Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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FOCUS-Titelthema Männerdiskriminierung

Arne Hoffmann, Monday, 07.04.2003, 11:45 (vor 8339 Tagen)

Howdy :-)

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Focus" hat drei Titelthemen: "Risiko Bagdad", die Seuche SARS und "Das bevorzugte Geschlecht. Die Unterdrückung der Frau ist nur ein Mythos!" Letzeres führt uns zu einem Artikel, der sich von den Seiten 118 bis 132 erstreckt. Der Untertitel hier: "Frauen, heißt es ständig, werden benachteiligt. Stimmt das wirklich fragten sich unabhängig voneinander ein israelischer und ein deutscher Forscher. Ihre Antwort: nein!"

Der folgende Artikel beginnt mit den Worten: "Wie es zugeht im Patriarchat, erfuhr der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann, 35, im Herbst 1998, als er mit seinem Manuskript zum Stand des Geschlechterkriegs bei hiesigen Buchherstellern vorsprach. 80 Verlage lehnten das Opus als `zu brisant´ oder `zu polarisierend´ ab. Schließlich ermannte sich ein Berliner Szeneverlag. Rezensionen? Fehlanzeige. - Was hatte der Mann aus dem Taunus da bloß verzapft? Ein Frauen verachtendes Machwerk? Eine sexistische Ketzerei? Eine absurde, durch nichts zu belegende Theorie? Ganz im Gegenteil. Hoffmanns Buch ist faktensatt (554 Belegquellen), es hat nur einen Makel: Sein Gegenstand ist die Benachteiligung von Männern. Emsig hat der Autor Belege zusammengetragen, um nachzuweisen, dass in unserer Gesellschaft `bestimmte aggressive Vorurteile´ gegen Männer gepflegt und Frauen dadurch priviliegiert würden. In diesen Tagen erhält der deutsche Maskulinist renommierten Flankenschutz ..." - von Professor Martin van Creveld nämlich, einem der international renommiertesten Historiker.

Verlassen wir einmal kurz den "Focus": Der Online-Buchhandlung Amazon zufolge ist Creveld "bekannt für seine klare historische Diagnostik. Deren Ergebnisse freilich sind für den unvorbereiteten Leser nicht selten eine einzige Provokation. Mit dem kühlen Gestus des Universalhistorikers wischt er, beinahe könnte man sagen rücksichtslos, überkommene Denkmuster beiseite. Gleichwohl oder gerade deswegen hat sein Wort in Fachkreisen und darüber hinaus erhebliches Gewicht. Der Professor an der Jerusalemer Hebrew-Universität ist viel gefragter Berater verschiedener Regierungen und in dieser Eigenschaft auch häufig Gast im Pentagon." (Von Bush hält Creveld allerdings nicht viel: "Es sieht so aus, als wacht der Bush jeden Tag auf und steckt eine Nadel in einer Weltkarte, welches Land und welches Volk soll ich heute bombardieren?") Creveld sagte schon lange vor den Anschlägen des 11. September die neue Gefahr des Megaterrorismus voraus und benannte einige neue Konzepte, die zu ihrer Bekämpfung notwendig sind.

Crevelds Buch erscheint im Gerling-Akademie-Verlag und wird von diesem wie folgt beschrieben:

"Die Unterdrückung der Frau ist eine in die Irre führende Legende des Feminismus.
Warum bezeichnet sich in den Vereinigten Staaten nur eine von drei Frauen als Feministin, während viele andere diesem Begriff extrem ablehnend gegenüberstehen? Warum haben von Florence Nightingale bis Simone de Beauvoir viele berühmte Frauen gesagt, dass sie nie unter den Benachteiligungen litten, die angeblich mit ihrem Geschlecht verbunden sind? Und weshalb ergeben Umfragen unter Frauen der verschiedensten Nationalitäten, dass die meisten von ihnen sich nicht diskriminiert fühlen?
Martin van Creveld hat mit seinem jüngsten Buch eine antifeministische Polemik verfaßt. Seine provokante These lautet: Frauen werden nicht unterdrückt und sind nie unterdrückt worden. Sie sind das eigentlich privilegierte Geschlecht und sind dies auch in der Vergangenheit immer gewesen.
Dazu führt Creveld zahlreiche Beispiele aus Geschichte und Gegenwart an. Als Kinder werden Frauen sanfter behandelt. Als Erwachsene stehen sie unter geringerem Druck, sich zu behaupten und ihren Verpflichtungen nachzukommen. Im Berufsalltag übernehmen sie weniger als die Hälfte der Arbeit. Und im Wirtschaftsleben sind sie oft in der beneidenswerten Situation, Geld ausgeben zu können, ohne es verdienen zu müssen.
Vor diesem Hintergrund ist es für Creveld plausibel, dass die meisten Frauen mit ihrem Los offenbar mehr und weniger zufrieden sind und dass nicht mehr Frauen ihre Kosmetika weggeworfen und ihre BHs verbrannt haben, um in die Blaumänner zu steigen und männliche Berufe auszuüben.
Die Botschaft am Ende seines Buches: Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn Frauen Männern auch nicht in jeder Hinsicht gleichkommen, so sind sie ihnen gegenüber doch in vielen anderen Dingen bevorzugt. Für jeden Nachteil, den sie erleiden müssen, gibt es ein Privileg, das sie allein genießen. Dafür sollten sie ein Bewusstsein entwickeln, um das Zusammenleben und das Verständnis zwischen den Geschlechtern zu erleichtern."

