schließlich irgendwas mit "Liebeskummer", und dann konnte ich mir das Gefasel soweit zusammen reimen, daß er wohl der Meinung war, daß meine Verlobte etwas zuviel Gewicht hätte. Er redete weiter auf uns ein und meinte dann, wie wären bestimmt reiche Politiker oder Kinder reicher Unternehmer, denn hier würden ja eh nur Millionäre Urlaub machen. So ging das eine Zeitlang weiter. Ich fragte ihn, wieso er uns überhaupt die ganze Zeit von der Seite anquatscht, aber er brabbelte fröhlich weiter, wobei die Hälfte aber unverständlich war. Der Typ war für mich einfach eine Witzfigur, und ich sah nicht ein, wieso ich mich mit dem irgendwie unterhalten oder sonst irgendwie Zeit mit dem verschwenden sollte. Ich hab den dann einfach ignoriert, dann kam der Bus, und wir sind eingestiegen.

Meine Verlobte war stinksauer. Vor allem wohl wegen den Bemerkungen, die der Greis wegen ihrer Figur gemacht hatte. Vorher hatte sie kein Wort gesagt, aber jetzt im Bus regte sie sich auf einmal total auf. Was dem Typen denn einfallen würde, wildfremde Leute zu belästigen... Sie meinte dann noch, daß wir einen Kumpel ihres Bruders hätten dabei haben müssen. Der hätte den Typen bestimmt so verprügelt, daß der nie wieder irgendjemanden dumm angequatscht hätte. Das richtete sich natürlich an mich, denn offenbar sah sie es so, daß ich den Typen nun sofort hätte zusammen prügeln müssen.

Ich hab aber keinen Bock darauf, besoffene Penner zu verprügeln und mich von denen womöglich noch vollkotzen zu lassen, nur um so männlich zu wirken. Sie hätte dem Typen ja vorher an der Bushaltestelle ihre Meinung sagen können. Da hat sie aber nichts gesagt und stattdessen stillschweigend erwartet, daß ich da nun als "echter Kerl" dem Typen sofort eine in die Fresse haue.

Sowas ist mir schon bei vielen Frauen aufgefallen. Es sind immer solche unterschwelligen Erwartungen da. Ein Mann muß eben immer noch der "echte Kerl" sein, der sich auch mal prügelt und sich auch mal daneben benimmt. Das wird dann zwar vielleicht getadelt, tatsächlich denkt frau aber ganz anders darüber. Wenn ein Mann diesen Klischees nicht entspricht, wird das zwar oft positiv kommentiert, tatsächlich wird es aber negativ wahrgenommen.

Viele Frauen sagen ja heute auch, daß sie Hausmänner toll und fortschrittlich fänden - laut Statistik ist die Scheidungsrate in Ehen, wo er Hausmann ist und sie arbeitet, aber besonders hoch.

Das Problem besteht eben darin, daß wir alle tief in unserem Inneren nach wie vor die Jäger und Sammler sind, als die wie Millionen Jahre lang gelebt haben. Männern wird das ständig vorgeworfen. Es ist heute sehr modern, Männer als Neanderthaler oder Steinzeitmenschen zu bezeichnen. Übersehen wird dabei gern, daß Frauen da auch nicht anders sind. In ihnen stecken eben auch noch sämtliche uralten Vorstellungen tief drin, und das kriegt man nicht einfach in ein paar Jahrzehnten raus.

Freundliche Grüße
von Garfield


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