Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: metrosexuell

Ferdi, Wednesday, 13.08.2003, 12:48 (vor 8211 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Vom Anlesben und Körbe geben... von Andreas am 13. August 2003 07:47:07:

Hallo Andreas!

Im Prinzip, in der Sache gebe ich Dir 100% recht. Aber: Ich weiß nicht, wer Frauen das Recht gibt, darüber zu entscheiden, was männlich ist und was nicht. Andreas, das sind nicht die Frauen, die darüber entscheiden. Das sind die Männer selbst. Die grenzen nämlich einen Mann, der von von den Männern festgelegten Männlichkeitsrollenklischees abweicht, aus. Neulich tauchte ein neues Schlagwort in der Presse auf: "metrosexuell". Definiert wird das damit, dass ein Mensch dann metrosexuell ist, wenn er die allzu starren Geschlechterrollenklischees verlässt und den Zwischenraum zwischen diesen Geschlechterrollen nutzt, entdeckt und ausfüllt. Dabei handelt es sich ausschliesslich um heterosexuelle Menschen. Der Begriff definiert nämlich keine sexuelle Orientierung, sondern Verhaltensweisen. Für Männer bedeutet das: Männer, die sich pflegen, die auf ihr Aussehen achten, die Kosmetika benutzen (die sonst vorwiegend von Frauen benutzt werden), die sich die Nägel lackieren und Schmuck tragen, die sich also in ihrer Verhaltensweise dem anderen Geschlecht annähern, sind metrosexuell. Ich trage zwar keinen Schmuck und lackiere mir auch nicht die Nägel, aber ich trage Röcke und rasiere mir die Beine, weils besser und gepflegter aussieht. Ich bin also auch metrosexuell. Ganz bestimmte Männer, die vorwiegend aus Ländern kommen, die südöstlich von uns liegen und die in einer anderen, streng patriarchalischen Religionskultur aufgewachsen sind, die haben damit Probleme. Das erlebe ich immer wieder, es ist eine sehr interessante Beobachtung. Die andere Gruppe Männer, die damit Probleme haben, sind die vom Typ "promillegetesteter Kampftrinker". Die identifizieren nämlich Männlichkeit mit ihrer prolligen Auftrittsweise, ihrem ungepflegten Aussehen (verschwitztes, verdrecktes T-Shirt, speckige Vokuhila-"Frisur", Gorillabehaarung) und ihrem niveaulosen Herumgelaber, sowie mit ihrer Trinkfestigkeit. Die halten alles, was sich nicht so verhält und was nicht so auftritt, für unmännliche Weicheier. Erst recht einen Mann, der einen Rock trägt, und sei es nur ein harmloser, neutraler Jeansrock. Nebenbei gesagt, ich amüsiere mich über diese Typen, wie sie verzweifelt in ihrem selbstfabrizierten Rollenkäfig herumtoben, wie weiland Gerhard Schröder an den virtuellen Gitterstäben rütteln und grölen: "Ich will auch, ich will hier raus!" - und jeden beneiden, der die ihm zustehenden individuellen Freiheiten auch in Anspruch nimmt und nutzt.

Die Frauen bringen metrosexuellen Männern sehr viel Sympathie entgegen, was sehr wohltuend für einen Mann ist. Allerdings: Wenn es um Ehe geht, dann bevorzugen sie doch lieber den oben beschriebenen Macho-Typ. Das scheint wirklich ein Relikt aus der Urzeit der Entstehung der Menschheit zu sein.

Metrosexuell sein bedeutet für mich also: befreit sein von unsinnigen Rollenzwängen, sich im wahrsten Sinne des Wortes emanzipiert zu haben und seine Persönlichkeit und Individualität ungehindert zu entfalten. Dass dabei ein sehr hoher Grad an Zufriedenheit mit sich selbst und mit der menschlichen Umwelt eintritt, liegt auf der Hand. Diese innere Zufriedenheit und daraus erwachsende Selbstsicherheit erzeugt eine Ausstrahlung, die man bewusst nicht steuern oder herbeiführen kann, die aber auf Frauen sehr anziehend wirkt. Deswegen äusserten sich Frauen, die zum Thema Metrosexualität interviewt wurden, auch so begeistert darüber.

Ich jedenfalls bin gerne metrosexuell, fühle mich dabei saupudelwohl und - nebenbei gesagt - macht mich das auch unabhängig von den sogenannten "weiblichen Waffen". Das Anbaggern und Herumbuhlen um die Gunst der Frauen überlasse ich getrost den oben beschriebenen Macho-Typen. Zu mir kommen Frauen von selbst - und dann sogar die richtigen, die typmässig zu mir passen. Booah Manta ey und Frisöse drin ist bei mir nicht!;-)

Schöne Grüsse,
Ferdi

General-Anzeiger Bonn über Metrosexualität


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