Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Spitzbube

Garfield, Monday, 28.07.2003, 14:21 (vor 8227 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Spitzbube von Jolanda am 26. Juli 2003 21:36:56:

Hallo Jolanda!

Ich finde den Vergleich von Frauen, die in früheren Jahrhunderten studieren wollten, mit Männern, die heute Kindergärtner werden möchten, gar nicht unpassend.

Wieso hältst du das nicht für vergleichbar? Weil ein Studium eine höhere Bedeutung hat? Früher hatte ein Studium aber nicht dieselbe Bedeutung wie heute. Früher konnte man in der Wissenschaft auch als Autodidakt ohne Universitäts-Studium akzeptiert werden. Früher mußte noch nicht einmal ein Arzt studiert haben.

Heute sieht das alles anders aus. Ab einer bestimmten Karriere-Stufe wird heute in vielen Unternehmen oftmals nicht nur ein Universitäts-Abschluß, sondern sogar ein Doktor-Titel vorausgesetzt. Das war aber früher eben anders. Ein Universitäts-Studium war damals nichts weiter als eine Möglichkeit, von bekannten Wissenschaftlern unterrichtet zu werden und dabei Kontakt zu vielen Gleichgesinnten zu haben. Man konnte in der Wissenschaft auch genauso viel durch Selbststudium erreichen.

Ja, die Eltern waren auch ein Hindernis, wenn eine junge Frau sich wissenschaftlich betätigen wollte. Es gab Klischees, nach denen Frauen dazu nicht fähig wären. Der Besuch von Schulen und Universitäten kostete die Eltern früher Geld, und das waren sie eben nicht bereit zu investieren, wenn sie der Meinung waren, daß es eh sinnlos war. Einem jungen Mann konnte es aber auch passieren, daß seine Eltern ihm eine bestimmte berufliche Laufbahn vorschrieben und ihm, wenn er etwas anderes machen wollte, die Unterstützung dafür verweigerten.

Dorothea Leporin hatte das Glück, von ihrem Vater gefördert zu werden. Interessanterweise waren es oft die Väter, die ihre Töchter in dieser Zeit dazu ermunterten, sich wissenschaftlich zu betätigen.

Heute gibt es immer noch Klischees, nach denen Männer nicht mit Kindern umgehen können oder sogar nur mit Kindern arbeiten möchten, um pädophile Neigungen ausleben zu können. Es ist noch gar nicht so lange her, daß in Deutschland ein Mann, der Kindergärtner werden wollte, dafür vor Gericht gehen mußte. Das ist durchaus vergleichbar mit den Klischees, die Frauen früher im Weg standen.

In beiden Fällen ist es so, daß ein großer Teil der Menschen der Meinung ist, daß da jemand etwas tun möchte, was er/sie nicht tun kann oder darf und daß man diesem Menschen deshalb eben Hindernisse in den Weg legt. Deshalb habe ich diesen Vergleich so gewählt.

Herzliche Grüße
von Garfield


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