Inhaltsverzeichnis und nähere Verlags-Angaben:
<a href= http://www.gerling-academy-press.com/books/creveld1202.htm >Hier klicken[/link]

Crevelds Foto und das Cover seines Buches zieren die zitierte Startseite des "Focus"-Artikels, gleich darunter finden sich auch ein Foto von mir (aufgenommen auf der Treppe des hessischen Staatstheaters) samt dem Cover von "Sind Frauen bessere Menschen?" Jeder habe die Litaneien über weibliche Benachteiligung im Ohr, geht es weiter im Text. Crevelds und meiner Ansicht nach verhalte es sich aber exakt umgekehrt. "Die Belege, die beide Autoren für ihre Thesen anführen, sind Legion." Einige davon nennt der "Focus"-Artikel in Auswahl, etwa die kürzere Lebenserwartung für Männer, ihr Einsatz bei gefährlicheren, härteren und schmutzigeren Jobs, ihr größeres Risiko, das Opfer von Gewalttaten oder von Arbeitsunfällen zu werden, ihre Verwendung als Verfügungsmasse im Krieg, ihre relative Unterrepräsentanz (!) in der Politik, ihre Benachteiligung in der medizinischen Forschung, der Erziehung und im Justizsystem. Auch das Sorge-Unrecht wird thematisiert und der Umstand, dass häusliche Gewalt zu mindestens gleichen Teilen oder aber sogar überwiegend von Frauen ausgehe, was aber hartnäckig tabuisiert werde. Verschiedene Studien werden hierzu genannt, und auch Professor Bock kommt wieder einmal kompetent zu Wort. Nicht unerwähnt bleibt, dass die vom Bundesfrauenministerium ausgeschriebene Studie zum Thema "Gewalt gegen Männer" an einen Berliner Verein geht, der nach eigenem Bekunden der "HERRschenden Männlichkeit" den Krieg erklärt habe. (Focus: "Man darf auf die übernächste Studie gespannt sein.") Schließlich geht es um Kindesmisshandlung durch Mütter, die feministische Vergewaltigungs-Hysterie und das "Crescendo der Männerbeschimpfung" auf dem Buchmarkt und in den Medien. Auch die schönsten Fascho-Scherze aus der "Emma" dürfen nicht fehlen ("Was ist ein Mann in Salzsäure? Ein gelöstes Problem. Was ist ein Mann im Knast? Artgerechte Haltung."), samt der Erwähnung, dass Alice Schwarzer für sowas das Bundesverdienstkreuz bekommen habe. Fotos mit passenden Unterzeilen ("Männer-Endlager" Soldatenfriedhof) und eine Statistik über den Frauenanteil in der Politik runden den Beitrag ab.

Der Artikel schließt mit einem Ausblick von uns beiden Autoren. Während ich an einer vernünftigen Diskussion Interesse habe und von einer Gesellschaft träume, die beiden Geschlechtern gerecht wird, hat Creveld schon aufgegeben: "Männer werden auch weiterhin alles tun, um Frauen ein leichteres, angenehmeres und längeres Leben zu ermöglichen." Das gehe aber auch in Ordnung; schließlich seien sie von einer Frau zur Welt gebracht worden. Nur ein kleines Dankeschön ab und zu, das fände der Israeli nett.

Es folgt ein längeres Interview mit Professor van Creveld, in dem er seine Thesen genauer darlegen kann. Die meiner Ansicht nach zentralen Passagen: "Es gibt keinen Beweis, dass das Leben der Frauen härter ist als das der Männer. Dieses Tatsache hat den Sozialhistoriker Edward Shorter dazu gebracht, von einer `Kluft´ zwischen der objektiven Situation der Frauen einerseits und ihrer subjektiven Wahrnehmung andererseits zu reden. Je fortschrittlicher ein Land ist und je privilegierter die Frauen, um so mehr bestätigt sich diese Kluft. Meiner Meinung nach lässt das eine einfache Erklärung zu: Während ein jammernder Mann Verachtung und Gelächter erntet, hat eine Frau viel größere Chancen, bemitleidet und unterstützt zu werden. Für die Frauen ist Jammern eine Strategie, die durchaus Sinn macht. Und was ist der Feminismus schon anderes als eine einzige lange Klage? (...) Wie eine feministische Autorin, Diana Hunt, es formuliert: Feminismus ist eine `transformierte Hysterie´. Vor 100 Jahren pflegten verwöhnte Mittelschichtfrauen durch Geschrei, das Werfen von Gegenständen oder durch Ohnmachtsanfälle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Heutzutage tun sie im Prinzip das Gleiche. Sie klagen über tiefe psychologische Traumata, nur weil jemand ihnen Komplimente über ihre Beine macht. (...) Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist wohl, dass der Feminismus nach hinten losgeht. Anstatt dass Frauen Gleichberechtigung erreichen, wird es vielleicht eine Rückkehr zur Geschlechtertrennung der viktorianischen Ära geben, wie sie bereits an einigen Schulen praktiziert wird. Da ich Frauen gern habe, würde ich eine derartige Entwicklung sehr bedauern."

Mit einer Reichweite von mehr als 6 Millionen Lesern (laut Medienanalyse 2003/I) gilt der "Focus" als Marktführer bei den Nachrichtenmagazinen. Die weit überwiegende Zahl seiner Leser zählen durch Abitur oder Studium zur sogenannten "Info-Elite".

Die Zusammenarbeit mit den Redakteuren der Zeitschrift lief außerordentlich gut. Was mich beeindruckt hat, war, dass sie nicht einfach damit zufrieden waren, mein Buch und seinen Inhalt vorzustellen, sondern die von mir angeführten Fakten tatsächlich nachzurecherchieren, um nicht versehentlich Werbung für eine Sache zu machen, die nicht hundertprozentig wasserdicht ist. Sehr verblüfft waren sie darüber, dass noch keine andere größere Zeitschrift oder Zeitung den Inhalt meines Buches aufgegriffen hatte. Normalerweise berichtet man über brisante und aufschlussreiche Titel bei ihrem Erscheinen und nicht anderthalb Jahre später. Als ein möglicher Grund wurde mir genannt, dass in Journalistenkreisen die Auseinandersetzung mit dem Feminismus häufig als "Leichenfledderei" betrachtet werde. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die "Focus"-Story auch weitere Medien auf dieses Thema aufmerksam machen wird.

Wenn ihr daran mitwirken wollt und euch mehr Beiträge dieser Art wünscht, könnt ihr dem Magazin ja ein Lesermail schreiben: Leserbriefe@focus-r.de. Meiner Ansicht nach wird viel zu selten die Möglichkeit genutzt, den Medien auch lobende Rückmeldungen zukommen zu lassen, wenn sie etwas richtig gemacht haben. Falls sich jemand dazu berufen fühlt, hier von mir einige generelle Ratschläge: Die Chancen auf einen Abdruck steigen, um so kürzer der Brief ist. Mit einem Leserbrief vertretet ihr die Männerbewegung nach außen, also bleibt lieber sachlich und freundlich statt herumzuwettern. Wenn ihr zum Vorstand einer Gruppe gehört oder besondere Leistungen im Zusammenhang mit der Männerbewegung vorweisen könnt, dann erwähnt das ruhig. Insbesondere männerfreundliche Frauen sollten sich aufgerufen fühlen zu zeigen, dass auch für sie die Bekämpfung der Männerdiskriminierung ein Anliegen ist. Feministinnen sollten ebenfalls schreiben: Je größer die Kontroverse ist, desto eher erkennen die Medienmacher, dass hier ein brisantes Thema vorliegt. Ich bezweifle allerdings, dass die üblichen Diffamierungskampagnen a la "Arne Hoffmann bewirbt in seinem Buch Vergewaltigungen und den Sex mit kleinen Kindern" etwas bringen werden. Die "Focus"-Redakteure haben mein Buch gelesen, sich damit auseinandergesetzt und sich auch mehrfach mit mir selbst unterhalten. Lasst sowas also besser mal in euren Web-Foren. Da kann man ja schreiben, was man will. :-)

Jedenfalls bin ich sehr davon angetan, dass nach jahrelangem Bohren dicker Bretter dieses Thema endlich die Aufmerksamkeit findet, die es verdient. Das Schweigetabu ist gebrochen. Und es gibt gute Aussichten, dass das erst der Anfang einer längeren Entwicklung ist. Aktuell bereite ich vor, Professor van Creveld für eine andere deutsche Zeitschrift zu interviewen. Auch eine Besprechung seines Buches für unsere beliebte Reihe "Die Blinden rezensieren die Blinden" soll nicht fehlen. ;-) Und selbstverständlich geht auch meine reguläre Medienarbeit weiter. Über neue Entwicklungen werde ich euch auf dem Laufenden halten.

Ich liebe diesen Beruf! :-)

Herzlicher Gruß

Arne


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